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Janina Uhse im Brigitte-Interview "Ich habe viele Entscheidungen einfach getroffen, weil ich das gefühlt habe"

Janina Uhse lächelt in die Kamera
Janina Uhse
© imago images
Janina Uhse ist erfolgreiche Schauspielerin, Kochbuchautorin und Selfmade-Frau. Wie sie ihren Weg gefunden hat, was ihr dabei geholfen hat und wie es ihr mit ihrer Schwangerschaft geht, hat sie uns im großen BRIGITTE-Interview verraten. 

Das Lancôme-Testimonial Janina Uhse hat in ihrem Leben schon einige Male Mut bewiesen: Sie hat eine Schauspielkarriere noch während der Schulzeit gestartet, ein Kochbuch in Eigenregie veröffentlicht – um nur zwei zu nennen. Jetzt folgt der erste Nachwuchs. Wie es der Schauspielerin damit geht, worauf sie sich schon jetzt bei ihrem Kind freut und wie sie sich auf ihre neue Rolle vorbereitet, erfahrt ihr hier. 

Janina Uhse über Mut und Selbstzweifel 

BRIGITTE: Im Panel-Talk #ChallengeYourself von Global Digital Women und Lancôme hast du viel über deine Zeit bei GZSZ gesprochen. 2017 hast du deine Karriere bei GZSZ beendet, parallel hattest du dich mit einer Kochshow und deinem Kochbuch selbstständig gemacht – jetzt folgt Nachwuchs. Das sind alles Schritte, für die es Mut bedarf. Wie gehst du solche Entscheidungen an? Und wie hat sich Mut für dich bisher ausgezahlt?

Janina: Für mich war das etwas ganz Besonderes, weil es das erste Mal war, dass ich an so etwas teilnehmen durfte. Ich finde es spannend, mit inspirierenden Frauen zusammenzusitzen, weil noch einmal ganz andere Dinge an einem selbst zum Vorschein kommen. Was mir in diesem Gespräch aufgefallen ist, ich bin kein Mensch mit Strategie. Ich habe viele Entscheidungen einfach getroffen, weil ich das gefühlt habe und ich mir nicht viele Gedanken über die Konsequenzen gemacht habe. Und wenn man alles einmal zusammenrechnet, halten sich die Konsequenzen oftmals in Grenzen, beziehungsweise man schlägt einen anderen Weg ein, den man vielleicht vorher nicht geplant hatte. Ich mache mir dann bewusst: Ich operiere nicht am offenen Herzen.

Du hast die Schule für die Schauspielkarriere bei GZSZ abgebrochen. Glaubst du, dass sich dein Verhalten mit der Zeit verändert hat? Bist du noch immer so risikofreudig wie damals?

Es war nicht so, dass ich das vorher nicht abgewägt habe. Ich habe mich bei der Schule rückversichert, dass ich jederzeit zurückkommen könnte, sollte es doch nicht die richtige Entscheidung gewesen sein. Das war ich allein meinen Eltern schuldig. Ich bin kein risikofreudiger Mensch, nur glaube ich, dass man dringend etwas verändern sollte, wenn man unglücklich ist. Wir haben nur dieses eine Leben und wenn man merkt, dass man das Potenzial hat, glücklicher zu sein, dann sollte man dem nachgehen. Ich möchte mir im Altern nicht die Frage stellen: Was wäre gewesen, wenn ...? Wenn ich mir das vor Augen halte, dann fühlt es sich nicht mehr an wie ein Risiko.

Hast du Taktiken herauszufiltern, was in dem Moment für dich wichtig ist? Häufig fällt es Menschen schwierig, Prioritäten herauszufiltern. Wie gehst du an solche Situationen ran?

Ich habe eine ganz gute Connection mit mir selbst. Was ich über die Jahre gelernt und aufgebaut habe, ist einfach mir selbst erlauben, Ängste wahrzunehmen und das wirklich zu hinterfragen. Ich habe ein tolles Umfeld, mit dem ich darüber sprechen kann. Mein Mann ist mir der beste Ratgeber, beziehungsweise merke ich häufig im Gespräch: 'Aha, ich weiß die Lösung, es ist alles super. Dankeschön'.

Zweifel kennt wahrscheinlich jeder. Wie gehst du damit um, wenn sich Zweifel bei dir einschleichen? 

Zweifel sind total menschlich und normal. Es hilft, wenn man weiß, dass man damit nicht alleine ist. Ich habe mittlerweile gelernt, dass es eine Stärke ist, wenn man Unsicherheiten laut äußert – also auch in Castings, wenn ich das Gefühl habe, dass ich gerade aufgeregt bin, damit dann offensiv umzugehen und aus meinen vermeintlichen Schwächen Stärken zu machen. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen ist vielleicht auch eine gute Taktik, die es leichter macht.

Du hast dich mit deinem Kochbuch selbstständig gemacht. Das ist ein Bereich, in dem du wahrscheinlich nicht so viel Erfahrungen hattest. Wie gehst du an solche neuen Situationen ran?

Zuallererst die Intuition! Ich spüre Dinge und ich bin ein unfassbar kreativer Mensch. Bei mir sprudelt es manchmal nur so und ich kriege das gar nicht alles auf den Weg. Aber ich habe Menschen um mich herum, mit denen ich das gut strukturieren kann. An allererster Stelle mein Mann und mein "Janina and Food"-Team. Ich habe mich natürlich mit Verlagen getroffen und merkte dann, wenn ich ein Kochbuch mache, dann muss das zu 100 Prozent meine Handschrift haben und ich war nicht bereit, diesbezüglich Kompromisse einzugehen. Und dann habe ich gerechnet und kalkuliert und mir Menschen an die Seite geholt, die mein Herzensprojekt mit mir umgesetzt haben. Das war die beste Entscheidung! 

Du holst dir dann Menschen ins Team, die Lücken ausfüllen, wo dir zum Beispiel das Know-how fehlt oder die dich inspirieren könnten?

Absolut. Es wäre illusorisch zu denken, dass ich dieses Buch ohne ein fähiges Team geschafft hätte. Ich brauchte den besten Grafikdesigner, meine Freundin Joanna, die die wundervollen Illustrationen gemacht hat und jemanden, der meine Gedanken besser in Worte fassen kann als ich. Die Grundidee stammt von mir und ich habe mir Leute ins Boot geholt, die in ihrem Bereich Profis sind und mit denen ich das Buch genauso umsetzen konnte, wie ich es mir vorgestellt habe. Mir ist es wichtig, mit einem Team zu arbeiten, das ich sowohl beruflich als auch menschlich gern um mich habe und wir miteinander das maximale Potenzial ausschöpfen können. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich dieses Gefühl auch auf die Endkonsument überträgt: Gutes zieht Gutes an, das bedeutet, wenn ich glücklich bei der Arbeit bin und mein Herzblut in ein Projekt stecke, spürt das auch der Leser. 

Ängste, Zuversicht und ganz viel Freude: Janina Uhse wird zum ersten Mal Mutter

Du wirst bald Mama, für viele Frauen ist die Schwangerschaft eine Zeit der Freude, aber auch eine Zeit voller Ängste, unter anderem wegen Nachteile im Berufsleben. Wie war oder ist das bei dir? 

Große Freude tatsächlich! Ich habe immer gesagt, wenn ich den Menschen kennenlerne, mit dem ich mir das vorstellen kann, würde ich sehr gerne eine Familie gründen. Das ist der Fall und ich könnte nicht glücklicher sein. Natürlich machen sich Fragen breit: Was bedeutet das für mich und mein Berufsleben. Doch wie großartig ist es, dass ich mir neben der Schauspielerei mit „Janina and Food“ ein zweites Standbein aufgebaut habe, welches ich selbstbestimmt machen kann. Was die Schauspielerei betrifft – hätte ich nur das – hätte ich mir vielleicht Gedanken gemacht. Man weiß nicht, wie man direkt nach der Geburt körperlich und mental funktionieren kann und möchte.

Das Äußere, mit den ganzen Ratgebern, hat eine große Wirkung auf werdende Mütter. Wie sehr beeinflusst einen das? Kann man das ausblenden?

Ich lese gar nichts. Noch nicht einmal den schönsten Ratgeber oder Mutmacher, ich schaue mir keine Videos von Geburten an und ich habe auch keinen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Ich versuche einfach auf meinen Körper zu hören und das ist großartig. Der sagt mir ganz genau, was er braucht, und ich bin in der Lage, das jetzt viel bewusster wahrzunehmen. Vielleicht auch, weil ich unterbewusst spüre, ich mache das nicht nur für mich, sondern auch für mein Kind. Wenn ich Hunger habe, dann esse ich. Wenn ich merke, Sport oder der Spaziergang ist zu viel, lege ich mich hin und schlafe. Wie oft ignoriert man seinen Körper und denkt, da geht noch mehr!? Erfahrungsgemäß viel zu oft. Diese wunderbare Connection zu meinem Körper möchte ich auch in Zukunft beibehalten.

Eine richtig schöne Herangehensweise. Vieles macht man intuitiv richtig. Oder wie siehst du das?

Ich weiß auch nicht, was ist, sobald das Kind da ist. Es kann sein, dass wir dann noch einmal sprechen und ich dir sage, 'Ilka, erinnerst du dich noch, als wir damals so entspannt waren? Es hat sich alles geändert'. Ich möchte das aber nicht glauben. Ich möchte einfach glauben, dass, wenn man sich auf seine Intuition verlässt, jede Frau ihren eigenen Weg findet. Sind die Eltern glücklich, dann ist auch das Kind glücklich und wir wollen ja sowieso alle nur das Beste für die Kinder.

Es geht auch immer ein bisschen darum, was können Eltern überhaupt bewerkstelligen. Oder?

Das ist bei jedem individuell. Ich werde mich hüten, anderen werdenden Müttern Ratschläge zu geben und ich glaube, das ist der beste Weg. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und seine eigenen Erfahrungen machen.

Bei Brigitte posten wir jetzt regelmäßig Achtsamkeit-Tipps für den Alltag. Einfach einen Moment innehalten, darüber nachdenken, was bereits gut ist im Jetzt-Zustand und nicht immer an das Nächste zu denken. Mit der Zeit kann man sich konditionieren, auch die Kleinigkeiten als wertvoll zu betrachten. Wie empfindest du das?

Du sprichst mir aus der Seele. Mein Mann meinte das auch zu mir, irgendwie ist es schon komisch, dass man seinen Kindern einredet, wir müssen jetzt schnell aufbrechen zum Zirkus, anstatt hier auf der Wiese die Vögel zu beobachten. Es ist doch viel schöner, den Vöglein dabei zuzuschauen, wie sie die Brotkrumen essen und in dem Moment zu sein, als immer zu suggerieren, was danach kommt, ist noch viel toller.

Brigitte

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