Hormonpflaster: Kleben statt schlucken

Neue Studie: Ob Pille oder Pflaster - das macht durchaus einen Unterschied bei Hormonen gegen Beschwerden in den Wechseljahren.

Hormonen gegen Wechseljahresbeschwerden haben ihre Risiken - das wissen wir inzwischen alle. Aber es ist nicht egal, ob die Östrogen-Gestagen-Präparate als Pillen geschluckt oder per Pflaster oder Gel auf die Haut aufgebracht werden. Das zeigte jetzt eine große dänische Studie. Zumindest ein erhöhtes Risiko auf Herzinfarkt lässt sich durch die richtige Darreichungsform offenbar fast vollständig vermeiden.

Die dänische Studie hatte die Gesundheitsdaten von fast 700.000 Frauen aus den Jahren 1995 bis 2001 ausgewertet. In der Altersgruppe der 51 bis 54-Jährigen zeigte sich, dass fast ein Viertel mehr Herzinfarkte auftraten, wenn die Frauen Hormonpräparate in Pillenform zu sich nahmen. Bei einer Therapie via Pflaster oder Gel kam es zu keiner erhöhten Herzinfarkt-Rate.

Vielen Frauen empfinden Pflaster - auch zur Verhütung - als "weniger sicher". Tatsächlich aber werden mit der Aufnahme über die Haut verlässlichere und kontinuierlichere Hormonspiegel erreicht als mit Präparaten, die erst Magen und Darm passieren müssen. Von der ursprünglich hohen Dosierung der Pillen bleibt nämlich nur ein Bruchteil "im Körper hängen".

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

Störungen im Verdauungssystem können zudem leicht zu Hormonschwankungen führen. Übrigens zeigte die Studie auch, dass es für das Herz offenbar weniger riskant ist, ein Präparat zu nehmen, das dem Zyklusrhythmus angepasst ist und abwechselnd nur Östrogen und eine Östrogen-Gestagen-Kombination einsetzt.

Die dänische Studienleiterin Ellen Loekkegard erklärte ansonsten ganz klar: "Unsere Studie ändert nichts an den gängigen Empfehlungen für die Hormonsubstitution." Denn ob es auch für die Risiken auf Brustkrebs, Schlaganfall oder Thrombosen einen Unterschied macht, ob Hormone per Pflaster oder Pille genommen werden, weiß die Wissenschaft noch nicht.

Erst im Frühsommer hatte eine große Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf noch einmal die Ergebnisse amerikanischer Untersuchungen bestätigt: Eine langfristige Einnahme von Wechseljahreshormonen, so das Ergebnis der MARIE-Studie, erhöht das Brustkrebsrisiko um 73 Prozent.

Text: Irene Stratenwerth Foto: Getty Images; Silke Goes Illustration: Tim Möller-Kaya

Wer hier schreibt:

Irene Stratenwerth
Themen in diesem Artikel