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Generation unsichtbar? Wieso wir mehr Frauen ab 50 im TV sehen wollen – und zwar nicht als senile Dame

Generation unsichtbar?: Wieso wir mehr Frauen ab 50 im TV sehen wollen – und zwar nicht als senile Dame
© Sabrina Bracher / Shutterstock
Beim abendlichen Suchen nach dem richtigen Fernsehprogramm fällt auf: Mit unter 50 finden wir eine Menge TV-Geschichten, die sich um Charaktere drehen, mit denen wir uns identifizieren können. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es aber. Was soll das?

"Ageism" – zu deutsch: Altersdiskriminierung, ist ein Phänomen, das sich seit Ewigkeiten durch die beliebtesten Filme und Serien zieht. Bei einer Befragung von 1.502 US-Amerikaner:innen gaben nur 25 Prozent der Befragten über 50 an, mit der Darstellung ihrer eigenen Altersgruppe im TV zufrieden zu sein. In einer globalen Studie des Geena Davis Institute on Gender in Media und dem Gesundheits- und Hygieneprodukte-Hersteller TENA bestätigt sich dieses Gefühl. Die Studie zeigt: In den zehn umsatzstärksten Filmen aus Deutschland, Frankreich, den USA und Großbritannien aus dem Jahr 2019 standen die Chancen für Charaktere über 50 eher schlecht.

Senil, kränklich und unattraktiv? Bitte nicht.

32 Filme wurden ausgewertet – 32 Geschichten, die das ältere Publikum überwiegend hängen ließen. Denn heraus kam:

  • Charaktere über 50 waren weniger divers, sowohl in Nationalität als auch Sexualität.
  • Sexuelle Bedürfnisse zu haben scheint den älteren Charakteren auch nicht erlaubt. Im Gegensatz zu jüngeren Charakteren wirkten sie meistens so, als hätten sie an sexueller Intimität keinerlei Interesse.
  • Romantik hingegen ist erlaubt. Vielleicht deswegen, weil dabei nicht unbedingt nackte Haut involviert ist.
  • Außerdem hatten ältere Charaktere öfter beispielsweise körperliche Einschränkungen als ihre jüngeren Schauspielerkolleg:innen.
  • In dem Sample tauchte keine einzige Frau über 50 in einer Hauptrolle auf. Bei den Männern waren es immerhin zwei.

Altern: Total normal und etwas Schönes

Wir wissen alle, dass das Leben idealerweise nicht mit 50 endet – und auch nicht mit 70 oder sogar 90. Warum also finden wir im TV so selten gesunde Menschen, die im Alter Spaß haben können und ihr Leben leben? Wo sind all die Grace & Frankies, die wir in unserem Alltag brauchen? Und ich meine: brauchen. Nicht nur für diejenigen unter uns, die schon die 50 Jahre geknackt haben, sondern auch für die Jüngeren ist es wichtig, einen positiven Ausblick auf das Leben ab 50 zu sehen.

Es ist kein Wunder, dass die berüchtigte Midlife-Crisis einsetzt, wenn Filme und Serien uns den Eindruck vermitteln, dass das Leben ab einem gewissen Alter vorbei ist. Beziehungsweise: nicht mehr so zeigenswert. Denn das ist nicht die Realität. Auch mit 50 oder noch mehr Jahren voller Lebensweisheit können wir reisen, Sex haben oder auf sonstige Art und Weise einfach leben. Mehr Mut und Lebensfreude im Alter zu zeigen, täte den Blockbustern und Serien-Highlights da sicherlich gut.

Ü50 Frauen haben es im TV noch schwerer

In der Studie aus 2019 war nur einer von vier Charakteren über 50 weiblich. Frauen wurden außerdem oft stereotypisiert. Beispielsweise waren sie öfter senil oder mental schwächer als Männer und wurden oft als kränklich, einsam oder körperlich schwach inszeniert. Sie wurden unattraktiver dargestellt als die männlichen Charaktere und trugen beispielsweise nicht zusammenpassende oder zu weite Kleidung. Während die Männer hingegen öfter stylish waren – elegant, mit frisierten Haaren. Die 50+-Männer waren außerdem mehr unterwegs als die Frauen, reisten durch das Land oder waren körperlich aktiv – während die Frauen im Komfort ihrer eigenen vier Wände blieben.

Wie wir wirklich sind

Es ist mehr als nur schade, dass Filme und Serien noch an ihren Bildern von Frauen und Männern ab 50 arbeiten müssen – aber es muss auf jeden Fall dazu kommen. Denn für uns alle ist es wichtig, ein positives Verhältnis zum Altern zu entwickeln. Statt Krankheiten, Senilität und Schwäche abzubilden, sollte es darum gehen, wie schön ein langes Leben sein kann und was wir darin alles erreichen können. Weniger: 'Das kannst du nicht, du bist zu alt' und dafür mehr Freude am Altern, mehr Akzeptanz. Aber wichtig ist vor allem, dass wir uns von dem, was wir sehen, nicht beeinflussen lassen. Wir sind schön so, wie wir sind. Wenn wir nach dem nächsten Filmabend das Gefühl haben, dass das Alter etwas Schlechtes ist, dann sollten wir uns stattdessen einfach die tollen Frauen und Männer in unserem Leben anschauen, die Eltern oder Großeltern. Oder die trendy älteren Frauen in der Fußgängerzone – und die Händchen haltenden Senior:innen in der Bahn. Es gibt so vieles, was uns glücklich machen kann und manchmal ist die Realität die beste Medizin.

Verwendete Quellen: Geena Davis Institute on Gender in Media

lkl Guido

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