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Redakteurinnen erzählen Dieses Frauen-Klischee nervt mich am meisten

Diese Frauen-Klischees nerven am meisten: Frau lehnt ab
© Prostock-studio / Shutterstock
Zwei linke Daumen beim Handwerkeln, nicht einparken können, hormongesteuertes Verhalten: Wir Frauen müssen uns mit so einigen Klischees herumschlagen. Wir haben in unserer Redaktion nachgefragt, welche Vorurteile unsere Kolleginnen am meisten nerven. Ein Erklärungsversuch.

Eins vorweg: Wir möchten uns nicht an unserem Selbstmitleid erfreuen, uns in den Mittelpunkt stellen oder scheinbare Komplimente erhaschen. Ganz im Gegenteil – wir wollen Frauen stärken, deutlich unsere Meinung sagen und nicht davor zurückschrecken, ehrlich zu sein. Und vor allem möchten wir mit veralteten Rollenbildern, Klischees und Vorurteilen aufräumen. 

Frau am Steuer

Was mich wirklich nervt, ist das Klischee, dass Frauen nicht Auto fahren können. Und zwar weil es in unseren und auch meinem Kopf so festgesetzt ist! Ganz ehrlich: Ich bin eine der wenigen Personen in meinem Freundeskreis, die überhaupt noch einen Führerschein haben. Ich fahre oft, geübt und kann einparken, zumindest bedeutend besser als 80 Prozent der Männer, die ich kenne. Trotzdem ertappe auch ich mich immer noch dabei, unter Druck und nervös einzuparken, sobald Menschen in der Nähe sind. Ich möchte dem Klischee entgegenwirken – und erfülle es dann genau deswegen. Das ist doch absurd.

Mareike, Aktuelles-Redakteurin

Danke, nein danke

Oft mag es nur ein Zeichen der Höflichkeit sein. Doch was mich immer wieder aufregt: Wenn man mir ungefragt eine schwere Tasche oder eine Kiste abnehmen will. Ja, wenn ich beim Kofferpacken die ultimative Marke "Übergewicht“ erreiche, dann mag auch ich an meine Grenzen kommen. Aber dann sage ich das und bitte um Hilfe. Wenn ich aber zum Beispiel bei einem Umzug zu einer Kiste mit Büchern greife, dann braucht mir die niemand abzunehmen und zu sagen: "Nimm doch lieber diesen Lampenschirm oder die Kissen.“ Oder wenn ich für einen Wochenendtrip einen vollen Rucksack auf dem Rücken habe – dann habe ich den vermutlich so gepackt, dass ich ihn auch selbst tragen kann. Also, lasst mich! Ich kann das!

Julia, News-Redakteurin

Bitte nachdenken!

Mich regt auf, dass gerne gesagt wird, das Frauen naiv seien, wenn es um Männer und deren Verhalten geht. Mit diesem Argument werden gerne sexuelle Übergriffe, Ausbeutung und Machtmissbraucht verschleiert, ganz frei nach dem Motto: "Ach so naiv, sie muss doch wissen wie Männer sind“. Mit nur einem Wort wird damit schlechtes oder kriminelles Benehmen entschuldigt, anstatt auf das eigentlich Problem einzugehen: Nämlich, dass Frauen traurigerweise einfach nicht sicher vor einem solchen Verhalten sind. 

Ilka, Mode-Beauty-Redakteurin

"Na, hast du deine Tage, oder warum bist du so zickig?“

Wow, einfach nur wow. Wenn ich diesen Satz höre, möchte ich eigentlich nur noch mit dem Mittelfinger antworten und wünsche mit inniglich, dass all die Menschen, die sowas so flott daher sagen, einmal die Schmerzen, das Unwohlsein, die Bluterei, Müdigkeit und was man alles noch so einmal im Monat als Frau gratis geschenkt bekommt, spüren. Als ob das ein Spaß wäre? Als ob wir schlechte Laune haben, weil wir irgendwem was Böses wollen? Als ob wir uns das aussuchen könnten. Natürlich ist es für unser Umfeld auch anstrengend, mit diesen ätzenden Stimmungsschwankungen umzugehen, aber ganz sicher nicht so ätzend, wie für uns. Also: Einfach mal das Hirn anschalten und darüber nachdenken, was dieser Satz eigentlich impliziert.

Julia, Barbara.de-Redakteurin

„Augenblick, ich bin gleich fertig ...“

Boah! Das Schlimmste an dem Klischee ist, dass es leider manchmal wahr ist. Ich habe Freundinnen, denen ich mittlerweile (also vor Corona, natürlich) allen Ernstes die geplante Ausrückzeit aus der Wohnung eine halbe Stunde vorgestellt habe. Oder per Videocall, bevor ich gestartet bin, den aktuellen Styling-Status gecheckt habe. Vorsichtshalber. Denn bei Warten oder Zuspätkommen wird meine Laune sehr schnell sehr schlecht. Aber manchmal heißt eben nicht immer. Ich kenne mehr Frauen, mich eingeschlossen, die super pünktlich sind und absolut akzeptable Bad-Zeiten haben. Die, wenn es schnell gehen muss, in zehn Minuten das Haus verlassen können. Geduscht, gekämmt und angezogen. Und ich kenne Männer, die brauchen mehr Zeit im Bad und vor dem Kleiderschrank als jede Frau. 

Anke, Community-Redakteurin

„Ihr seid doch eh nur auf Hormonen“

Ja, sind wir. Hormone beeinflussen so viele Vorgänge in unserem Körper, dass es kaum verwunderlich ist, dass sie auch unsere Gefühle bestimmen. Das ist aber doch kein Grund, sie nicht ernstzunehmen – im Gegenteil! Unsere Emotionen sind genauso real wenn wir mit PMS und Ängsten und Gereiztheit zu kämpfen haben, wie wenn der Eisprung stattfindet und wir stark, selbstbewusst und wohlbesonnen sind. Die Hormone gehören zu uns, haben sie schon immer und wir sollten uns nicht für sie entschuldigen. Vielmehr sollten wir sie akzeptieren und verstehen lernen, schließlich regeln sie lebenswichtige Prozesse in unserem Körper.

Mareike, Aktuelles-Redakteurin

Immer wieder sonntags

Wenn sich meine Familie zum wöchentlichen Sonntagsessen zusammengefunden hat, war es eine Selbstverständlichkeit, dass Oma, Mama und die Töchter die leeren Teller in die Küche tragen und den nächsten Gang zurückbringen. Nachdem meine Großmutter bereits den halben Samstag vor dem Herd verbracht hat, um das Essen vorzubereiten. Ganz zu schweigen von dem überschwänglichen Drang nach Komplimenten, den mein Opa an den Tag legt, wenn er mal die Kartoffeln geschält hat. Einmal bin ich zwischen Vorspeise und Hauptgang sitzen geblieben. Einfach so. Um zu schauen, was passiert. Aufforderungen, doch mitzuhelfen, Kommentare wie "Was soll denn das" und stetiges Augenrollen waren die Folge. Und das im 21. Jahrhundert. 

Charlotte, Volontärin

"Frauen haben keinen Orientierungssinn"

Dieses Vorurteil regt mich unheimlich auf, nicht nur, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist und sich beispielsweise in einer neuen Stadt orientieren muss. Männer plustern sich dabei nicht zu selten auf und spielen den heldenhaften Pfadfinder – nein, sie ziehen uns meist noch damit auf. Zwar zeigt eine Studie der University of Edinburgh, dass Frauen sich beim Orientieren nur Landmarken, also zum Beispiel markante Gebäude einprägen – Männer hingegen beziehen Himmelsrichtung und Entfernungen mit ein. So können sie sich tatsächlich etwas besser orientieren. Das gilt jedoch nur auf einen großen Raum (wie damals auf der Jagd) bezogen, in kleinen, geschlossenen Räumen findet sich hingegen die Frau besser zurecht.

Doch jetzt kommt der Clou: Dieser Unterschied ist evolutionär bedingt und zyklusabhängig (!). Ja, ihr habt richtig gelesen. Während der Menstruation ist der Testosteron-Spiegel bei uns Frauen so hoch wie nie, entsprechend können wir uns in dieser Zeit genauso gut orientieren, wie unsere männlichen Kumpanen. Wenn der liebe Mann uns mit dieser Einschränkung aufzieht, ist das ja mal sowas von daneben. Schließlich kann wohl niemand etwas für die Regelungen von Mutter Natur. Kurzes Gegenstück: chronische Faulheit im Haushalt ist nicht hormonell bedingt – und die findet man Studien zufolge recht häufig unter Männern.

Laura, Werkstudentin


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