Bücher im Februar

Ab sofort stellen wir euch in unserer Buch-Rubrik die Neuerscheinungen des Monats vor. Diesmal mit dabei: Heinz Strunk, Simon Beckett und Oliver Maria Schmitt.

Heinz Strunk: Fleckenteufel

Heinz Strunk: "Fleckenteufel"

"Ich war 16 und sie 31. Und über Liebe wusste ich nicht viel. Sie wusste alles und sie ließ mich spüren. Ich war kein Kind mehr. Und es war Sommer...", so trällerte Peter Maffay einst mit ernstem Blick vor sich hin.

Okay, einige Gemeinsamkeiten können wir feststellen: Auch Thorsten Bruhn ist sechzehn und ja, auch in "Fleckenteufel" ist gerade Sommer. Genauer gesagt, der 4. August 1977. Von Frauen, die bereit sind, ihre Liebeskenntnisse mit ihm zu teilen, ist aber weit und breit nix zu sehen. Noch nicht mal von Mädchen in seinem Alter. Denn Thorsten ist ein ziemlicher Spätzünder. Anstatt erste Kontakte mit Mädels zu knüpfen, flüchtet er sich lieber in Fünf-Freunde-Bücher und Sex-Träume - und holt sich regelmäßig einen runter.

Doch das soll sich jetzt ändern: Denn Thorsten ist auf dem Weg nach Scharbeutz. Zwei Wochen Gemeindefreizeit liegen vor ihm - für sage und schreibe 343 D-Mark. Zwei Wochen, um seine Unschuld zu verlieren, neue Freunde zu finden und ein richtiger cooler Typ zu werden.

Schade nur, dass Thorsten ausgerechnet jetzt unter Verstopfung leiden muss, die ihm von Tag zu Tag mehr zu schaffen macht...

Fleckenteufel vs. Feuchtgebiete

"Hä? Gab's das nicht schon mal?", mag sich so mancher gefragt haben, als er "Fleckenteufel" von Heinz Strunk das erste Mal in den Händen hielt. Und tatsächlich: Das Buchcover erinnert stark an Charlotte Roches "Feuchtgebiete": gleiches Layout, gleiche Schrift, nur statt pink mit Pflaster türkis mit Waschlappen.

Wer sich davon noch nicht abschrecken lässt, merkt gleich auf Seite 6: Ja, auch hier werden analen Vorkommnissen eine - sagen wir mal - besondere Bedeutung zugeteilt. Es geht um Verstopfung, Durchfall und Blähungen. Und auch der männliche Intimbereich wird von drastischen Anschauungsbildern nicht verschont: Samenkäse, ranziges Sperma - muss man mehr sagen?

Kult-Autor Heinz Strunk ("Fleisch ist mein Gemüse") selbst nennt sein Buch "einen first class Schmöker im Themenquadrat Darmverschluss - Bibelstunde - Samenerguss - Fahrradrallye". Fans von "Feuchtgebiete" werden ihm da sicherlich begeistert Recht geben. Alle anderen sollten besser die Finger von "Fleckenteufel" lassen.

Heinz Strunk Fleckenteufel 224 Seiten, 12.00 EUR Taschenbuch, Rowohlt ISBN: 978-3-499-25224-2

Simon Beckett: Leichenblässe

Simon Beckett: Leichenblässe

Der Tatort zu dem David Hunter und sein Kollege Tom Lieberman gerufen werden, zeugt von einem unvorstellbaren Martyrium: Eine fast bis zur Unkenntlichkeit gefolterte und verweste Leiche, die in einer einsamen Holzhütte in den Bergen Tennessees auf einem Tisch gefesselt wurde. Bei der Untersuchung der Leiche stoßen die beiden forensischen Anthropologen schnell auf Unstimmigkeiten: Der Todeszeitpunkt und die vorangeschrittene Verwesung der Leiche passen nicht zusammen, auch die Todesursache ist nicht eindeutig zu klären.

Als weitere Leichen gefunden werden, deren Identität nicht eindeutig zu klären ist, merken die Ermittler schnell, dass sie es mit einem wahnsinnigen Serienkiller zu tun haben, der mehr von ihrem Fach versteht, als sie zunächst annehmen.

Sie ahnen nicht, wie nah der Mörder ihnen wirklich ist...

Spannender Thriller für Hartgesottene

Simon Beckett

Dr. David Hunter ist zurück! Bereits in Simon Becketts ersten beiden Romanen "Chemie des Todes" und "Kalte Asche" hatte der Anthropologe mit der Obduktion von Leichen und der Lösung spannender Mordfälle alle Hände voll zu tun. Und auch in "Leichenblässe" bleibt ihm nicht viel Zeit zum Durchatmen, zumal er diesmal selbst zum Gejagten wird.

Eins ist jedoch klar: "Leichenblässe" ist nur etwas für Hartgesottene. Ob Maden in Körperöffnungen, Insekten, die vom Verwesungsgeruch angezogen werden oder verstreute Leichenteile - hier wird nicht mit Detailbeschreibungen gegeizt. Wer das abkann, den erwartet mit "Leichenblässe" ein spannender Thriller, an dessen Ende ein furioser Showdown steht.

Simon Beckett Leichenblässe 416 Seiten, 19.90 EUR Hardcover, Wunderlich ISBN: 978-3-805208666

Oliver Maria Schmitt: "Der beste Roman aller Zeiten"

Oliver Maria Schmitt: "Der beste Roman aller Zeiten"

Was würdest du tun, wenn du stets vom Pech verfolgt bist und dir plötzlich ein Erfolgsautor vor die Füße fällt, der dir endlich den ersehnten Ruhm und Erfolg in scheinbar greifbare Nähe bringt?

Mick Rademann, der gerade sein Diplom zum "Coach, Mediator und Dipl. Entschleuniger" gemacht hat, greift bei dieser Gelegenheit, jedenfalls kräftig zu. Als ihm vor einem Frankfurter Nachtclub plötzlich ein Mann in schwarzer Lederkluft vor die Füße fliegt, kombiniert Rademann blitz schnell und nimmt den Gefallenen Jo Hollenbach sofort unter seine Fittiche. Denn der Mann entpuppt sich als Autor und behauptet, dass ihm mit seinem gerade erschienenen Roman "BRAZ" (Bester Roman aller Zeiten) ein großer Durchbruch gelungen sei. Der Single und Pleitegeier Rademann wittert den Erfolg und schöpft Hoffnung, dass sein erster und bisher einziger Patient Hollenbach seine gesamte Lebenssituation verbessern wird. In Gedanken sieht er sich schon im Geld schwimmen, ein protziges Auto und jede Menge willige Frauen.

Doch natürlich läuft Rademanns Plan nicht so wie geplant. Sondern eher gründlich schief. Glück, Ruhm und Erfolg rücken in die Ferne, denn plötzlich werden Rademann und Hollenbach von der balkanischen Mafia gejagt und nach Albanien entführt. Seltsamerweise will niemand für den scheinbar so erfolgreichen Buchautor Hollenbach Lösegeld zahlen. Also zwingen ihn die Entführer einen neuen Erfolgsroman zu schreiben. Doch Hollenbach hat andere Pläne...

Wirklich der beste Roman aller Zeiten?

Nach seinem Punkroman "AnarchoShnitzel schrieen sie" erzählt Oliver Maria Schmitt, Ex-Chef des Satiremagazins "Titanic", in seinem neuen Buch "Der beste Roman aller Zeiten" die abenteuerliche Geschichte eines ungleichen Paares, welche zugleich eine Satire auf den gesamten Literaturbetrieb ist. Mit Andeutungen auf leibhaftig erfolgreiche Romane z.B. "Nassgebiete" oder "Fänger im Weizen" verspricht Schmitts Roman aufgrund des Titels jedoch mehr, als er halten kann. Die abstruse Geschichte ist dank lustiger Wortspiele komisch erzählt und die absurden Zufälle und Katastrophen, die den beiden Hauptprotagonisten widerfahren, sind zwar unterhaltsam aber teilweise zu klamaukig. Der Beste Roman aller Zeiten ist Schmitts Werk sicher nicht, aber ein spaßiger Zeitvertreib, bis der beste Roman endlich auf dem Markt erscheint.

Oliver Maria Schmitt Der beste Roman aller Zeiten 252 Seiten, 16,90 Euro Hardcover, Rowohlt ISBN 978-3871346224

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