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Buchtipps im Mai


Die Sonne scheint, das Freibad ruft - fehlt nur noch ein passender Begleiter. Wie wär's mit einem schönen Schmöker? Wir stellen euch vier Bücher vor, die eure besten Begleiter werden könnten. Darunter auch ein Klassiker.
Buchtipps im Mai
© Clipart

Kirsten Fuchs: Heile, Heile

Buchtipps im Mai
© Rowohlt-Verlag

Rebekka, angestellt in einem Reisebüro, ist weder besonders hübsch noch besonders erfolgreich. Ihr Verstand, glaubt sie, sei "außergewöhnlich blöd für Anfang dreißig". Ihrem Ex-Freund, dem bübchenhaften Adrian, läuft Rebekka würdelos hinterher und verliert sich in der Grauzone zwischen Beziehung und Affäre. Freundin Johanna ist zwar wesentlich tougher als Rebekka, findet aber auch keinen Ausweg aus der Beziehung zum verheirateten Lars. Beide schließen sich einer Selbsthilfegruppe für Frauen an, die von Männern abhängig sind. Doch nicht nur von Adrian muss Rebekka Abschied nehmen. Auch von ihrer Freundin Jette, die an Krebs erkrankt ist...

Die 31-jährige Autorin Kirsten Fuchs hat nichts übrig für verschlungene Geschichten und sprachliche Sperenzchen. "Heile, heile" ist in deftiger Umgangssprache geschrieben. Ein Beispiel: "Rebekka hätte ein perfektes Denkmal abgegeben: das überflüssigste dicke Mädchen überhaupt, das je im Hausflur stand." Damit entfernt sich Fuchs, die sich zur Tischlerin ausbilden ließ, zwar von großer Literatur, hebt sich aber wohltuend vom verquasten Sprachmix gleichaltriger Autoren ab. "Heile, heile" ist eine unterhaltsame, stellenweise sehr komische Geschichte, die gerade dadurch originell ist, dass sie aus dem Leben eines normalen Mädchens erzählt.

Dieses Buch gefällt dir... ...wenn du unspektakuläre Geschichten magst, die sich nicht um die großen, philosophischen Fragen der Menschheit, sondern um Alltags- und Beziehungsprobleme drehen. Und wenn du von den ganzen "Alphamädchen" und "Superfrauen" in den Medien erst einmal genug hast.

Kirsten Fuchs: Heile, heile. Hardcover: 420 Seiten Rowohlt-Verlag 19.90 Euro ISBN: 978 3 87134 603 3

Jan Böttcher: Nachglühen

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© Rowohlt Berlin

Zugegeben, die Geschichte klingt zunächst unspektakulär: Die beiden Männer Jo und Jens kehren in ihr Heimatdorf Stolpau zurück, das 40 Jahre lang in der DDR lag. Jens übernimmt das elterliche Wirtshaus, den "Deichkrug", Jo kümmert sich um seinen gebrechlichen Vater. Beide sind in sich gekehrte Einzelgänger - herb wie die Elblandschaft. Gesprochen wird nicht viel, die Dorfbewohner sind wortkarg. Dennoch zieht sich eine unterschwellige, stets pochende Spannung durch die Buchseiten. Mit ihrer Heimkehr lösen Jo und Jens eine Rückfahrkarte in die eigene Kindheit und wecken das gemeinsame Jugend-Geheimnis auf. Vor 17 Jahren hat Jo seinen Freund in einer heißen Sommernacht im Stich gelassen...

"Nachglühen" ist ein Roman, der sich unaufgeregt und frei von Nostalgie mit der ostdeutschen Geschichte befasst, durch den kühlen Ton aber an einen schwedischen Krimi erinnert. Ohne Drastik, fast quälend langsam, aber unaufhaltsam bewegt er sich auf den Höhepunkt zu - die Begegnung zwischen Jo und Jens - und erfreut den Leser auf dem Weg dahin mit überzeugend gestalteten Charakteren.

Dieses Buch gefällt dir... ...wenn du Romane magst, die wie ein Krimi aufgebaut sind, ihre Spannung aber nicht aus blutrünstigen Szenen ziehen, sondern aus fein gezeichneten menschlichen Konflikten.

Jan Böttcher: Nachglühen. Hardcover: 238 Seiten Rowohlt Berlin 19.90 Euro ISBN: 978 3 87134 609 5

Rebecca Maria Salentin: Hintergrundwissen eines Klavierstimmers

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© Schöffling & Co.

Eine junge Autorin aus Leipzig legt ihr Debüt vor. Den Gesetzen der schreibenden Zunft zufolge, müsste sie am Deutschen Literaturinstitut studieren. Und ihr Buch müsste ein Kurzgeschichten-Band sein, der sich um beziehungsunfähige junge Menschen dreht. Auf Rebecca Maria Salentin trifft beides nicht zu. Sie hat nach dem Abitur bei Catering-Firmen gejobbt und ihr Werk "Hintergrundwissen eines Klavierstimmers" ist ein Roman, der das Krakau vor 100 Jahren heraufbeschwört. Im Zentrum steht eine polnische Familie, die selbst durch die strengen katholischen Konventionen nicht zusammengehalten wird. Die kapriziöse Elzbieta mit dem schönen roten Haar wird kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes urplötzlich von ihrem Mann Karol verlassen und verfällt daraufhin in Lethargie. Man begreift den Grund nicht. Doch dieser hat auch nach 20 Jahren noch die zerstörerische Kraft, Elzbietas Töchter Katarzyna und Elisa ins Unglück zu stürzen. Ein bisschen altklug ist es, wenn Salentin Karol sagen lässt: "Es gab keine Wahrheit, es gab nur Wahrnehmungen." Doch man staunt, wie konsequent virtuos die erst 29-jährige Autorin schreibt und wie kunstvoll sie die Kapitel komponiert, ohne dass der Leser die Übersicht verliert und das Gefühl hat, hingehalten zu werden. Vor seinen Augen entsteht vielmehr eine verwunschene Märchen-Welt mit reichen Gerüchen nach Äpfeln, süßen Kuchen und Kaffee. Das nimmt der Auflösung Gott sei Dank nichts von ihrer Glaubwürdigkeit.

Dieses Buch gefällt dir.... ...wenn du üppige Romane magst, die in einer versunkenen Zeit spielen.

Rebecca Maria Salentin: Hintergrundwissen eines Klavierstimmers. Hardcover: 237 Seiten Schöffling & Co. 18.90 Euro ISBN: 978-3-89561-364-7

Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe

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© Reclam

Was für eine dramatische Geschichte! Eine englische Kolonie in Amerika, 17. Jahrhundert: Die schöne Hester, deren Mann verschollen ist, bekommt ein uneheliches Baby. Den Namen des Kindvaters gibt sie nicht preis. Der Leser weiß aber, wer er ist: Arthur Dimmesdale, der Pfarrer der puritanischen, streng gläubigen Gemeinde. Hester ist fortan eine Ausgestoßene. Als Zeichen ihrer Sünde muss sie den flammendroten Buchstabe "A" an ihr Kleid heften. Diese Bürde verändert ihr Wesen, aber sie zerbricht nicht daran. Hester und Arthur fassen sogar den ungeheuerlichen Gedanken zu fliehen. Doch Hesters zurückgekehrter, rachsüchtiger Ehemann stellt sich ihnen in den Weg.

Der Roman von Nathaniel Hawthorne ist ein leidenschaftliches, sprachlich imposantes Plädoyer für die Liebe. Besonders ergreifend ist die Szene, in der sich Arthur und Hester im Wald begegnen und ihre Liebe vor sich selbst und der Welt verteidigen: "Nie, nie!", flüsterte sie. "Was wir taten, hatte seine eigene Weihe. Wir empfanden es so. Wir sagten es einander! Hast du es vergessen?" "Still, Hester!", sagte Arthur Dimmesdale und erhob sich vom Boden. "Nein, ich habe es nicht vergessen!" Verbotene Liebe - aber schon vor 300 Jahren.

Dieses Buch gefällt dir... ...wenn du tragisch-traurige Liebesgeschichten magst und auch vor Büchern nicht zurückschreckst, deren literarische Eintrittsschwelle etwas höher liegt.

Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe 300 Seiten Seiten Reclam 6.80 Euro ISBN: 3-15-009454-2

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Text: Bym-Redakteurin

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