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Glück um die Welt Was Wohlbefinden in anderen Ländern ausmacht – und was wir uns abschauen können

Wohlbefinden definieren Menschen an unterschiedlichen Orten anders
Wohlbefinden definieren Menschen an unterschiedlichen Orten anders.
© MH / Adobe Stock
Was bedeutet Wohlbefinden in anderen Ländern? Und was kann man für sich selbst daraus lernen? Wir haben die Antworten.

Wohlbefinden – was bedeutet das überhaupt? Uns geht es gut, wenn wir ein leckeres Gericht (zum Beispiel Pasta) auf der sonnendurchfluteten Terrasse essen – am liebsten im Urlaub und noch lieber in Italien bei 25 Grad im Schatten. Aber was für die eine Person wie ein traumhafter Moment klingt, ist für die andere vielleicht alles andere als erstrebenswert: Die mag nämlich keine Pasta, stört sich an der Sonne, die ihr direkt ins Gesicht scheint und Wärme und lange Reisen sind ihr ein Graus!

Das zeigt: Schon zwei Personen können ein ganz unterschiedliches Verständnis darüber haben, was Wohlbefinden für sie bedeutet. Und auf andere Länder übertragen, sieht das Ganze natürlich auch nicht anders aus. Doch wie definieren die Menschen in Ländern von Afrika, Asien und auf Neuseeland ihr eigenes "Wohlbefinden"? Eine Studie der Cambridge University hat sich diese und weitere Orte genauer angeschaut – und vielleicht können wir uns das ein oder andere von unseren Nachbar:innen abschauen.

Wohlbefinden in Afrika ist stark verzahnt mit Spiritualität und dem Respekt vor Älteren

Spiritualität spiele bei der Vorstellung von Wohlbefinden wohl die größte Rolle, heißt es in der Studie. In Afrika gibt es neben dem Islam und dem Christentum vor allem die traditionellen afrikanischen Religionen, nachdem sich das Individuum nur in Verbindung mit seiner Gruppe und den Ahnen versteht. Ein verstorbener Mensch, der in der Familie angesehen war, wird zum Ahnen ernannt, steht den Lebenden räumlich nahe und sorgt für ihr Wohl. Auch Respekt vor den noch lebenden Älteren ist in vielen Gemeinschaften ein selbstverständlicher Teil der Kultur.

Wir können unsere alten Familienmitglieder wieder (mehr) zu schätzen lernen.

Unsere Großeltern respektieren und schätzen – im Leben wie im Tod. Klingt nach einem erstrebenswerten Zustand, oder? Es gibt Sätze unserer weisen Großeltern, die wir erst Jahre später verstanden haben. Für viele Menschen spielten Oma und Opa in der Kindheit (und auch darüber hinaus) eine unheimlich wichtige Rolle. Wir können uns die afrikanischen Religionen hierbei zum Vorbild nehmen und unsere alten Familienmitglieder wieder (mehr) zu schätzen lernen.

Asien – ein hoch gläubiger und komplexer Kontinent

Beim Kontinent Asien, der aus mehreren Unterregionen besteht und von den Forscher:innen als der "bei weitem größte und wahrscheinlich komplexeste Kontinent der Welt" bezeichnet wird, spiele die Vielzahl unterschiedlichster Religionen eine große Rolle im Alltag der Menschen. Sie geben "Regierungsstrukturen vor, provozieren Konfrontationen und fördern allgegenwärtige, oft starre Überzeugungen, Traditionen, Gewohnheiten und Bräuche".

Hierbei unterscheidet die Studie den Einfluss auf das Wohlbefinden im Vergleich zu Afrika, wo Religionen ebenfalls eine große Rolle spielen. Es gebe Länder wie Japan, Indien, Ägypten oder Jordanien, in denen die religiöse bzw. spirituelle Komponente für die Menschen eine wichtige Rolle spiele, in anderen Ländern wie der Türkei gebe es hingegen eine "Gewaltenteilung" auf der einen Seite, auf der anderen würde sich unter bestimmten Umständen dennoch stark auf Religionen berufen.

Für manche ist der Glaube eine wichtige Stütze in ihrem Leben.

In einem eher rational geprägten Land wie Deutschland spielt Religion dennoch bis heute eine wichtige Rolle: Laut einer Umfrage der "Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland" aus 2020 ordneten sich insgesamt 51 Prozent der Befragten einer (christlichen) Religionsgemeinschaft zu, 41 Prozent folgten keiner religiösen Weltanschauung. Religion ist für viele Menschen ein Streitthema, nicht zuletzt aufgrund der vielen Missbrauchsvorwürfe gegenüber der katholischen Kirche. 

Doch für nicht Wenige ist der Glaube – der nicht christlich, sondern auch beispielsweise buddhistisch oder hinduistisch sein kann – eine wichtige Stütze in ihrem Leben. Er gibt ihnen Sinn, Mut und Antrieb, was sich natürlich auch positiv auf ihr Wohlbefinden, gerade in schwierigen Lebenssituationen, auswirken kann.

Das Wohlbefinden in Neuseeland hängt mit vier Faktoren zusammen

Das "indigene Erbe großer Stammesgruppen" habe laut der Studie beachtliche Einflüsse auf das Konzept von Wohlbefinden auf Neuseeland. So würden Grundsätze der Maori (der indigenen Kultur auf der Insel) wie Respekt, Vorsicht und die Fähigkeit "hinzusehen, zuzuhören und zu sprechen", auch starken Einfluss auf die Methoden und das Wissen in puncto Gesundheitsvorsorge haben. 

In einer Umfrage der neuseeländischen Regierung ergaben sich vor allem vier wichtige Faktoren für das Wohlbefinden der Bevölkerung:

  • Ausgezeichnete oder sehr gute Gesundheit
  • Mehr als genug oder genug Geld für die alltäglichen Dinge
  • Kein Gefühl der Einsamkeit innerhalb der letzten vier Wochen
  • Keine großen Probleme mit dem Zuhause (Kälte, Feuchte, Schimmel)

Hieraus lassen sich ziemlich universell Sichtweisen herausziehen, die wir auf unser eigenes Wohlbefinden richten können. Wie die Umfrage ergab, konnte sich über die Hälfte der neuseeländischen Bevölkerung über mindestens drei dieser Punkte erfreuen. Wir selbst können diesen Moment auch nutzen, um innezuhalten und zu überlegen: Geht es uns körperlich und seelisch gut? Haben wir so viel Geld, dass es für ein Leben reicht, ohne allzu oft entbehren zu müssen? Dürfen wir uns über gute Freund:innen, Familie und Partner:innen freuen? Haben wir ein Dach über dem Kopf, dass für uns ein "Zuhause" darstellt? 

Nicht immer sind solche Dinge jedem Menschen zugänglich, weswegen wir all diese Dinge stets zu schätzen wissen sollten – und nie als Selbstverständlichkeit kleinreden.

Verwendete Quellen: cambridge.org, bpb.de, stats.govt.nz, psychologie-heute.de, fowid.de, link.springer.com

cs Guido

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