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Corona aktuell Eine Expertin gibt Tipps gegen den Pandemie-Frust

Du bist so richtig genervt von der aktuellen Corona-Lage? So geht es momentan vielen.
Du bist so richtig genervt von der aktuellen Corona-Lage? So geht es momentan vielen.
© WAYHOME studio / Shutterstock
Wie lange geht der Lockdown denn noch? Seit einem Jahr gibt es nur noch Corona-Schreckensmeldungen, Absagen und Einschränkungen. Ich will das nicht mehr! Wenn du dich gerade genauso fühlst, haben wir wertvolle Tipps für dich.

Nach einem Jahr Coronapandemie und Endlos-Monaten im Lockdown ist klar: Die Pandemie-Müdigkeit hat uns gepackt. Wir können einfach nicht mehr! Uns geht die Puste aus – und das ist auch vollkommen verständlich. Von Homeoffice bis Homeschooling: Alles spielt sich daheim ab.

Der Alltag bietet kaum Abwechslung, die Liebsten fehlen einem, es ist kalt, nass und jetzt kann man sich noch nicht mal auf den Osterurlaub freuen. Jammern ist erlaubt, aber hilft leider nicht. Daher haben wir Dr. Anne Runde gefragt: Wie gehen wir am besten mit dieser Pandemie-Müdigkeit und den Frustgefühlen um?

Corona-Müdigkeit: Was nun hilft

Die Psychologische Psychotherapeutin leitet seit April 2020 mit ihrem Kollegen Dr. med. Gregor Leicht am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine Studie zum psychischen Befinden der Menschen in der Corona-Pandemie. Durch die monatelangen Befragungen der Proband*innen weiß sie also genau, was die Pandemie mit der Psyche der Menschen macht. Dr. Anne Runde sagt:

Es ist sinnvoll, den Alltag längerfristig umzustellen, um mit der Situation besser umgehen zu können.

"Und das ist an vielen Stellen des Lebens auch schon passiert. Das Abstand halten zu anderen und das Tragen der Maske haben wir komplett in unseren Alltag integriert." 

Was die Psychotherapeutin besonders wichtig findet: Je sinnhafter einem die Maßnahmen erscheinen, desto leichter sind sie durchzuhalten und desto weniger einschränkend empfindet man sie. In der Psychologie spricht man in einer solchen Situation von werteorientiertem Handeln:

Wenn ich mir immer wieder klar mache, warum ich mich einschränke, ist das ein anderer Kontext, als wenn ich einfach einer von außen vorgegeben Regel folge.

Für sie ist eine Perspektivänderung das Mittel der Wahl: "Ich habe zum Beispiel auf Kontakte verzichtet, weil mir das wichtig ist, meine Liebsten und andere zu schützen. Mit dieser Änderung der Perspektive sind die Einschränkungen weniger toxisch für unsere Psyche und lassen sich einfacher umsetzen."

Neue Corona-Lebensrealität akzeptieren lernen

Findet meine Hochzeit dieses Jahr noch statt? Kann ich im Sommer wieder auf Konzerte gehen und im Herbst nach New York fliegen? All diese fernen Highlights lassen sich wohl auch 2021 nur schwer planen. Wir haben keinen ausreichenden Impfstoff, der Verlauf der Infektionszahlen kann nicht genau vorhergesagt werden und dann ist da noch die nicht kalkulierbare Gefahr der Mutationen.

Besser ist: Die Tage und Wochen in diesem Jahr lieber so nehmen, wie sie kommen und nichts Großes in der fernen Zukunft planen. Denn wenn das Ereignis platzt, ist die Enttäuschung umso größer. Freue dich lieber auf Kleinigkeiten wie den Spaziergang mit einer Freundin oder über das leckere Stück Sonntagskuchen aus deinem Lieblingscafé. Was immerhin gewiss ist: Der Frühling naht – und damit auch endlich gutes Wetter.

Drei Tipps, wie wir uns mental fit halten

Da abzusehen ist, dass auch 2021 ein herausforderndes Jahr wird, rät Anne Runde, sein Leben möglichst nach den folgenden drei Tipps auszurichten:

  • Für unsere psychische Gesundheit sind Kontakte wichtig. So oder so sollten wir diese unbedingt pflegen. Wenn nicht anders möglich, dann eben digital oder über das Telefon.
  • Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft hilft erwiesenermaßen der psychischen Gesundheit. Am besten im Grünen und zur Mittagszeit, um möglichst viel Licht abzubekommen.
  • Außerdem ist das Aufrechterhalten oder Neugestalten einer Tagesstruktur wichtig. Was dabei hilft: Alltagspläne zu formulieren, mit regelmäßigen Aufsteh-, Schlafens-, Essenszeiten und Freizeitaktivitäten.

Wenn Symptome wie Niedergeschlagenheit, Freud- und Energielosigkeit länger als zwei Wochen kontinuierlich anhalten, sollte man sich jedoch professionelle Hilfe suchen und sich an seine*n Hausärzt*in wenden.

Hilfe bei Depressionen

Erkennst du bei dir Anzeichen einer Depression? Beim überregionalen Krisentelefon unter 0800 1110111 wird dir schnell und anonym geholfen. Weiterführende Informationen gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Brigitte

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