"Geh und mach, du kannst es"

Das hat sich Estelle nicht zweimal sagen lassen und ist dem Rat ihrer Mutter gefolgt. Mit Erfolg! Ihre Single "American Boy" führt die Charts an und läuft auf allen Radiostationen rauf und runter. Wir haben die sympathische Musikerin getroffen und sie zu Familie, falschen Freunden und Fashion befragt

Estelle und Kanye West

Interview mit Estelle

BYM.de: Du bist vor einem Jahr von London nach New York gezogen. Hast du schon Anschluss gefunden in dieser wahnsinnigen Metropole?

Estelle: Ja, ich habe schon allein durch meine Arbeit tolle Leute kennen gelernt und fühle mich total wohl.

BYM.de: Vermisst du nicht auch deine alten Freunde? Zum Beispiel deine besten Freundinnen?

Estelle: Ich habe zwei wirklich tolle Freundinnen, aber die haben auch immer so viel zu tun, dass wir sowieso nur zum Mailen kommen. Wenn ich mal in London bin, telefonieren wir kurz "Hey wie geht's dir" - "Hey wie geht's dir?" - "Cool!" - "Cool!". Und das war's dann auch schon. Aber so ist es halt. Klar vermisse ich sie und meine Familie natürlich auch.

BYM.de: ... die ja auch riesig ist, mit fünf Schwestern und drei Brüdern. Trotz der vielen Kinder, hatte deine Mutter auch immer ein Auge auf dich und deinen Style. Es war ihr wichtig, dass deine Outfits nicht zu freizügig sind. Ist das noch immer so?

Estelle: Meine Mutter hat mit immer gesagt "Du bist eine Lady und hast das nicht nötig. Es gibt andere Wege, an sein Ziel zu kommen, als seine Brüste auszupacken." Und sie hat recht. Heute sagt sie nicht mehr viel dazu. Ich habe meinen Stil gefunden, mit dem ich mich wohl fühle.

BYM.de: Also brauchst du keinen persönlichen Stylisten?

Estelle: Doch, ich habe eine Stylistin, die für mich Sachen aussucht. Klamotten und Accessoires von denen sie weiß, dass ich sie mag. Ich bin ein totaler Fashion Freak. Ich liebe Mode. Ich liebe es, Klamotten miteinander zu kombinieren - egal in welcher Form. Hach, ich liebe Einkaufen.

BYM.de: Wo lässt es sich denn besser shoppen. In New York oder London?

Estelle: London! Da kann man den ganzen Tag shoppen. Ich sag nur "Topshop". Ich vermisse wirklich Topshop in New York.

BYM.de: Aber du hast doch momentan gar keine Zeit dafür...

Estelle: OH DOCH, dafür finde ich immer Zeit. Zum Beispiel musst du ja auch irgendwann mal essen - also kannst du doch beim Essen shoppen. Es gibt immer eine Möglichkeit. Sogar wenn du kein Geld hast. Es gab Zeiten, da habe ich für 20 Pfund die Woche gearbeitet und trotzdem Wege gefunden, um zu shoppen. Aber ich musste das auch tun - Schuld ist meine Mutter.

BYM.de: Warum?

Estelle: Weil sie einen furchtbaren Fehler gemacht hat. Sie war auch immer so ein Fashion Victim wie ich und hatte sogar meine Figur - aber sie hat ALLE Klamotten weggeben. Einfach verschenkt. Die coolen Schuhe, die Blazer, den Schmuck, alles was heute wieder total angesagt ist, hat sie vor zwanzig Jahren verschenkt. Ich könnte immer noch heulen.

BYM.de: Was sagt sie denn zu deiner Musik? Gefällt ihr dein Debüt "The 18th Day" oder dein aktuelles Album "Shine" besser?

Estelle: Sie mag natürlich beide Alben. Aber "Shine" hat sie noch gar nicht richtig zu hören bekommen. Ich habe es ihr bisher vorenthalten. Sie sollte es erst hören, wenn das Album auch wirklich fertig ist, um mir dann Feedback zu geben.

BYM.de: Ist dir das Feedback deiner Mutter also wichtig?

Estelle: Na klar! Das ist mir sehr wichtig. Sie hat mich schließlich mein ganzes Leben unterstützt und mir geholfen. Nicht finanziell, das konnte sie nicht, aber sie hat immer gesagt "Geh und mach, du kannst es". Ich bin nicht jemand, der jeden Tag mit seiner Mutter telefoniert, aber wenn ich anrufe, dann hat es einen Grund. Wenn ich nicht weiter weiß, frag ich sie und sie hatte immer Antworten auf meine Fragen. Aber so sollte es mit seiner Mutter ja auch sein, oder? Du hast ein Problem und bevor du durchdrehst, hilft dir deine Mami.

BYM.de: Jetzt hast du ja ein eigenes Baby - dein aktuelles Album. Dein Debüt hast du fast alleine auf die Beine gestellt. Für "Shine" hast du dir prominente Unterstützung geholt. Unter anderem Kanye West und John Legend. Warum?

Estelle: Ich wollte lernen. Und mich hat interessiert, was andere über meine Arbeit denken. Außerdem wollte ich dieses mal alles richtig machen und mit meinem Album richtig rauskommen. Es war einfach eine tolle Erfahrung zu sehen, wie Leute, die schon so lange im Business sind, arbeiten. Inwieweit sie ihren Instinkt und ihr professionelles Wissen einsetzen. Ich habe sehr viel gelernt.

BYM.de: Mit "American" Boy habt ihr ja auch einen richtigen Hit gelandet. Wird es nicht langweilig immer und immer wieder denselben Song zu performen?

Estelle: Nein, das hier ist im Grunde ja dasselbe. Ich gebe seit drei Wochen jeden Tag Interviews und natürlich wiederholen sich die Fragen. Du findest verschiedenen Wege deinen Song zu performen, so wie du auf verschiedene Art und Weise die Fragen beantwortest. Sonst kann ich auch gleich zum interview mit einem Zettel kommen und sagen "Hier sind meine Antworten".

BYM.de: Und wie sieht das dann in der Praxis aus?

Estelle: Das fängt schon beim Soundcheck an. Da albern wir so dermaßen herum, dass die Leute auf der Bühne Angst bekommen, wir könnten die Show ruinieren. Aber wir sind dann richtig gut drauf und motiviert. Und wir wandeln dann auch gerne den Song einfach ab, zum Beispiel in eine Country-Version oder so. Wir machen uns einfach einen Spaß daraus. Außerdem ist ja auch jede Show anders und die Leute auf die du triffst. Das macht die Situation an sich schon anders.

BYM.de: In deinem Videoblog erwähnst du Leute, die dir immer gesagt haben "Du schaffst das nie, lass es bleiben". Wer hat das gesagt?

Estelle: Sehr viele Leute haben das gesagt. Aber ein alter Freund meinte nur "Wenn sie dich nicht unterstützen, dann spielen sie keine Rolle". Und das sehe ich auch so. Ich bin damals höchstens sauer geworden und habe diese Leute gefragt: "Sagst du mir gerade, dass ich es nicht schaffen werde? Bist du verrückt?" Und dann haben sich unsere Wege getrennt.

BYM.de: Und sind diese Leute nach deinem Erfolg zurückgekehrt?

Estelle: Ein paar haben es versucht. Aber ich habe ihnen nur einen ganz bestimmten Blick zugeworfen und sie wussten, was er bedeutet: "Warum sprichst du mich an? Du hast mir nie Gutes gewünscht, warum kommst du jetzt, um zu gratulieren? Lass es einfach bleiben. Ich hasse dich nicht, aber ich will dich nicht um mich herum haben. Ich habe Leute die mich lieben und unterstützen. Ich brauche dich nicht."

BYM.de: Aber es gibt auch Menschen um dich herum, die dich positiv kritisieren dürfen, oder?

Estelle: Klar - sogar bei den Videodrehs gibt es immer wieder weibliche Bekannte, die aufschreien "Ah, das Kleid geht gar nicht, Estelle. Du bist zu "groß" dafür. Du hast zuwenig Busen dafür." Jaja, sehr nett.

Cover "American Boy"

BYM.de: Magst du denn den ganzen Rummel um deine Person?

Estelle: Ja! Denn das bedeutet, dass die Leute mein Album mögen. Ich bin wirklich glücklich. Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich zu diesem Punkt gekommen bin.

BYM.de: Und der ganze Stress - all die Interviews, die Video-Drehs, Auftritte, die ganze PR-Maschinerie?

Estelle: Da stehe ich gerade total drauf. Das hätte ruhig schon vor vier Jahren sein können.

BYM.de: Eine letzte Frage: Wie viel Schlaf bekommst du überhaupt noch?

Estelle: Gar keinen! Aber das macht gar nichts. Zwischenzeitlich hatte ich mal zwei Monate nichts zu tun - das hat mich zu Tode gelangweilt. Ich habe noch meine Vierziger um zu schlafen. Ich will jetzt ausgehen und zwar jeden Abend. Lasst uns müde sein, jede Nacht!

Am 25. April erscheint Estelles Single "American Boy", am 9. Mai folgt ihr Album "Shine". Auf der nächsten Seite könnt ihr euch Estelles Statements zu jedem ihrer Songs anschauen :

Videos: Estelle über ihre Songs

"Wait a Minute"
"American Boy"
"More Than Friends"
"You Are"
"Substitute Lover"
"In the Rain"
"Come Over"
"So Much Things to Say"
"Back in Love Again"
"Magnificent"
"Shine"

Mehr Infos

www.estellemusic.com
Interview Alice Paul
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!