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Bücher im Sommer


In unseren Buchtipps stellen wir euch regelmäßig die Neuerscheinungen des Monats vor. Diesmal mit dabei: "Bis gestern war ich harmlos", "Shopping and the City", "Flucht übers Watt", "Ein makelloser Tod" und "Dann lieber gleich arbeiten".

Bücher im Sommer

Lisa Barham: Shopping and the City

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© blanvalet

Imogene ist reich. Steinreich. Und doch leider nicht ganz so reich wie die meisten ihrer Freundinnen in Greenwich, einem hübschen Vorstädtchen vor den Toren New Yorks, in dem die gut Betuchten die kilometerlangen Einfahrten von Gärtnern pflegen, die Kinder von Nannys großziehen, ihre Rasse-Fiffis von Hundesittern ausführen und das Dinner vom persönlichen Sternekoch bereiten lassen. Und wäre das nicht schon schlimm genug für einen verzogenen amerikanischen Teenager, ist Imogene auch noch besessen. Von Mode, was auch sonst. Als eines Tages eine astronomisch hohe Kreditkartenabrechnung ins Haus flattert, wird Imogene von ihren Eltern zu einem Ferienjobprogramm verdonnert. Doch sie hat Glück: Sie ergattert einen Job als Praktikantin in einer renommierten New Yorker Modetrendagentur und findet - nach ein paar Umwegen, Hürden und Rückfällen - zu sich selbst.

Die Autorin: Lisa Barham
Die Autorin: Lisa Barham
© Tom Barham

Lisa Barham erzählt in "Shopping and the City" mit viel Witz und Charme die Geschichte eines jungen Mädchens, das noch nicht genau weiß, wer sie ist und worüber sie sich definieren möchte. Dabei bleibt sie zwar die meiste Zeit in altbekannten Bildern, fängt sich aber in genau dem Moment wieder, in dem die Story droht, platt zu werden.

Ein absolutes Highlight des Buchs sind die wundervollen wie detailverliebten Illustrationen von Sujean Rim.

Fazit: Eine Lektüre für alle leicht neurotischen, selten ungeschminkten Highheel-Verfechterinnen mit einem Hang zu blondierten Strähnchen und einer viel zu großen (teuren) Handtasche. Im Urlaub am Pool als kleiner literarischer Snack zwischendurch auch für alle anderen.

Lisa Barham Shopping and the City blanvalet Taschenbuch, 343 Seiten 7,95 EUR ISBN: 978-3-442-37245-4

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Irvine Welsh: Dann lieber gleich arbeiten

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© Kiepenheuer & Witsch

"Trainspotting"-Autor Irvine Welsh gibt sich in seiner neuen Kurzgeschichten-Sammlung "Dann lieber gleich arbeiten" erstaunlich international. Während sich seine Figuren früher durch den schottischen Drogensumpf kämpften, werden sie nun in Chicago, der Wüste Nevadas oder auf den Kanarischen Inseln mit aberwitzigen Plots gequält. Da gibt es Eugene, der mit einem Kumpel und seiner heimlichen Flamme zum Burning Man Festival fährt und in der Wüste von einer Klapperschlange in sein bestes Stück gebissen wird.

Michael, der dauergeile Kneipier auf den Kanarischen Inseln, der sich in eine miese Gangstergeschichte verstrickt sieht und dabei um das Leben seiner Tochter fürchtet. Oder die tablettensüchtige Zicke Kendra, die sich mit ihren Freundinnen durch den Tag lästert und vermutet, dass ihr neuer Nachbar aus Korea Appetit auf ihr Schoßhündchen hat.

So ganz kommt Welsh aber nicht von seiner Heimat los, die längste - und beste - Geschichte spielt wieder im Dunstkreis schottischer Kneipen. Hauptfigur von "Der King von Fife" ist der stets alkoholisierte Jason, der in breitestem Dialekt über seine Saufkumpanen, Frauen und das Leben allgemein sinniert. Hier kommt Welshs Talent, die Stimme der Straße authentisch einzufangen, voll zur Geltung. Allen Geschichten gemein ist eine überraschende Wendung, ein echter Aha-Moment, der manchmal ziemlich schockiert, aber meistens amüsiert.

Fazit: Seine Vorliebe für raue Sprache und schlüpfrige Themen ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Aber wer ein Herz für Außenseiter und schräge Figuren hat, liegt bei Welsh genau richtig.

Irvine Welsh Dann lieber gleich arbeiten KiWi Taschenbuch, 384 Seiten 9.95 EUR ISBN: 978-3-462-04085-2

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Krischan Koch: Flucht übers Watt

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© dtv

Kunststudent Harry Oldenburg steckt in der Klemme. Seine eigenen Bilder verkaufen sich miserabel, und auf seinem Konto herrscht gähnende Leere. Harry sieht nur einen Ausweg: mit den Bildern anderer Kasse machen. Seine Wahl fällt auf vier kleine Gemälde von Emil Nolde, die im Seebüller Museum hängen. Doch der Diebstahl verläuft alles andere als rund: In letzter Sekunde gerät ihm die Putzfrau in die Quere, der Kunstraub fliegt auf und bald wird er von der Polizei gejagt.

Harry flüchtet auf die Nordsee-Insel Amrum. Hier will er untertauchen, bis sich die Lage entspannt hat. Aber da hat er nicht mit den neugierigen Inselbewohnern gerechnet: Überraschend läuft Harry sein alter Kommilitone Kieso von der Hamburger Kunsthochschule über den Weg, und die esoterische Silva Scheuermann hat nicht nur eine Vorliebe für Karibikhemd, Kräutertees und Trockenobst, sondern auch ganz offensichtlich für Harry. Als dann auch noch eine mysteriöse Mordserie Amrum in Atem hält, ist das Chaos bald komplett...

Krischan Kochs "Flucht übers Watt" ist ein unaufgeregter Krimi, in dem die Morde eigentlich eher Nebensache sind. Aus der Hand legen möchte man das Buch trotzdem nicht, denn Koch versteht es ausgezeichnet, skurrile Charaktere mit hintergründigem Witz zu zeichnen. Kein Wunder: Schließlich lebt der Filmkritiker und Autor drei Monate im Jahr auf Amrum und kennt sich mit den Gepflogenheiten der Einwohner und Besucher bestens aus.

Anstrengend und etwas verwirrend sind allerdings die Zeitsprünge, in der Koch Harrys Geschichte erzählt und dabei unregelmäßig zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt. Ein weiteres Manko: Koch lässt seinen Roman recht unvermittelt und undurchsichtig enden, eine klare Auflösung findet nicht statt.

Fazit: Für Adrenalinjunkies definitiv nicht die richtige Wahl, aber für Leser, die sich an leichtem Humor und Wortwitz erfreuen können, absolut empfehlenswert.

Krischan Koch Flucht übers Watt Dtv Taschenbuch, 299 Seiten 8,95 EUR ISBN 978-3-423-21140-6

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P. D. James: Ein makelloser Tod

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© Droemer Knaur

Jeder hat ein Geheimnis. Einen dunklen Fleck in der Vergangenheit, den er sorgfältig verdrängt, vertuscht, überspielt. Rhoda Gradwyns Spezialität ist es, Licht in eben dieses Dunkel zu bringen. Das verschafft ihr als Journalistin Ruhm und Anerkennung - und viele Feinde. Im Alter von 47 Jahren entschließt sie sich, von London aufs Land zu fahren, um sich in der privaten Schönheitsklinik von George Chandler-Powell eine unschöne Narbe im Gesicht entfernen zu lassen. Die OP gelingt, doch noch im Krankenbett wird Rhoda erwürgt.

Mit der Suche nach dem Täter wird Commander Adam Dalgliesh betraut. Er reist mit seinem Team, Detective Inspector Kate Miskin und Sergeant Francis Benton-Smith, nach Dorset, um den Fall zu lösen. Keine leichte Aufgabe, denn fast jeder der Anwesenden in Cheverall Manor, der luxuriösen Schönheitsklinik, könnte Gründe gehabt haben, die Sensationsjournalistin zu ermorden - und sei es nur, um dem Chef der Klinik damit zu schaden. Dalgliesh, der sensible Aufklärer mit poetischer Ader, beginnt, die letzten Stunden im Leben Rhoda Gradwyns zu rekonstruieren. Dabei stößt er auf immer neue Ungereimtheiten und schließlich auf eine weitere Leiche.

P.D. James ist die Grande Dame des englischen Krimis. Routiniert steigert die 88-jährige Baroness in ihrem 18. - und vielleicht letzten - Roman die Spannung, lockt auf falsche Fährten und verliert doch nie den Faden. Mit messerscharfem Verstand und genauem Blick beschreibt sie Personen, Stimmungen und Landschaften, so dass sich der Leser schnell in nebelverhangenen Nächten, steifen Salons und schnuckeligen Cottages wiederfindet.

Fazit: Ein grandioser Krimi für alle, die diesen Sommer ein paar Tage Kopf-Urlaub in England buchen möchten.

P.D. James Ein makelloser Tod Droemer gebundene Ausgabe, 554 Seiten 19.95 EUR ISBN: 978-3-462-19846-9

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Andreas Kurz: "Bis gestern war ich harmlos"

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© Ubooks-Verlag

Bobo ist siebzehn, Hobby-Filmer und Jungfrau - und schrecklich verliebt in die gleichaltrige Sanne. Dumm nur, dass sie mit Bobos Kumpel Kralle zusammen ist, der natürlich vieler cooler und erfahrener ist, als Bobo es jemals zu werden glaubt. Es ist der Sommer 1988. Bobo, Sanne und Kralle hängen viel zusammen rum, auch wenn Bobo nie so ganz dazuzugehören vermag. Nie ganz für voll genommen wird. Und dann ist da auch nach Paul, Kralles Freund und Sannes Ex, der es sich scheinbar zur Lebensaufgabe gemacht hat, Bobo den Alltag schwer zu machen.

Alles scheint sich jedoch zu ändern, als Bobos Freunde das ganz große Geld wittern: Sie wollen einen eigenen Pornofilm drehen, mit Sanne und Kralle in der Hauptrolle. Klar, dass Bobo als Kameramann herhalten muss. Ausgerechnet er, der vom Sex genauso viel Ahnung hat wie die neue Freundin seines Vaters vom Idealgewicht. Als er dann auch noch seinen Freunden von dem Haus eines entfernten Verwandten mit den vielen Wertsachen erzählt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf...

Autor Andreas Kurz gewann bereits zahlreiche Literaturpreise - mit Recht. "Bis gestern war ich harmlos" ist ein bittersüßer Roman über das Erwachsenwerden, die erste Verliebtheit und das Finden und Verlieren von Menschen, die so etwas wie "Freunde" sind. Doch an die kurzweiligen Szenen reihen sich auch durchaus tragische Erlebnisse, an deren Ende ein überraschendes Finale steht.

Fazit: Tragisch-komisches Buch, bei dem einem schon mal das Lachen im Hals stecken bleiben kann. Für Fans von Kultautoren wie Heinz Strunk oder Rocko Schamoni genau das Richtige!

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Andreas Kurz Bis gestern war ich harmlos Ubooks Verlag Taschenbuch, 226 Seiten 9.95 EUR ISBN: 978-3-86608-105-5


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