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Kopfkarussel Just: WHY? – Wieso mein Puls bei deutschen Übersetzungen durch die Decke geht

Kopfkarussel: Just: WHY? – Wieso mein Puls bei deutschen Übersetzungen durch die Decke geht
© Kaspars Grinvalds / Shutterstock
Übersetzungen sind überall: In Filmen, Serien oder im Musical-Live-Erlebnis – oder als unmögliche Buch- und Blockbuster-Titel, die nichts mit dem Original gemeinsam haben. Ich frage mich: Was soll das eigentlich?

Die Translation von anderen Sprachen ins Deutsche ist in jeglichen Medienformen präsent und zählt wohl zu unserem Standard. Doch wenn man einmal anfängt, Serien auf Englisch zu gucken oder Bücher im Original zu lesen, dann ist der Weg zurück zu den deutschen Übersetzungen und Synchronisation oft ein absoluter Graus. Oft überzeugen mich die Witze auf einmal überhaupt nicht mehr, teilweise ist die Stimmung einfach nicht mehr da oder wirkt anders. 

Das größte Manko: Englische Originale lieben ihre Wortspiele und auf Deutsch ist es schwer, sie umzuschreiben, bis hin zu schlichtweg nicht möglich. Doch all das kann ich überwiegend akzeptieren, solange ich selbst auf meiner Couch zu Hause meine Serien und Filme auf Englisch schauen kann. Nur eine Sache treibt mich absolut in den Wahnsinn: Deutsche Songs in Musicals, die meiner Meinung nach niemals hätten übersetzt werden dürfen!

Musicals ... auf Deutsch …

Gerade bei Musical-Inszenierungen verstehe ich wirklich die Welt nicht mehr. Damals, als ich hörte, dass "Mamma Mia" nach Deutschland kommt, war ich begeistert. Für mich stand fest, dass das ein absolutes Familien-Event für uns werden sollte. Doch dann die Ernüchterung: Die Songs werden übersetzt. Und da trifft die Übersetzung dann leider zu 100 Prozent meinen Gemütszustand:

"Mamma Mia – es geht schon wieder los! Wie, wie? Kann das denn normal sein?"

Warum sollte ich ABBA-Songs auf Deutsch hören wollen? Haben wir die Lizenzrechte fürs Original nicht bekommen? Was soll der Quatsch? Freund:innen und sogar meine Eltern sehen das genauso – immerhin kennen wir diese Lieder auswendig, wissen, worum es geht, und haben den Film, der später mit Meryl Streep die Kinos erobert hat, liebend gerne und oft mit den englischen Liedern genossen. Wieso ist die Musical-Adaption aus London bei uns eingedeutscht worden und kann man bei solchen Dingen bitte, BITTE, eine Art "Original mit Untertiteln" einführen? 

Jetzt mal ehrlich: Gibt es denn wirklich so viele Menschen, die diese Lieder übersetzt hören wollen? Dazu hätte ich wirklich gerne einmal eine Statistik! Ich meine: Kulturfreund:innen schauen sich doch auch Opern auf Italienisch an, ohne rum zu meckern. Sollte das nicht auch bei Musical-Songs möglich sein? Und versteht mich nicht falsch: Die Künstler:innen in den Musicals machen einen grandiosen Job. Aber diese unnötigen deutschen Versionen der Songs machen mich echt fertig! Bei Udo Jürgens machen deutsche Songs Sinn. Bei Disney-Klassikern, die wir als Kinder oft auf Deutsch gesehen haben, ebenfalls. Aber doch nicht bei Songs, die englische Meisterwerke sind.

Können wir die Freude an unseren Lieblingskünstler:innen in deutschen Musicals BITTE bewahren? Ich brauche keine Übersetzung von Abbas "The Winner Takes it all", Queens "Killer Queen" oder Tina Turners "Private Dancer". Ich will doch nur diese grandiose Musik dieser grandiosen Künstler:innen genießen – und zwar in der Originalsprache. Denn für mich sind diese Songs auf Deutsch vor allem das Jugendwort 2021: Cringe – lösen bei mir also eher ungewollte Fremdscham aus als Leidenschaft für die Story.

Alle Jahre wieder ein seltsamer Filmtitel

Eine der wohl faszinierendsten Übersetzungen eines Filmtitels, den ich je gesehen habe ist "Ich glaub', mich knutscht ein Elch". Im Original heißt der Film "Stripes". Übersetzt: Streifen. Vermutlich ist der Name eine Anspielung auf die amerikanische Flagge und den Weg, den der Charakter einschlägt: nämlich den Beitritt in die Armee. Auch wenn es eine Komödie ist und ein witziger Titel dadurch irgendwie gerechtfertigt, wie zum Henker kommt man in dem Zusammenhang auf diesen Elch-Titel? Zugegeben, der Film ist aus den 80ern, die, was seltsame Titel angeht, wohl am öftesten den Vogel abgeschossen haben.

Aber auch spätere Titel wie bei dem Film "Meine Braut, ihr Vater und ich", könnten wir ohne zu googlen nicht dem Original "Meet the Parents" zuordnen. Immerhin macht das aber inhaltlich noch Sinn. Die beste Übersetzung aller Zeiten ist meiner Meinung nach aber immer noch "Hip Hop Hood – im Viertel ist die Hölle los". Im Original heißt der Film "Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood". Definitiv zu lang, aber eben auch witziger.

Wo wir es besser können

Manchmal können die Namen fürs deutsche Publikum sogar cooler sein als im Original. Ich persönlich finde "Tribute von Panem" beispielsweise ästhetischer als die direkte Übersetzung "Die Hungerspiele" (Original: "The Hunger Games"). Und "Kill the Boss" hat mich sicherlich mehr gecatcht als "Fürchterliche Chefs" (Original: "Horrible Bosses") es getan hätte. Inzwischen bleiben TV- und Film-Highlights auch immer öfter beim Original – und das ist gut so. "The Fast and the Furious" wäre grob übersetzt als "Die Schnellen und die Wütenden" wohl kaum zu einem Publikumsmagnet geworden. Oder Serien wie "Friends", "The Walking Dead" oder "The Big Bang Theory" und Filme wie "A Quiet Place" und "Green Book".

Aber bitte ohne Untertitel

Wenn ich mit Freund:innen ins Kino gehe, fällt die Auswahl aus vielen guten Gründen meistens nicht auf die Originalversion. Einige können nicht so gut Englisch, andere finden es schwer, mit den Untertiteln nicht den Rest des Bildschirms aus den Augen zu verlieren. Wieder andere können nicht so schnell lesen oder haben Sorge, dass eine zu große Person vor ihnen die Untertitel verdeckt – berechtigte Begründungen. Trotzdem sitze ich oft da und denke: "Oh ok, DAS haben sie versucht zu übersetzen. Das wäre im Original schon witziger gewesen!" – oder eben eleganter.

Auf Deutsch gehen einige Dinge eben doch verloren. Beispielsweise die Rätsel vom Riddler im neuen Batman-Film, die auf Englisch so wundervoll zweideutig sind. Sowas kann man einfach schlecht ins Deutsche übersetzen. Auch Momente, in denen Schauspieler:innen super schnell sprechen sind schwierig. Denn bei diesen Szenen kann die Synchro mit der Anpassung auf die Mundbewegungen gar nicht hinterherkommen. Egal wie gut unsere Synchronsprecher:innen sind, die Sprache gefällt mir einfach besser im Original. Und das hat nichts mit den epischen Stimmen von vielen von ihnen zu tun.

Ein Kompromiss: Das beste aus beiden Welten

Disney- oder Animationsfilme von Pixar, Dreamworks und Co. gefallen mir oft im Original und in der Synchro. Gerade bei Kinderfilmen bin ich den Übersetzungen kein bisschen böse. Immerhin gehörte ich als Kind zu den lauthals trällernden Disney-Fans, die mit dem bunten Kassettenrekorder plus Mikrofon die Songs durch den Garten schmetterten. Mit den deutschen Songs von "König der Löwen", dem "Dschungelbuch" oder "Arielle, die Meerjungfrau" bin ich aufgewachsen – und fiktive Charaktere haben – für mich – im Grunde keine festen Stimmen. Denn sie sind eben nicht echt. Bei einem Schauspieler kenne ich die Originalstimme, sobald ich einen Film im Original gesehen habe – und schon klirren in jedem weiteren die Scherben, wenn mein Gehirn sich ab sofort weigert, die Synchro stattdessen zu akzeptieren. Bei einer Zeichentrickfigur ist das, bevor ich sie kennenlerne, anders.

Bei mir ist, gerade bei neueren Animationsfilmen, einfach oft das Problem, dass mir deutschsprachige Lieder unangenehm sind. Ich brauche diese minimale Sprachdistanz als Nicht-Muttersprachlerin, damit ich sie genießen kann. Egal, ob ich auch auf Englisch den teilweise kitschigen Inhalt verstehe. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich die Songs von "Frozen", Entschuldigung, "Die Eiskönigin", oder "Encanto" auf Deutsch höre oder nicht. Sie sind mir auf Englisch lieber, da ich mit diesem Cringe-Moment einfach besser umgehen kann. Während ich Animationsfilme ohne singende Charaktere wie "Kung Fu Panda", "Onward" oder "Zoomania" super gerne auf Englisch oder Deutsch sehe. Ich denke, hin und wieder sollte jede:r einfach mal ausprobieren, ob Englisch doch was für ihn:sie ist, oder ob es Deutsch sein muss.

Brigitte

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