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"Das gibt Arbeit"


Viel zu unordentlich fand der Schweizer Ursus Wehrli die Gemälde berühmter Künstler von Pieter Bruegel bis Keith Haring. Also tat er das Naheliegende: Er räumte die Bilder auf. Dann brachte er ein Buch heraus und alle fanden seine Aufräum-Idee so originell, dass es sofort vergriffen war. Jetzt ist endlich die Neuauflage erschienen. Wer nicht weiß, warum man "Kunst aufräumen" sollte, dem steht der Autor in unserem Interview Rede und Antwort.

Brigitte.de: Herr Wehrli, sind Sie eigentlich ein Ordnungsfanatiker?

Ursus Wehrli: Selbstverständlich nicht! Das ist ja gerade mein Problem. Aber weil ich zu faul bin, mein eigenes Chaos aufzuräumen, hab ich erst mal bei den andern angefangen.

Brigitte.de: Und da sind Sie auf die Idee gekommen, die Kunst aufzuräumen?

Ursus Wehrli: Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, die Idee kam zu mir... Und das hat mich im ersten Moment gar nicht gefreut, weil mir plötzlich klar wurde: Das gibt Arbeit!

Brigitte.de: Aber was soll das Ganze?

Ursus Wehrli: Die pädagogisch wertvolle Antwort wäre hier: den Blick auf die Kunst schärfen und auf lustvolle Art und Weise den Zugang zur Kunst fördern. Pragmatisch gesehen hat Aufräumen aber immer nur den einen Zweck, egal, ob das auf meinem Schreibtisch, in einer Stube oder in einem Kunstwerk ist: dass es danach ordentlicher ist als vorher!

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Brigitte.de: Damit waren doch sicher nicht alle einverstanden, oder? Hat sich schon mal jemand beschwert?

Ursus Wehrli: Nein, leider nicht. Ich warte schon lange darauf!

Brigitte.de: Welcher Künstler hat es am dringendsten nötig, aufgeräumt zu werden?

Ursus Wehrli: Eigentlich Jackson Pollock, weil er mit seinen Farbtöpfen immer so eine Sauerei anrichtete. Aber daran arbeite ich noch.

Brigitte.de: Und wer ist vor Ihren Aufräumarbeiten sicher?

Ursus Wehrli: Piet Mondrian, er war der Ordentlichste von allen. Den muss man erst durcheinanderbringen, bevor ich ihn wieder aufräumen kann.

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Brigitte.de: Ihre aufgeräumten Versionen der Bilder, wie entstehen die denn jetzt genau?

Ursus Wehrli: Das ist äußerst unspektakulär: mit Schere, Leim und Papier. Und mit viel Zeit...

Brigitte.de: Wie viel Zeit würden Sie denn für die Mona Lisa brauchen?

Ursus Wehrli: Keine Ahnung - vielleicht würde ich ihr einfach die Mundwinkel mit einem Lineal geradeziehen.

Brigitte.de: Wäre das ein Projekt für die Zukunft?

Ursus Wehrli: Da würde ich gerne eher "Kunst flicken" und bei all den antiken Statuen die abgebrochenen Extremitäten wieder anbringen!

Das Buch

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"Kunst aufräumen", Ursus Wehrli Verlag Kein & Aber Zürich 14,90 Euro

Interview: Katharina Wantoch Abbildungen mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: "Kunst aufräumen", Ursus Wehrli, Verlag Kein und Aber

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