"Franzosen flirten anders"

Als überforderter Reporter Alfons schafft es Emmanuel Peterfalvi immer wieder auf unterhaltsame Weise, die alltäglichen Vorurteile der Deutschen bloßzustellen. Im Interview erzählt er, warum Franzosen anders flirten - und wie er sich für seine ikonische Trainingsjacke entschied.

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Emmanuel Peterfalvi (alias „Alfons“), 44 und Franzose, hat sich in die Deutschen verliebt. In der zweiten Staffel seiner Comedy-Show „Puschel TV“ (ab Juni immer dienstags, 0.35 Uhr, im Ersten) schaut er sich unter anderem deren skurrile Hobbies wie Aufsitzrasenmäherfahren und Nacktwandern an. Auf der Bühne ist er mit seinen Programmen „Die Rückkehr der Kampfgiraffen“ und „Mein Deutschland“ zu sehen.

BRIGITTE.de: Ursprünglich sind Sie nach Deutschland gekommen, um hier Ihren Militärdienst abzuleisten. Aus den 16 Monaten sind mittlerweile 20 Jahre geworden. Warum sind Sie geblieben?

Emmanuel Peterfalvi: Eigentlich habe ich immer gedacht – und auch gesagt –, dass ich Deutschland verlassen werde, wenn ich die Deutschen verstanden habe. Tja, ich bin immer noch hier...

BRIGITTE.de: Ist es besonders schwierig, die Deutschen in Bezug auf ihr Liebesleben zu verstehen? Es heißt ja immer, wir würden viel subtiler flirten als die Franzosen...

Emmanuel Peterfalvi: Ich glaube, schon das Wort „flirten“ hat eine ganz andere Bedeutung auf Französisch als auf Deutsch. In Deutschland heißt „flirten“ eigentlich nur „miteinander reden“. In Frankreich zu flirten – da ist man dagegen schon mit einem Kuss dabei. Weniger subtil also.

BRIGITTE.de: In Ihrer Sendung "Puschel TV" machen Sie, verkleidet als Figur "Alfons" und bewaffnet mit einem Puschelmikrofon, häufig Umfragen auf der Straße. Haben Sie Passanten auch schon mal über die Liebe befragt?

Emmanuel Peterfalvi: Ja, ich habe schon sehr viele Interviews dazu gemacht. Alors, lustigerweise habe ich immer wieder festgestellt, dass die jungen Leute nicht gerne über das Thema reden. Die alten Leute aber total gerne. Und ich habe oft von älteren Leuten sehr überraschende Antworten bekommen, die ich eigentlich eher von jüngeren Leuten erwartet hätte.

BRIGITTE.de: Was denn zum Beispiel?

Emmanuel Peterfalvi: Ich habe mal einen Brief von Max und Emma aus München bekommen, die mir geschrieben haben: „Wir sind 80 und 90 und wir haben uns vor zehn Jahren ineinander verliebt.“ Ich hatte schon seit langem ein Gespräch über die wahre, pure Liebe, die Liebe im Herzen, gesucht. Also bin ich mit hohen Erwartungen da hingefahren. Und dann haben die die ganze Zeit nur über Sex geredet! Und auch das, denke ich mal, kann nur in Deutschland passieren.

BRIGITTE.de: Wie sieht das denn in Frankreich mit dem Thema „Liebe“ aus?

Emmanuel Peterfalvi: In Frankreich hat man viel weniger das Bedürfnis, über das Thema zu sprechen als hier. Ich glaube, es gibt keine letzte Seite in einer Zeitschrift, die von Liebe handelt, das würde mich sehr wundern. Und derjenige, der so etwas vorschlagen würde, der würde direkt in die Irrenanstalt geschickt werden – oder nach Deutschland (lacht).

BRIGITTE.de: Was lieben Sie denn an Ihrer Figur Alfons?

Emmanuel Peterfalvi: Dass er mir quasi vom Himmel geschickt worden ist. Ich war in einem Kostümfundus, wo ich ohne Ziel rumlief und auf einmal habe ich diese Jacke gefunden, die bis heute sein Markenzeichen ist.

BRIGITTE.de: War das mit der orangefarbenen Trainingsjacke „Liebe auf den ersten Blick“?

Emmanuel Peterfalvi: Ja, genau. Ich habe die Jacke angezogen, habe mich im Spiegel angeschaut und gedacht „Wow!“. Irgendwas ist da passiert. Später kamen dann Puschelmikrofon und die Notizzettel dazu. Toll an Alfons ist, dass er mir in bestimmten Situationen hilft, so zu reagieren, wie ich es mir sonst nicht zutrauen würde.

BRIGITTE.de: Und was glauben Sie, was die Leute so lieben an Alfons?

Emmanuel Peterfalvi: Zum einen diese Hilflosigkeit. Und sie spüren, dass sie wirklich mit Alfons in Kontakt kommen, also tief im Herzen. Deshalb sagen sie ihm auch Dinge, die sehr privat sind, die ich teilweise auch gar nicht senden möchte.

BRIGITTE.de: Wie stellen Sie sich das Privatleben von Alfons vor?

Emmanuel Peterfalvi: Ich stelle mir das so vor, dass er gerne eine Freundin hätte. Und wenn es geht, auch zwei oder drei. Denn Alfons denkt schon, dass er der Mega-Playboy ist. Aber es klappt mit den Frauen nie, wie er sich das vorstellt.

BRIGITTE.de: Und Sie persönlich, haben Sie sich in Deutschland in eine Frau verliebt?

Emmanuel Peterfalvi: Ja – aber in eine Französin. Wir sind verheiratet, haben zwei Kinder, die Deutsch und Französisch sprechen, und wohnen in Hamburg. Das ist eine alte Geschichte mittlerweile.

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