WM-Facts: 15 Fakten zum Mitreden

Was verdient eine Weltmeisterin? Warum ist Sinsheim WM-Stadt? Und wie wird man eigentlich "Auflaufkind"? Mach dich mit 15 WM-Facts fit für den Fußball-Sommer!

1. Anstoß in der Hauptstadt

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Ein wunderbarer Schlachtruf. Schlicht, rhythmisch und eingängig - aber in diesem Jahr völlig fehl am Platz. Denn in der Hauptstadt findet nur eine einzige Partie statt: das Eröffnungsspiel am 26. Juni, Deutschland gegen Kanada. Wer das Finale sehen will, muss nach Frankfurt fahren - und sich dafür eben einen neuen Schlachtruf überlegen.

"Frankfurt, Frankfurt, wir sehen uns in Frankfurt!"

Zum Beispiel.

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2. Warum Sinsheim?

Beim Blick auf die neun WM-Städte fallen zwei Dinge auf.

Erstens: die geballte Fußball-Power in Pott und Rheinland. Das hat Tradition, Fußball und Kohle gehörten schon immer zusammen. Und beim Frauenfußball ist die Region besonders engagiert.

Zweitens: ein Ort, der die meisten Fußball-Laien erstmal verwirren dürfte. Sinsheim? Hä? Gibt es da überhaupt ein Fußballstadion? Hier kannst du wunderbar punkten, indem du den Banausen lässig entgegnen: "Na klar. Da gibt's sogar eine niegelnagelneue Arena mit über 30.000 Plätzen. Außerdem hat Sinsheim einen berühmten Stadtteil: Hoffenheim!"

Wenn das nichts zum Klingeln bringt, ist den Leuten auch nicht mehr zu helfen.

3. Sitzen und singen

Die Fifa überlässt bei großen Turnieren nichts dem Zufall. 52 Seiten umfasst das Regelwerk zur WM in Deutschland, in dem von der Trikotfarbe bis zur Erinnerungsplakette alle Details geklärt werden.

Ein interessanter Fakt aus diesem Buch: "Endrundenspiele dürfen nur in Stadien ausgetragen werden, die ausschließlich über Sitzplätze verfügen. Wenn nur Stadien mit Sitz- und Stehplätzen zur Verfügung stehen, darf der Stehplatzbereich nicht benutzt werden."

Dass man auf seinem Stuhl während der gesamten Spielzeit sitzen bleiben muss, steht da zum Glück nicht.

4. Siegen für den General

Kommen wir zu den Teilnehmern. Nordkorea zum Beispiel. Auch hier stutzt der Fußballlaie und staunt, dass sich diese kleine, arme Diktatur eine Frauenfußballmannschaft leistet. Vermutlich müssen sich tatsächlich viele Bauern dafür abstrampeln, dass die elf Frauen in dem notorisch dunklen Land bei Flutlicht trainieren können, aber Fakt ist: Nordkorea ist stark. Richtig stark. Das Halbfinale dürfte für die Weltranglisten-Achten auf jeden Fall drin sein.

Übrigens ist auch der Schlachtruf, mit dem sich die Spielerinnen auf ein Match einstimmen, bemerkenswert und absolut ernst gemeint:

"Für den General! Für das Land! Gegen den Feind!"

5. Fußballzwerg mit Muskeln

Noch ein interessantes Land: Äquatorialguinea ist zum ersten Mal bei einer Frauen-WM dabei. Keine Ahnung, wo das kleine Land liegt? Nun, jetzt weißt du es. Äquatorialguinea hat nur rund 650.000 Einwohner, Sprachen mit schönen Namen wie "Fang" und "Bubi", ein feuchtheißes Klima und ist sehr katholisch. Außerdem gibt es dort bärenstarke Frauen. Tatsächlich sehen einige Spielerinnen des Fußballteams so maskulin aus, dass sie ihre Weiblichkeit per Test beweisen mussten. Mittelfeld-Spielerin Genoveva Anonma: "Ich fand das verletzend, aber ich kannte das. Als ich mit zwölf Jahren in der Frauenliga mitspielte, hörte ich, ich solle nicht mitspielen, weil ich so schnell und stark war." Für die WM dürfte das auf jeden Fall ein Vorteil sein.

6. Marta, die Göttliche

Dürfen wir vorstellen: Das ist Marta. Marta sieht ein bisschen aus wie Jorge von "Germany's Next Topmodel" und ist Stürmerin bei der brasilianischen Nationalmannschaft. Außerdem ist der nur 1,60 Meter große Wirbelwind fußballerisch ein absolutes Schwergewicht. Sie ist technisch perfekt, torgefährlich und extrem ehrgeizig. Kürzlich wurde sie zum fünften Mal hintereinander zur Weltfußballerin des Jahres gewählt. Nur ein Weltmeistertitel fehlt der 25-Jährigen noch. Wir hoffen bei aller Sympathie natürlich, dass es damit auch bei dieser WM nichts wird.

Martas vollständiger Name ist übrigens Marta Vieira da Silva. Wie die Männer tragen auch die Frauen in Brasiliens Team überwiegend Künstlernamen.

7. Der Stürmer-Schreck

Unsere Antwort auf Marta ist Nadine. Denn an der deutschen Torwartfrau muss eine Marta erstmal vorbeikommen. Nadine Angerer ging bei der letzten Fußball-WM in die Geschichte ein, weil sie keinen einzigen Ball durchließ - sogar einen Elfmeter wehrte die ausgebildete Physiotherapeutin ab. Das war vor ihr noch keiner Spielerin gelungen. Dabei wollte sie als Jugendliche eigentlich "nie ins Tor". Gut für uns, dass sie sich umentschieden hat.

8. Die Großverdienerin

Knallrote Fingernägel, sexy Klamotten - Fatmire "Lira" Bajramaj ist das Glamourgirl des deutschen Fußballs. Sie ist außerdem der Beweis, dass sich Frauenfußball mehr und mehr dem Big Business der Männer annähert. Im April gab sie bekannt, dass sie von Turbine Potsdam zum 1. FFC Frankfurt wechseln werde. Früher wäre das allenfalls eine Mini-Meldung im Sportteil wert gewesen - doch Lira landete damit sogar auf den Titelseiten. Denn der Wechsel wurde zum Eklat: Ihr Turbine-Trainer tobte und beschwerte sich über Liras Berater und die Konkurrenz in Frankfurt. "Man baggert nicht hinter dem Rücken des betroffenen Vereins Spielerinnen an."

Der Mittelfeldspielerin ist die Aufregung egal. Sie will demnächst eine Familie gründen und vorher so viel Geld verdienen wie möglich. Da nimmt sie das sechsstellige Jahresgehalt natürlich mit. Machen die Männer doch auch nicht anders.

9. Siegen lohnt sich

Apropos Geld: Die Weltmeister bekommen in diesem Jahr nicht nur diesen schicken Pokal, jede Spielerin darf außerdem 70.000 Euro mit nach Hause nehmen. So viel Siegprämie gab's noch nie. Bundestrainerin Silvia Neid kennt da noch ganz andere Zeiten. Als sie 1989 mit der Nationalmannschaft Europameister wurde, gab es für jede Spielerin nur eine Medaille - und ein Porzellanservice.

10. Die Kleider-Klausel

Auch bei den Trikots gibt es strenge Vorgaben von der Fifa: Jedes Team muss einen hellen und einen dunklen Satz mitbringen. Es dürfen keine politischen, religiösen oder kommerziellen Inhalte darauf zu sehen sein (Kleidungshersteller ausgenommen). Und wer sich auf dem Spielfeld sein Trikot vor Freude (oder Wut) vom Körper reißt, bekommt die Gelbe Karte.

Sorry, Männer.

11. Schick für den Kick

Das sind die offiziellen Nationaltrikots unserer Fußballfrauen. Besonders das rote Modell gefällt uns gut, aber das werden wir wohl eher selten zu sehen bekommen. Weiß ist die bevorzugte Farbe der Deutschen. Kleines Gimmick: Im Kragen steht die Zeile "Blüh' im Glanze dieses Glückes" aus der Nationalhymne. Allerdings nur innen, du kannst dir also sparen, bei der Hymnenaufstellung danach zu suchen.

12. Die Super-Pfeife

Die blonde Frau in der Mitte ist der beste weibliche Schiri, den wir in Deutschland haben: Die Fifa hat Bibiana Steinhaus als eine von 16 Unparteiischen für die WM nominiert. Seit vier Jahren lässt die 32-Jährige in der 2. Bundesliga die Männer nach ihrer Pfeife tanzen und wurde vom DFB für ihre Leistungen kürzlich zum fünften Mal hintereinander zur "Schiedsrichterin des Jahres" gewählt. Respekt!

13. Acht strenge Augen

Bibiana Steinhaus wird natürlich nicht allein auf dem Platz stehen. Wer regelmäßig Fußball guckt, weiß, dass jeder Schiedsrichter noch drei Assistenten hat. Zwei davon sind die so genannten Linienrichter, die am Spielfeldrand stehen und über Einwürfe und Abseitspositionen entscheiden.

Doch kennst du auch die Aufgaben der "Vierten Offiziellen", wie sie so gerne von Sportreportern genannt wird? Die ist in erster Linie Ersatz-Schiri, wenn sich also Frau Steinhaus den Fuß verstaucht, muss sie die Pfeife übernehmen. Ansonsten kümmert sie sich um die Einwechslungen, die Anzeige der Nachspielzeit und um Trainer, die sich daneben benehmen. Da Linienrowdy Jürgen Klopp bei der WM nicht als Trainer dabei ist, wird sie hier wohl nicht so viel zu tun bekommen.

14. Großer Auftritt für die Kleinsten

Sie gehören mittlerweile genauso zu großen Fußballturnieren wie Seppl Blatter oder das Maskottchen: die "Escort Kids". Ist ja auch einfach herrlich, wie die Kinder an der Hand der Spieler ins Stadion laufen und während der Hymne vor Aufregung fast das Atmen vergessen. Seit 2002 gibt es diese Tradition bei Welt- und Europameisterschaften, und natürlich werden auch die Fußballfrauen ihre persönlichen Knirpse mit aufs Spielfeld bringen. Über einen der Fifa-Sponsoren können sich Interessenten online als "Auflaufkind" (so der etwas skurrile deutsche Begriff) bewerben. Voraussetzung: Das Kind ist zwischen sechs und 14 Jahre alt und nicht größer als 1,48 m.

15. Lauern in der Mauer

So. Und zum Schluss noch die obligatorische Lektion in Sachen Fußballregeln. Das mit dem Abseits hast du ja sicher längst kapiert, darum nehmen wir uns heute mal den Freistoß vor. Diese Grundprinzipien solltest du dir merken:

1. Je nach Schwere des Fouls vergibt die Schiedsrichterin direkte und indirekte Freistöße. Beim direkten Freistoß (das ist die gemeinere Strafe) darf die ausführende Spielerin direkt aufs Tor schießen. Beim indirekten Freistoß muss mindestens eine weitere Spielerin den Ball berühren.

2. Bevor der Freistoß ausgeführt wird, muss der Ball ruhig auf dem Rasen liegen. Rollt er noch, ist der Freistoß ungültig.

3. Die gegnerischen Spieler müssen sich ohne Aufforderung mindestens 9,15 Meter vom Ball entfernen. Falls du dich auch schon immer gefragt hast, wie diese Entfernung ohne die technischen Mittel des Fernsehens überprüft wird: Der Schiedsrichter macht ganz einfach neun große Schritte, wenn er das Gefühl hat, dass die Mauer zu nah am Ball steht. Die meisten Unparteiischen können das aber aus Erfahrung sehr gut abschätzen.

4. Wie viele Spieler sich in die Mauer stellen, bleibt der Mannschaft überlassen. Grundsätzlich gilt: Je näher der Ball vor dem eigenen Tor liegt, desto größer wird die Mauer.

Text: Michèle RothenbergFotos: Imago, Fotolia, Corbis, Adidas

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