Ablauf einer Scheidung: Schritt für Schritt erklärt

Der Ablauf einer Scheidung scheint für viele zunächst kompliziert und aufwändig. Wir zeigen, welche Schritte notwendig sind und was es zu beachten gibt.

Ablauf einer Scheidung: Überblick

  1. Voraussetzungen der Scheidung sind erfüllt.
  2. Das Scheidungsverfahren wird mit dem durch einen beauftragten Scheidungsanwalt eingereichten Scheidungsantrag beim Familiengericht eingeleitet.
  3. Die Gerichtskosten müssen bezahlt werden, damit das Gericht die Bearbeitung beginnt.
  4. Der Antrag geht auch dem Antragsgegner zu.
  5. Fragebögen zum Versorgungsausgleich werden zugestellt.
  6. Ein Gerichtstermin wird angesetzt.
  7. Die Scheidung wird vor Gericht beschlossen und ist nach Ablauf einer vierwöchigen Frist rechtskräftig.

1. Voraussetzungen

  • Auch wenn viele Ehegatten eine Scheidung so schnell wie möglich vollziehen möchten, so gibt es doch gewisse Hürden zu beachten. Eine sofortige Scheidung ist nur möglich, wenn es sich um sogenannte Härtefälle handelt. Damit kann beispielsweise Gewalt innerhalb einer Ehe gemeint sein.
  • In der Regel müssen Eheleute sich jedoch an das vorgeschriebene Trennungsjahr halten, welches einer Scheidung vorausgeht. In diesem lebt das Paar räumlich getrennt – entweder in unterschiedlichen Wohnungen oder zumindest nicht mehr in einer gemeinsamen Lebensgemeinschaft.
  • Wenn beide Eheleute mit der Scheidung grundsätzlich einverstanden sind, kann die Scheidung kurz vor Ablauf des Trennungsjahres eingereicht werden. Ist das jedoch nicht der Fall, sprich ein Partner stellt sich quer, sieht der Richter meist noch eine Versöhnungschance und ordnet einen Zeitraum von insgesamt drei Trennungsjahren an.

2. Der Antrag

  • Die Ehe kann nur durch einen richterlichen Entschluss eines Familiengerichtes aufgelöst werden. Um also die Scheidung in die Wege zu leiten, muss sich der scheidungswillige Ehepartner mit einem Anwalt in Verbindung setzen. Lies hier mehr zu den Aufgaben eines Scheidungsanwalts.
  • Dem Scheidungsanwalt übermittelst du die für den Antrag relevanten Daten, wie etwa Angaben zu den Eheleuten, gemeinsamen Kindern oder eine Kopie der Heiratsurkunde. Da nur ein Rechtsanwalt die Scheidung vor Gericht einreichen kann, muss für die Scheidung in jedem Fall ein Anwalt in Anspruch genommen werden. Um Zeit und Kosten zu sparen, setzen viele Paare vor allem bei einer einvernehmlichen Trennung auf die Online-Scheidung.
  • Achte bei deiner Scheidung darauf, dass der Anwalt ein Fachanwalt für Familienrecht ist, keine versteckten Kosten auf dich zukommen und der Anwalt jederzeit gut erreichbar ist. Bestenfalls sollten alle Dokumente auch online und mit dem Handy einsehbar sein, damit du immer gut informiert bist.
  • Fachanwalt für Familienrecht Frank Riedel (Geschäftsführer der Legalbird Rechtsanwalts UG): "Gehen Sie unbedingt sicher, dass immer nur die Mindestgebühren berechnet werden. Eine Scheidung sollte nie mehr kosten, als vom Gesetz vorgeschrieben! Durch eine Online-Scheidung sparen Sie neben dem Geld auch Zeit und haben immer alles im Blick."

3. Gerichtskosten bezahlen

  • Damit das Gericht den eingereichten Scheidungsantrag auch bearbeitet, gilt es zunächst, die Gerichtskosten zu begleichen. Diese berechnen sich nach dem Einkommen der Ehegatten. Mehr Infos dazu liest du in unterem Artikel zu den Scheidungskosten.
  • Im ersten Schritt hat der Antragssteller die Gerichtskosten zu tragen. Nach Abschluss der Scheidung hat der Ehepartner ihm die Hälfte dieser Kosten zu erstatten. Sollte der Antragssteller über ein nicht ausreichendes Einkommen verfügen, kommt die Beantragung von Verfahrenskostenhilfe oder bei einem vermögenden Ehepartner die Beantragung eines Vorschusses in Frage.
  • Wenn du ein geringes Einkommen hast und unsicher bist, ob du die Scheidung bezahlen kannst, macht oft Verfahrenskostenhilfe Sinn. Dann übernimmt der Staat die Kosten der Scheidung für dich. Die Beantragung ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem ein mehrseitiges Formular ausgefüllt und viele Nachweise eingereicht werden müssen. Es gibt vereinzelt Anbieter, die dich kostenlos bei der Beantragung der Verfahrenskostenhilfe unterstützen, indem der Antrag unkompliziert und schnell online ausgefüllt werden kann. Zu diesen zählt auch unser BRIGITTE-Kooperationspartner Legalbird.
  • Fachanwalt für Familienrecht Frank Riedel: "Das Formular für Verfahrenskostenhilfe ist sehr lang und wird oft nicht verstanden. Welche Nachweise nötig sind, ist auch nur schwer nachzuvollziehen. Das kann dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird und die Kosten nicht übernommen werden. Wir haben daher einen Assistenten entwickelt, der es möglich macht, das Formular ganz einfach online auszufüllen. Der Assistent erkennt aufgrund der Angaben, welche Nachweise nötig sind. Diese Nachweise können dann ganz einfach mit dem Handy abfotografiert und hochgeladen werden.“ 

4. + 5. Zustellung an den Antragsgegner und Fragebogen

  • Wenn die Gerichtskosten bezahlt wurden, verschickt das Gericht den Scheidungsantrag auch an den Antragsgegner. Dieser erfährt nun im spätesten Fall jetzt von der eingeleiteten Scheidung. Er hat die Möglichkeit, der Scheidung entweder zuzustimmen oder diese abzulehnen. Auch kann unter Hinzunahme eines Anwalts ein eigener Scheidungsantrag eingereicht werden.
  • Beiden Ehegatten geht zudem ein Fragebogen zum Thema Versorgungsausgleich zu. In diesem geht es um die Berechnung der Rentenansprüche der Ehegatten.

Der Versorgungsausgleich wird grundsätzlich durchgeführt. Es gibt jedoch folgende Ausnahmen:

  • Der Versorgungsausgleich wurde bereits im Vorfeld durch notariellen Ehevertrag ausgeschlossen
  • Die Ehe dauerte weniger als drei Jahre (freiwillige Beantragung möglich)
  • Der Ausgleich wäre absolut ungerecht
  • Beide Ehegatten sind anwaltlich vertreten und einigen sich auf den Wegfall eines Ausgleichs

Wenn kein Versorgungsausgleich zum Tragen kommt, kann das Scheidungsverfahren in der Regel deutlich beschleunigt werden. So kann die Scheidung bis zu drei Monaten früher abgeschlossen sein.

6. Der Scheidungstermin

  • Beim Scheidungstermin gilt in der Regel, dass beide Ehepartner persönlich anwesend sein müssen. Falls ein Ehegatte beispielsweise aufgrund eines weit entfernten Wohnorts im Ausland verhindert ist, kann das Gericht auch Ausnahmen von der Regel zulassen.
  • Der Scheidungstermin selbst geht insbesondere bei einer einvernehmlichen Scheidung relativ schnell über die Bühne. Das Gericht befragt beide Ehegatten, seit wann diese getrennt leben, ob sie geschieden werden wollen und wie hoch ihr Einkommen ist. Nach diesem Einkommen werden die Scheidungskosten berechnet.
  • Jede Partei kann während des Termins weitere Anträge, zum Beispiel bezüglich Umgangsrecht oder Unterhalt, stellen. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass auch ein Anwalt als Vertretung dahintersteht. Wer sich nicht von einem Anwalt vertreten lässt, kann der Scheidung nur zustimmen oder diese ablehnen.
  • Optimalerweise wurde bereits vor dem Termin eine Scheidungsfolgenvereinbarung getroffen und notariell beurkundet. So kann der Scheidungsprozess deutlich schneller durchgeführt werden.

7. Das Scheidungsurteil

Für den Fall, dass alle zu klärenden Angelegenheiten erledigt sind, kommt das Gericht beim Scheidungstermin zum Entschluss, die Ehe zu scheiden. Offiziell spricht man von einem Scheidungsbeschluss, der durch das Gericht getroffen wird.

Wenn auf Rechtsmittel, wie eine Berufung, verzichtet wird, ist die Scheidung sofort rechtskräftig, ansonsten besteht eine vierwöchige Frist. Auch hier gilt: Auf Rechtsmittel kann nur verzichten, wer auch von einem Anwalt vertreten wird. Eine kostenlose Erstberatung durch einen erfahrenen Anwalt bekommst du zum Beispiel bei unserem BRIGITTE-Kooperationspartner Legalbird.

Was gilt es neben der Scheidung noch zu regeln?

Die Ehegatten können bereits während des Scheidungsverfahrens vor Gericht beantragen, auch die nachehelichen Folgen zu klären (Folgesachen). Natürlich steht es den Ehegatten auch frei, sich außergerichtlich zu einigen und damit wiederum das Verfahren zu beschleunigen.

Folgende Folgesachen kommen unter anderem in Frage:

  • Güterrechtssachen
  • Haushaltssachen
  • Kindschaftssachen (Sorgerecht und Umgangsrecht für gemeinsame Kinder)
  • Kindesunterhalt und nachehelicher Unterhalt

Ablauf einer Scheidung: Wie lange dauert es insgesamt?

  • Im deutschen Scheidungsverfahren kann sich der Prozess insgesamt auf bis zu ein Jahr nach Beantragung der Scheidung hinziehen. Wenn auf den Versorgungsausgleich verzichtet wird, ist eine Scheidung innerhalb von drei bis vier Monaten denkbar. Es kommt jedoch auch immer auf das zuständige Familiengericht und die dortigen Kapazitäten und Auslastungen an.
  • Das entscheidende Kriterium für die Dauer einer Scheidung ist zudem die Art der Scheidung. Eine einvernehmliche Scheidung kann deutlich unkomplizierter und damit schneller abgewickelt werden als eine strittige Scheidung, obwohl das Verfahren vom Grundsatz gleich ist. Wenn die Eheleute bei wichtigen Fragen zum Zugewinnausgleich, Unterhalt etc. große Uneinigkeit an den Tag legen, wird sowohl zur außergerichtlichen Klärung über die Anwälte als auch zur Vorbereitung des Scheidungstermins deutlich mehr Zeit benötigt.
  • Durch eine Online-Scheidung kann ebenfalls Zeit eingespart werden. So kann alles in nur wenigen Minuten von zuhause aus angestoßen werden und auch im weiteren Prozess vieles deutlich unkomplizierter und schneller abgewickelt werden.
  • Etwa zwei Wochen nach Einreichung des Scheidungsantrages fordert das Gericht den Vorschuss für die Gerichtskosten an. Wenn der Fragebogen zum Versorgungsausgleich ausgefüllt wird, benötigen die Versorgungsträger etwa drei Monate, um die Auskünfte bereit zu stellen. Zwischen der Ladung zum Gerichtstermin und dem tatsächlichen Termin liegt in der Regel auch mindestens ein Monat, in der Regel sogar zwei.

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