Spiel um Glauben und Verrat

Willie Stark glaubt an das Gute in der Welt. Doch das Leben belehrt ihn eines Besseren. Der Film "Spiel der Macht" zeigt mit einem grandiosen Staraufgebot im Amerika der 40er den Aufstieg eines Kämpfers für das Gute und seinen unausweichlichen Fall ins Bodenlose

Der politisch unerfahrene Demagoge Willie Stark (Sean Penn) kämpft für die gerechte Verteilung eines Bauauftrages einer Schule, scheitert aber an den korrupten Entscheidungsträgern der Stadt. Als das Gebäude kurz nach der Eröffnung einstürzt und mehrere Kinder mit in den Tod reißt, ist er plötzlich der Einzige, der im Licht der Untersuchungen als unbestechlich da steht.

Der Weg zur Macht

Damit beginnt Starks politischer Aufstieg, der vom Reporter Jack Burden (Jude Law) beobachtet wird. Burden, selbst aus gutem Haus und einst nicht weniger idealistisch, ist vom Leben enttäuscht und desillusioniert. Er verhilft dem Politiker durch seine Artikel zu einem immer größeren Publikum - schon bald hat die politische Maschinerie Stark voll im Griff.

Durch die Überredungskünste des raffinierten Tiny Duffy (James Gandolfini) entschließt sich Stark, sich der Wahl als Bürgermeister zu stellen. Duffy bietet dem Politiker seine Hilfe an, sollte er sich außerdem für eine Kandidatur als Gouverneur des Staates Louisiana bemühen.

Schnell treten ersten Schwierigkeiten auf. Stark schafft es trotz seiner ambitionierten Pressedame Sadie Burke (Patricia Clarkson) und der Hilfe von Duffy nicht, die Mengen mit seinen Wahlkampfreden aufzurütteln und mitzureißen. Erst als er durch Burden gezwungen ist, sich der eigenen Schwäche im Redenhalten zu stellen, wendet sich das Blatt. Wie ausgewechselt erscheint Stark nun in seinem Kampf um den Gouverneursposten und die dazu nötigen Wählerstimmen.

Auf dem Gipfel des Erfolgs

Bald ist sein Erfolg nicht mehr aufzuhalten und er feiert einen Triumph nach dem anderen. Das ruft seine Gegner aus den Reihen der Reichen und der feinen Gesellschaft auf den Plan, die mit dem Emporkömmling aus einfachen Verhältnissen nichts zu tun haben wollen.

Burden, der aufgrund seiner Artikel zu Starks Unterstützung von der Zeitung entlassen wurde, entscheidet sich für ein Jobangebot des Politikers. Diese Arbeit birgt aber genau das, wogegen dieser früher immer ankämpfte. Damit gibt Stark seinen Gegnern das gesuchte Mittel in die Hand, um gegen ihn vorgehen zu können. Aber es kommt noch schlimmer. Ausgerechnet Burdens Stiefvater Richter Irwin (Anthony Hopkins) leitet das angestrebte Enthebungsverfahren, welches Starks Gegner gegen ihn anstrengen.

Der Auftrag, der alles verändert

Das führt zu einem folgenschweren Auftrag für Burden. Er soll einen dunklen Fleck in der Vergangenheit des Richter Irwins finden. Durch diesen Auftrag ist er gezwungen, sich auch mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzten. Diese birgt nicht nur die schmerzlichen Erinnerungen an seine erste und einzige große Liebe Anne Stanton (Kate Winslet), sondern auch an ihren stets an das Gute glaubenden Bruder Adam (Mark Ruffalo), der sich als Arzt für die Armen und Kranken einsetzt.

Je mehr Burden sich mit dem Leben seines Stiefvaters befasst, umso eindringlicher wird ihm bewusst, dass er Verrat an eben dem Mann begehen wird, der ihn erzogen und zu dem gemacht hat, was er ist. Mit der Suche bringt er einen Stein ins Rollen, der nicht nur das Leben von Stark dramatisch verändern, sondern auch ihn selbst um seine letzten Illusionen berauben und das Leben aller Beteiligten zerstören wird.

In der hochkarätig besetzten Verfilmung des Pulitzer Preis gekrönten Literaturwerkes von Robert Penn Warren aus dem Jahr 1946 setzt der Regisseur Steven Zailian mit dem Drehbuch und der Regie die Handlung dramatisch, düster und packend um. Der Film zeigt auf sehenswerte und eindringliche Weise die Abgründe der Gesellschaft mit all ihren Verlockungen, denen die menschliche Seele ausgesetzt wird. Aufstieg und Fall gehören hier zusammen und ergänzen einander. Das muss nicht nur der anfangs noch gutgläubige Demagoge Willie Stark, sondern auch der Reporter Jack Burden am eigenen Leib schmerzlich erfahren.

Text Franziska Neuner
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