Mehr als Hokuspokus – die Wissenschaft von der Traumdeutung

Du fragst dich: Welche Botschaften haben meine Träume? Wir erklären dir die wichtigsten Symbole der Traumdeutung. Zusammen mit Traumforscher Prof. Dr. Michael Schredl tauchen wir in die Wissenschaft der Traumdeutung ein.

Traumdeutung: Träume und ihre Bedeutung
Traumforscher haben herausgefunden: Ein Mensch verbringt rund vier Jahre seines Lebens in träumenden Zuständen. Das ist ganz schön viel, finden wir und werfen deshalb einen genaueren Blick in die Welt der Träume und der Traumdeutung.
Durchschnittlich träumt man sechs bis sieben Mal pro Nacht, aber an das wenigste kann man sich am nächsten Morgen erinnern. Das meiste gerät hingegen schnell wieder in Vergessenheit, da das Gedächtnis vom Schlafzustand in den Wachzustand umschaltet und sich nun wieder um das Aufnehmen neuer Informationen kümmern muss. Nur wenn man den Traum schnell ausspricht oder sich aufschreibt, bleibt er im Kopf. Und dann wird es richtig spannend. Denn deutet man die Traumsymbole, also die Bilder, die im Traum vorkommen, richtig, kann man seinen Gefühlszustand, seine Wünsche und Ängste besser verstehen.
Die Entschlüsselung unserer Träume
Jedoch ist es gar nicht so einfach, Traumsymbole zu erkennen und die passende Bedeutung herauszufinden. Zumal meistens die verrücktesten Dinge im Traum passieren. Prof. Dr. Michael Schredl ist Traumforscher und hilft, Träume zu entschlüsseln und anschließend eine entsprechende Traumdeutung vorzunehmen. Im Folgenden erklärt er uns, was hinter den verschiedenen Traumsymbolen steckt, wie sich diese Symbole richtig deuten lassen, und was es mit der Traumdeutung genau auf sich hat.
Traumdeutung: Wofür stehen Traumsymbole?
Das erste ausführliche Traumdeutungsbuch erschien 200 n. Chr., geschrieben von Artemidor von Daldis. So findet man beispielsweise: "Eine Treppe ist das Symbol einer Reise oder eines Umzugs, ihre Stufen bedeuten Wachstum." So waren Träume in dieser Tradition oft als Hinweise auf die Zukunft interpretiert worden. Träume als Spiegel der eigenen Seele zu sehen, wurde besonders durch Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse, eingeführt. Für Treppen (Stiegen) hatte er allerdings eine andere Deutung: "Die Stiege stellt ein sicheres Koitussymbol dar. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des Koitus im Stiegensteigen wieder."
Auch der Blick auf einschlägige Internetseiten zeigt, dass jedes Symbol sehr viele, zum Teil widersprechende Deutungen bekommt. So stellt sich die Frage, ob Traumdeutung auf einer allgemeinen Ebene überhaupt möglich ist.
Das haben wir doch alle schon mal geträumt!
Die Forschung hat gezeigt, dass es tatsächlich typische Traumthemen gibt, die viele Menschen berichten, z. B. Verfolgtwerden, Prüfungsträume, Gelähmtsein, und Fallen. Die Vermutung ist natürlich, dass es typische Wachsituationen gibt, die bei vielen Menschen auftreten, und sie deshalb so häufig im Traum vorkommen. Hier kommen die Grundmuster des Traumes ins Spiel, das bezeichnet die Gefühle, die im Traum erlebt werden, und wie das Traum-Ich mit diesen Gefühlen umgeht.
Häufige Traumsymbole
  • Verfolgungstraum: Am Beispiel des Verfolgungstraumes soll dieses Prinzip veranschaulicht werden. Im Traum wirst du von einem bösartigen Monster gejagt, haben also viel Angst und laufen davon. Das wird von der Psychologie als Vermeidungsverhalten bezeichnet. Der Verfolgungstraum ist eine dramatisierte Variante des Vermeidungsverhaltens. Eine Person, die solche Träume hat, vermeidet möglicherweise etwas, eine unangenehme Aufgabe, eine Auseinandersetzung oder eine schwierige Entscheidung. Welches Thema vermieden wird, sagt der Traum nicht, sondern er zeigt das Grundmuster auf. Wenn du einen Verfolgungstraum hast, ist die Frage: "Gibt es aktuell in meinem Wachleben etwas, das ich vermeide?"
  • Prüfungstraum: Das Grundthema bei Prüfungsträumen ist die Bewertung der eigenen Leistungen durch andere. Das ist nicht nur in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium wichtig, sondern auch später im Beruf oder in anderen Bereichen: "Wie schätzen andere meine Fähigkeiten?" ein. Sigmund Freud hat schon darauf hingewiesen, dass viele Menschen von Prüfungen träumen, die sie im Wachleben bestanden haben, z. B. Mathe-Abi. Das kann so gesehen werden, dass es nicht darum geht, dass man tatsächlich etwas nicht kann, sondern es um die Angst geht, was andere über die eigenen Leistungen denken.
  • Falltraum: Auch beim Falltraum ist das Grundmuster einfach zu erkennen: Egal, was du tust, das Endergebnis ist, dass du unten aufschlägst. Die meisten TräumerInnen wachen vor dem Aufprall auf. Der Traum ist eine dramatisierte Darstellung eines Hilflosigkeitsgefühls: "Ich kann nichts machen." Also ist hier die Frage, ob es aktuell im Wachleben Situationen, Gegebenheiten gibt, in denen du dich hilflos fühlst. Wieder ist wichtig: Der Traum zeigt nicht an, dass du tatsächlich nichts tun kannst, sondern deutet auf das Gefühl der Hilflosigkeit hin.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine allgemeine Deutung auf Symbolebene nicht sehr sinnvoll ist, jedoch auf der Ebene der Grundmuster. Das sind Gefühle und Verhaltensweisen, die jeder Mensch kennt und schon im Wachleben erlebt hat. Die genaueren Umstände, z. B. welches Thema vermieden wird, das hängt von dem individuellen Umfeld ab.