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"Feel Good Five"-Interview Warum stärkt Reisen die Beziehung zu sich selbst, Jochen Schliemann?

"Feel Good Five"-Interview: Warum stärkt Reisen die Beziehung zu sich selbst, Jochen Schliemann?
© Shutterstock
In unserem Interview-Format "Feel Good Five" sprechen wir mit spannenden Frauen und Männern, die im Wohlfühl-Kosmos zuhause sind und stellen ihnen fünf Fragen. Dieses Mal mit Jochen Schliemann, Journalist, Autor und Podcaster von "Reisen Reisen – der Podcast". 

Jochen Schliemann schreibt Reisebücher, Artikel, unter anderem über Musik, führt Interviews und arbeitet beim Radio. "Reisen bildet“, sagt er, "wenn man bewusst reist.“ Zusammen mit Michael Dietz hat er 2018 "Reisen Reisen – der Podcast" ins Leben gerufen. Das Duo berichtet dort von seinen mehr als 100 schönsten, abenteuerlichsten und aufregendsten Reisen. Mit dabei: ganz viel Humor, spannende Anekdoten und eine beeindruckend lebendige Sprache, die das Kopfkino anknipst. 

Im "Feel Good Five"-Interview: Jochen Schliemann

Brigitte: Euer Podcast "Reisen reisen“ folgt dem Motto: Urlaub machen kann jeder, eine Reise muss man reisen. Was genau meint ihr damit?
Jochen Schliemann: Ich bin der Auffassung, dass Reisen mehr bedeutet, als nur in ein Pauschal-Resort einzuchecken, um dort dann hinter einem Zaun meinen Urlaub zu verbringen und mich vielleicht mal in der Büffet-Schlange von rechts anstatt von links anzustellen. Aber wohl gemerkt: Das finden wir nicht doof. Wir verstehen, wenn das jemand machen möchte. Wir denken allerdings, dass Reisen viel mehr ist: wir wollen unterwegs andere Orte, andere Menschen, andere Lebensweisen, andere Realitäten entdecken.

Reisen ist für mich fast die beste Form von Bildung.

Natürlich können nicht alle Menschen Urlaub machen, das ist uns auch bewusst. Aber wenn man es kann, sollte man es umso mehr auskosten und wertschätzen. 

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Was wollt ihr euren Hörer:innen für ein (Reise-)Gefühl vermitteln? 
Wir wollen unseren Hörer:innen mehr vermitteln, als nur Sehenswürdigkeiten und Hoteltipps. Stattdessen versuchen wir in unserem Podcast eine Geschichte erzählen und freuen uns dabei, auch mal ein bisschen weiter ausholen zu können. Wir sind beide Journalisten: Ich komme aus dem Print-Bereich, Michael arbeitet beim Radio und beim Fernsehen. Wir haben selten die Möglichkeit gesehen, einem Thema oder einem Ort den Raum zu geben, den es oder er verdient. Das können wir jetzt in unserem Podcast. Immer im Fokus: Die Menschen, die dort Leben. 

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Reisen bedeutet auch, aus seiner Komfortzone herauszutreten, Neues zu entdecken und ein Abenteuer zu wagen. Was ist dein Tipp für die Menschen, die sich damit schwer tun? 
Da fallen mir spontan zwei Tipps ein. Zum Einen: Macht es euch so leicht wie möglich und richtet euch danach, was eure Leidenschaften sind. Wenn du dich bereits mit dem Ziel identifizieren kannst, ist der Schritt aus der Komfortzone nicht mehr so schwer. Mein erstes Buch, das ich besaß und mit Reisen zu tun hatte, war ein Fotoband über die Tiere Afrikas – und das hat mich total berührt und mir war klar: Ich möchte nach Afrika. Mir war bewusst, dass das vielleicht keine einfache oder eine Pauschal-Reise wird, aber die Entscheidung, sie letztlich wirklich zu machen, fiel mir nicht so schwer, weil ich mir damit einen Traum erfüllten wollte. Wenn du also zum Beispiel ein Comic-Nerd bist, könntest du die größte Comic-Messe besuchen fahren. Wenn du ein Fan von Pubs bist, könntest du eine England- oder Irland-Reise nur entlang deiner Traum-Pubs planen.

Reisen ist nicht unbedingt das, was der Katalog dir vorgibt.

Reisen kannst du dir ganz individuell zusammenstellen und nach deiner Passion gestalten. Das macht den Schritt aus der Komfortzone um einiges leichter. 

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Mein zweiter Tipp ist: Freue dich auch auf das Gefühl danach – ähnlich wie beim Joggen. Denn immer, wenn wir über unseren Schatten gesprungen sind und unsere Komfortzone verlassen haben, wachsen wir innerlich, fühlen uns besser und nehmen etwas fürs Leben mit. Gerade, wenn es um das Thema 'Alleine Reisen' geht. Ich hätte drei oder vier meiner sehnlichsten Reisewünsche nicht erfüllen können, wenn ich darauf gewartet hätte, dass jemand anderes mitkommt. Und deswegen lautet mein Appell: Erfüllt euch den Traum, reist dorthin, wo ihr schon immer mal sein wolltet – auch wenn es Überwindung kostet und es unterwegs nicht immer einfach ist. Doch man wächst über sich hinaus und man wird unabhängiger. Zu wissen, man kann alleine sein und man kann alleine reisen, ist unglaublich wertvoll. 

Wenn du einfach nur mal die Seele baumeln lassen möchtet – wohin fährst du dann? 
Eigentlich hatte ich nie vor, irgendwo zweimal hinzureisen. Aber ein Land hat es geschafft, dass ich dieses Versprechen gebrochen habe: Japan! Das liegt vor allem an den Menschen. Die Art und Weise, wie Japaner:innen miteinander umgehen und mit welchen Werten sie ihr Sozialleben gestalten, fasziniert mich. Demut, Achtsamkeit, Rücksicht und Respekt wird dort sehr groß geschrieben. Auch die Liebe zum Essen beeindruckt mich. In Japan fühle ich mich einfach komplett wohl und geborgen. 

Meine anderen Wohlfühlorte sind die Nord- und Ostsee. Ich komme ursprünglich aus Schleswig-Holstein und wir haben in meiner Kindheit viele Urlaube auf der Nordseeinsel Föhr verbracht. Wenn ich das Gefühl habe, mir wird alles zu viel oder ich möchte mal einfach von allem wegkommen, dann sehne ich mich nach Föhr. Einfach aufs Wasser schauen, erdet mich sofort – nicht umsonst sage ich auch immer: Wasser sind meine Berge. Übrigens: Als ich in Japan von dem Wattenmeer erzählt habe, durfte ich in ungläubige Gesichter schauen. 'Du gehst auf dem Meeresboden von Insel zu Insel?', wurde ich beispielsweise von einem Mann in Osaka gefragt. Für ihn war die Vorstellung total abgefahren. Dabei dachte ich, ich sei gerade in Japan an einem abgefahrenen Ort. 

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Aufgrund der derzeitigen Situation machen immer mehr Menschen Urlaub im eigenen Land. Hast du einen (Geheim)-Tipp für Deutschland? 
Ich persönlich finde Helgoland spektakulär. Es ist die einzige deutsche Hochseeinsel, du fährst da ca. zwei Stunden vom Festland mit dem Schiff hin und bist dann auf einer kleinen Insel mitten in der Nordsee zwischen Großbritannien und Deutschland. Helgoland hat viel zu bieten: Die lange Anna, ein 47 Meter hoher Brandungspfeiler im äußersten Nordwesten, das Oberland mit der wunderschönen Grünfläche, der Hochseewind, dann nebenan die kleine Insel mit den Robben. Man findet hier wildes Leben und wonach ich auch suche: Verlassenheit. Denn du hast auf Helgoland nur eine kleine Gemeinde und bist weit weg von allem – eine ganz andere Form von Leben. 

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Ein weiterer Geheimtipp liegt in Sachsen: die Stadt Görlitz. Ich bin dort angekommen und ich konnte nicht fassen, wie schön diese Kleinstadt und vor allem deren Altstadt ist. Das war für mich ehrlich gesagt total überraschend. Vom Stadtbild her findet man hier auch gelebtes Europa, denn die Stadt liegt sowohl in Deutschland, als auch in Polen. Das heißt, manche Leute überqueren morgens auf dem Weg zur Arbeit auf einer Brücke die Landesgrenzen.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Brigitte

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