Nintendo 3DS im Test: Wie gut ist 3D ohne Brille?

Der große Nintendo 3DS Test - was ist dran an dem Hype um die Handheld-Konsole mit dem neuartigem 3D-Display? Wir haben ausführlich getestet - und dabei gute und weniger tolle Eigenschaften entdeckt.

Erster Eindruck

Das Nintendo 3DS, Test auf Optik: Eher unscheinbar. Auf den ersten Blick könnte man es fast mit dem Vorgänger Nintendo DS verwechseln - gäbe es da nicht einen zusätzlichen Analogstick über dem Steuerkreuz. Auch neu: Die Doppelkamera auf der Rückwand, die den Eindruck erweckt, das 3DS würde einen mit neugierigen Augen ansehen. Aber wir sind natürlich vor allem gespannt auf den neuartigen 3D-Effekt.

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Gut: Tolle 3D-Effekte ohne Brille

Nintendo macht es spannend - bevor das 3DS nach dem ersten Einschalten den 3D-Effekt aktiviert, zählt es erst einen kleinen Countdown herunter - und zieht dann das Bild schlagartig räumlich tief nach hinten. Dieser Effekt, völlig ohne nervende Brille, ist beim ersten mal tatsächlich atemberaubend und verleiht den Spielen eine völlig neue Qualität. Nintendogs streicheln sich in drei Dimensionen gleich viel besser, und ein Rundflug mit "Pilotwings" eröffnet buchstäblich neue Horizonte. Etwas Vergleichbares gibt es momentan auf keiner anderen Spielkonsole.

Schlecht: Schielen und Kopfschmerzen

So toll der 3D-Effekt ist - der Preis ist hoch. Erinnert ihr euch an die "Magic Eye" Bilder, wo plötzlich ein Bild voller bunter Krümel plötzlich - schwupp! - zu einem 3D-Bild wurde? Genau so fühlt sich der Blick aufs 3DS-Display an - auf Dauer sehr anstrengend. Manche Spiele warnen beim Laden, bitte nach spätestens 30 Minuten aufzuhören. Der erste Punkt im Systemmenü ist eine Warnung, das 3DS keinesfalls Kindern unter sechs Jahren zu geben, damit sich keine bleibenden Sehschäden bilden. Irgendwas läuft da doch falsch, oder? Man kann den Effekt mit einem kleinen Regler abschwächen und auch ganz abschalten. Aber dann muss man sich auch wieder keine teure 3D-Konsole kaufen.

Gut: Spiel und Realität vermischen sich

Keine völlig neue Idee, aber selten so gut umgesetzt wie hier: Wenn ihr eines der Augmented Reality-Programme startet, laufen verschiedene Helden aus Nintendo-Spielen lebensecht und dreidimensional vor euch herum - zumindest auf dem Display. Das ist überraschend realistisch - und macht Spaß, wenn etwa ein Drache vor euch aus eurem Schreibtisch krabbelt. Natürlich gibt es auch schon erste Spiele-Anwendungen, wo ihr euch mit der Konsole im Raum herumdrehen müsst, um anfliegende Angreifer abzuschießen. Man darf gespannt sein, wie diese Idee in Zukunft wohl weiterentwickelt wird - das Potential für originelle Spiele ist jedenfalls hoch!

Schlecht: Datenschutz?

Und wieder ein Stück Privatsphäre weniger - um das 3DS zu aktivieren müsst ihr erst euer Einverständnis dafür geben, dass Daten zu euren Spiel- und Nutzungsgewohnheiten gesammelt werden. Ihr müsst auch noch einmal extra ausdrücklich euer okay geben, dass diese Daten zu Vermarktungszwecken benutzt werden dürfen. Das mag mittlerweile erschreckend selbstverständlich sein - uns gefällt es aber trotzdem nicht. Pfui!

Gut: Die dreidimensionale Kamera

Eine Kamera ist eigentlich nichts Aufregendes mehr - jedes noch so billige Handy macht mittlerweile sehr gute Schnappschüsse. Aber echte 3D-Fotos? Die sind neu. Und wenn euch die Schnurrbarthaare eurer Katze vom Display fast ins Gesicht pieken, lässt das schon einen Hauch von "Harry Potter" aufkommen. Nur schade, dass man die Fotos nur auf dem Gerät in 3D sehen kann.

Schlecht: Sehr karge Grundausstattung

Leider gibt es zum Verkaufsstart nur sehr wenige Extras: Der Webbrowser soll im Mai mit einem Systemupdate kommen, einen Onlineshop zum Download weiterer Spiele gibt es auch noch nicht. Und mal ernsthaft - jeder popelige Digitalwecker hat mittlerweile einen MP-3-Player eingebaut - und Nintendo schenkt dem 3Ds stattdessen ein unbrauchbares Audio-Aufnahmegerät. Ja, es ist fünf Minuten lustig, wenn man Tonaufnahmen mit verschiedenen Effekten belegt, und die eigene Stimme plötzlich wie ein Papagei klingt - ein richtiger MP3-Player wäre trotzdem praktischer. Aber: Zukünftige Software-Updates könnten eine Menge verbessern. Angeblich könnte der angekündigte Browser vielleicht sogar Flash-Inhalte darstellen - das kann nicht einmal das iPhone.

Gut: Tolle Vernetzungsmöglichkeiten

Wenn ihr schon auf dem Wii gerne Online-Wettkämpfe führt, wird euch das 3DS gefallen: Es gibt die bekannten "Miis" (nur, dass ihr sie auch automatisch aus einem Foto von euch erzeugen könnt), mit denen ihr euch Online besuchen könnt - geplant ist demnächst auch ein Text-Chat. Wirklich neu ist, dass ihr andere Spieler auch in echten Leben kennenlernen könnt: Wenn ihr euer 3DS in der Tasche habt, und eine weitere Konsole in der Nähe ist, tauschen die beiden Daten aus. Die Folge: Du hast Kontakt mit einem neuen "Mii" - und eventuell neue Gegenstände oder Hinweise für ein Spiel. Nintendo hat sogar extra ein kleines Online-Rollenspiel im "Mii-Market" versteckt, um dieses "reale" Social Networking zu demonstrieren. Wenn sich das 3DS nur annähernd so gut verkauft wie das Nintendo DS, kann ein Spaziergang durch die Fußgängerzone euch viele Kontakte verschaffen - im Spiel, wie auch im echten Leben.

Schlecht: Die Batterie macht schnell schlapp

Wofür kauft man sich eine Handheld-Konsole wie das 3DS? Genau: Um unterwegs spielen zu können. Da schmerzt es umso mehr, dass die Batterie euch schon nach kurzer Zeit im Stich lässt: Nach spätestens dreieinhalb Stunden ist leider schon Schluss. Wer lange fliegt oder im Nachtzug sitzt, wird ohne Steckdose jedenfalls schnell schwarz sehen.

Gut: Auch alte DS-Spiele laufen

Hast du viele Spiele für das Nintendo DS? Dann freu dich: Das 3DS nimmt sie widerspruchslos an und spielt sie flüssig und fehlerfrei ab. Der einzige Unterschied: Die Ladezeiten sind minimal länger. Das fällt aber kaum ins Gewicht - entscheidend ist, dass du schon zum Start der Konsole auf eine riesige Auswahl von Spielen zugreifen kannst (die aber natürlich ohne den 3D-Effekt auskommen müssen).

Schlecht: Die Konkurrenz schläft nicht

Vor wenigen Jahren wäre das 3DS eine überragende Sensation gewesen - jetzt muss es sich vor harter Konkurrenz fürchten. Da gibt es etwa das iPhone und andere Handys, die sich mittlerweile in Sachen Videospiele nicht vor den etablierten Herstellern verstecken müssen. Und wer sowieso schon ein Handy dabei hat, wird es sich doppelt überlegen, ob er noch ein Extra-Spielgerät mit sich rumschleppen will. Sony bringt außerdem demnächst einen Nachfolger der Playstation Portable heraus, der bombastische Grafik und Sounds verspricht, die fast der Playstation 3 ebenbürtig sein sollen. Und der potentielle Überflieger: Es kommt auch ein Playstation-Phone auf den Markt, das gleichzeitig vollwertiges Videospiel und leistungsstarkes Android-Handy ist. Ob der tolle 3D-Effekt da langfristig ausreicht, um sich durchzusetzen?

Fazit: Kaufen oder nicht kaufen?

Schwer zu sagen, ob das 3DS ein Must-have für Gamer ist. Der Einführungspreis von 250 Euro ist vergleichsweise günstig - und Nintendo-Lieblinge wie Zelda und Mario stehen kurz vor ihrem 3D-Debüt. Nintendo-Fans werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen (und vielleicht auch schneller an den etwas unbequemen 3D-Screen gewöhnen). Alle anderen sollten vielleicht erst einmal sehen, ob sie mit einem Smartphone oder dem leistungsstarken Playstation-Nachfolger nicht vielleicht besser beraten sind.

Aber eines ist unstrittig: Wie schon bei Wii und DS hat Nintendo eine völlig neue, innovative Spielekonsole geschaffen, die den Weg für noch nie dagewesene Spiel-Ideen öffnet. Ob sie das hohe Potential einlösen kann? Wir sind jedenfalls gespannt!

Text: Henning Hönicke; Fotos: Nintendo, istockphoto.com

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