Die besten Taschenbücher für den Urlaub

Ferienlektüre: Die schönsten Liebesromane, die spannendsten Krimis, die interessantesten Familiengeschichten und die besten historischen Romane - ausgewählt vom BRIGITTE-Kultur-Ressort.

Liebesroman: "Mit Deinen Augen" von Kaui Hart Hemmings

Was tun, wenn die Liebste, die immer das ganze Familienleben organisiert hat, nach einem Unfall im Koma liegt? Matthew ist überfordert: Als Anwalt ist er ein Held, aber zu Hause? Zum ersten Mal wird ihm bewusst, wie wenig er von seiner zehnjährigen Tochter weiß: "Wer schneidet ihr die Haare?", fragt er sich. Und: "War sie überhaupt schon mal beim Friseur?"

Ab sofort nimmt er Nachhilfe-Unterricht bei der Haushälterin. Er versucht sich so zu verhalten, dass seine Frau stolz auf ihn wäre: Wenn Joanie wieder aufwacht, wird sie ihn lieben. Oder nicht? Was ist überhaupt zu Hause passiert, als er berufl ich viel unterwegs war? Matthew beginnt, in ihren Sachen herumzuschnüffeln. Und damit geht die Katastrophe in seinem Leben erst richtig los. In ihrem Debütroman hat Kaui Hart Hemmings aus Hawaii eine kluge Mischung gewählt: Sie erzählt diese Geschichte mit Humor und ganz leicht, obwohl es in diesem Buch wirklich niemand leicht hat. (Ü: Adelheid Zöfel, 384 Seiten, 8,95 Euro, Diana Taschenbuch)

Liebesroman: "Die Geschichte von Mutter und Vater" von Edvard Hoem

Diese Liebesgeschichte geht einem ans Herz, obwohl sie mit einem ernüchternd unromantischen Satz beginnt: "Ich kann sie doch nehmen." Der Mann, der das sagt, heißt Knut. Er ist in Norwegen als Wanderprediger unterwegs, es sind die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Und Knut sagt diesen Satz, als er eine junge Frau vorbeigehen sieht, von der er weiß: Keiner will sie haben, da sie von einem deutschen Soldaten schwanger ist. Das Erste, was Knut auffällt, ist ihre unermessliche Traurigkeit. Der Prediger beginnt, auf seinen Reisen an Kirsten zu denken, taucht dann immer öfter in ihrer Nähe auf, bis ihr Schutzwall bröckelt. Es dauert 145 Seiten, bis sich diese beiden Menschen zum ersten Mal gegenüberstehen, aber wie für den Verlauf jeder Liebesgeschichte ist entscheidend, was die Partner vorher erlebt und mitgemacht haben. Der Schriftsteller Edvard Hoem erzählt hier das Leben seiner Eltern. Auslöser für das Buch war eine Frage, die Hoem mit sechs Jahren stellte: "Mama, liebst du Papa eigentlich?" Sie konnte nicht mit einem klaren "Ja" antworten. Eine anrührende Geschichte über zwei einsame Seelen. (Ü: D. Drolshagen, 220 Seiten, 8,00 Euro)

Familienroman: "Dear American Airlines" von Jonathan Miles

Es läuft nicht gut für Benjamin Ford: Er lebt mit seiner hinfälligen Mutter und ihrer Pflegekraft in einer viel zu kleinen Wohnung, hat mit Gleichgültigkeit und Suff seine Ehe ruiniert, den Kontakt zu seiner Tochter abreißen lassen - und gerade, als er alles besser machen und zur Hochzeit dieser Tochter nach Los Angeles fliegen will, wird sein Flug gecancelt. Jetzt sitzt er am Chicagoer Flughafen fest und schreibt wütend an die Fluggesellschaft: "Dear American Airlines". Was als wortgewaltig komischer Beschwerdebrief beginnt, wird bald zu einer rührenden Lebensbeichte voll überraschender Wendungen. Der Debütroman von Jonathan Miles ist eine Entdeckung, nicht nur für genervte Fluggäste. (Ü: Axel Merz, 255 Seiten, 14,95 Euro, Lübbe)

Familienroman: "Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war" von Pauls Toutonghi

Romane über Osteuropäer, die nach Amerika auswandern, sind gerade schwer in Mode - der ideologische Zusammenprall von Borschtsch und Burger bietet ja auch schönen Konfliktstoff. Dieses Buch spielt im politischen Tauwetter des Herbstes 1989: Yuris Eltern sind in den 60er Jahren vor der Drangsalierung des sowjetischen Geheimdienstes aus Lettland nach Milwaukee geflüchtet. Hier versuchen sie nun, amerikanischer zu sein als die Amerikaner selbst. Vor allem Yuris Vater ist im Land seiner Träume angekommen: Er liebt Bourbon, Straßenkreuzer und Country-Musik. Wenn er abends auf dem Balkon steht und seinem Sohn alkoholgeschwängerte Geschichten erzählt, weist er immer darauf hin, wie glücklich sich Yuri schätzen könne, in Freiheit aufzuwachsen. Leider hat der sich gerade in die Jungkommunistin Hannah verliebt und verstört seine Eltern mit Lenin-Zitaten. Als dann der "Wind of Change" noch Teile der lettischen Verwandtschaft nach Milwaukee in die kleine Wohnung bläst, muss Yuri sich entscheiden, auf welcher Seite er eigentlich steht. Pauls Toutonghi, Amerikaner mit lettischen Wurzeln, vereint das Beste beider Welten: Bei ihm trifft osteuropäischer Humor auf die amerikanische Fähigkeit, filmreife Geschichten zu erzählen. (Ü: Eva Bonné, 368 Seiten, 14,90 Euro, Rowohlt Berlin)

Jugendbuch: "Wer ist Violet Park?" von Jenny Valentine

"Ich traf Violet, nachdem sie gestorben war, aber das hielt mich nicht davon ab, sie kennen zu lernen", erzählt der 16-jährige Lucas. So seltsam wie dieser Satz klingt, so seltsam fängt auch seine Geschichte an: Ausgerechnet in einer Taxizentrale stößt er in einem Regal auf eine Urne mit den Überresten von Violet Park. Und bildet sich prompt ein, dass die versucht, aus dem Jenseits mit ihm Kontakt aufzunehmen. Seitdem lassen ihn die Gedanken an Violet nicht mehr los: Wer war sie? Und wer hat sie einfach auf dem Rücksitz eines Taxis vergessen? Bei seinen Nachforschungen findet Lucas heraus, dass Violet eine berühmte Künstlerin war - und dass sein vor Jahren verschwundener Vater sie einmal interviewt und offenbar sehr gut gekannt hat. Jenny Valentines Debütroman wartet nicht nur mit überraschenden Wendungen auf, sondern auch mit viel Humor, Charme und Lebensklugheit. Ab 13 Jahre. (Ü: Klaus Fritz, 208 Seiten, 8,95 Euro, dtv)

Krimi: "Kritik der mörderischen Vernunft" von Jens Johler

Dr. Richard Troller ist beunruhigt: Was hat es bloß mit dieser seltsamen Mail auf sich? "Ich werde in dieser Nacht mit unserer praktischen Kritik beginnen, Troller. - Kant". Am nächsten Tag weiß es der Wissenschaftsjournalist: Ein bekannter Hirnforscher wird ermordet aufgefunden, am Tatort fi ndet man ein Plakat mit einem Zitat - aus einem wissenschaftskritischen Buch, das Troller selbst geschrieben hat. Der Mörder, der sich nach dem Philosophen Immanuel Kant nennt, greift zwei weitere hochrangige Wissenschaftler an, einer stirbt, und wieder zitiert er den Journalisten. Der gerät nun selbst in das Visier der Fahnder; die Polizei glaubt, dass er entweder Täter oder Komplize der Kant-Morde ist. Es ist ja durchaus nicht neu, dass intelligente Krimis das Gehirn in Anspruch nehmen. Dieser hier tut es sogar im wörtlichen Sinne: Jens Johler beschäftigt sich mit der Frage, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Hirnforschung liegen. Und das gelingt ihm großartig: ein kluges, hoch spannendes Buch, in dem Johler seinen Helden sogar noch ein kompliziertes Liebesleben und die Nöte eines getrennt lebenden Vaters durchleiden lässt. (544 Seiten, 9,95 Euro, Ullstein Taschenbuch)

Krimi: "Entführung am Fischmarkt" von Irene Stratenwerth

Ein Verbrechen, politische Verflechtungen und eine Schuld, die mehr als 60 Jahre zurückreicht: Es steckt extrem viel im ersten Roman von BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth. Ihre Heldin heißt Kristina Wolland, ist Anwältin aus Hamburg-Altona und war in den 80ern Mitglied der alternativen Hausbesetzer-Szene. Sie wird von ihrer ehemaligen Mit-Aktivistin Hella um Hilfe gebeten: Deren 18-jähriger Sohn Anton sei entführt worden, und Kristina soll ihn fi nden. Die Suche führt die Anwältin geradewegs in die rechtsextreme Szene: Antons bester Freund Sandro scheint ein aktiver Neonazi zu sein - und ist verschwunden. Steckt er hinter der Entführung? Welche Rolle spielt Karl, der damals Mitbesetzer eines Hauses am Elbhang war? Und was haben Wehrmachts-Massaker im Zweiten Weltkrieg mit der Sache zu tun? All das verstrickt und entwirrt Stratenwerth ebenso gekonnt wie spannend. Und entlarvt nebenbei noch einige der heuchlerischen Lebenslügen der alternativen Szene, zu der sie einst selbst gehörte. (Ü: 192 Seiten, 8,95 Euro, Ellert & Richter)

Sachbuch: "Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra" von Roberto Saviano

Der Journalist Roberto Saviano erzählt von seiner Heimatstadt Neapel, die fest in der Hand der Verbrecherorganisation Camorra ist. Viele Einwohner schweigen aus Angst vor Gewalt und Unterdrückung; andere bewundern die Camorra. Diese unheimliche Mischung ermöglicht der Organisation ihre Geschäfte, die sie so effi zient organisiert wie ein global tätiges Wirtschaftsunternehmen. Im vergangenen Jahr ist das Buch verfilmt worden. Das Schweigen, die stärkste Waffe der Organisation, hat Roberto Saviano damit vor einem größtmöglichen Publikum gebrochen. Mit schonungsloser Offenheit beschreibt er in seinem Bestseller die Verbindung von Wirtschaft, Politik und den Verbrechern. Dafür hat er in Kauf genommen, selbst ganz oben auf der Abschussliste der Camorra zu landen. (Ü: Friederike Hausmann/Rita Seuß, 365 Seiten, 9,90 Euro)

Sachbuch: "Dem Tod auf der Spur" von Michael Tsokos

Kaum ein Berufsstand hat in den vergangenen Jahren bei Leserinnen und Fernsehzuschauern so viel Ansehen gewonnen wie die Rechtsmediziner. Michael Tsokos ist der vielleicht bekannteste in Deutschland. Und er fi ndet: Die Fiktion ist nicht seltsamer als das Leben, es ist genau umgekehrt. Was ihm in der Berliner Charité auf den Sektionstisch kommt, findet er spektakulärer als viele erdachte Krimis. Hier schildert er zwölf Fälle - zum Mitraten. Und er räumt außerdem mit ein paar Klischees auf, die über seinen Beruf kursieren: zum Beispiel, dass ein Rechtsmediziner ein Pathologe sei (Rechtsmediziner arbeiten im Auftrag der Staatsanwaltschaft, Pathologen kümmern sich um die Aufklärung natürlicher Todesursachen). Autopsie, Obduktion und Sektion bezeichnen exakt denselben Vorgang, und ein Selbstmord heißt im korrekten Amtsdeutsch Suizid. Nach dem Lesen hat man so viel über seine Untersuchungsmethoden gelernt, dass man beim nächsten Krimi vielleicht sogar einen gewissen Vorsprung vor den Ermittlern hat. (238 Seiten, 8,95 Euro, Ullstein Taschenbuch)

Historischer Roman: "Leben und Schicksal" von Wassili Grossman

Dieser Roman ist oft als "Krieg und Frieden" des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden. Denn wie Tolstoi malt Grossman das große Panoramabild von Russland und zeigt dabei einen Schlüsselmoment in der Geschichte des Landes: die Schlacht zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee um Stalingrad. Geschickt verbindet er die Schicksale von russischen Soldaten in der eingeschlossenen Stadt mit denen ihrer Angehörigen im Hinterland. Grossman verwebt dutzende Handlungsstränge, verliert jedoch nie den einzelnen Menschen aus dem Blick: Da ist zum Beispiel die Ärztin, die aus einem jüdischen Ghetto einen bewegenden Abschiedsbrief an ihren Sohn in Moskau schreibt. Sie weiß, dass die deutschen Soldaten alle Bewohner des Ghettos ermorden werden. Aber ob ihre letzten Worte ihren Sohn erreichen, das weiß sie nicht. "Lebe, lebe, mein Sohn, lebe ewig", schreibt sie. Kaum ein anderer Autor hat die Schrecken des Zweiten Weltkriegs so authentisch beschrieben. Denn Grossman war dabei - als Kriegsreporter. Sein Roman ist ein Plädoyer für Mitmenschlichkeit in Zeiten der Gewalt. Und gegen Diktaturen, ob sie nun nationalsozialistisch oder kommunistisch geprägt sind. Auch deshalb war sein Roman in der Sowjetunion verboten und ist erst vor Kurzem in Deutschland erschienen. Jetzt liegt er als Taschenbuch vor. Keine leichte Lektüre, aber unbedingt lesenswert. (Ü: Annelore Nitschke, 1088 Seiten, 14,95 Euro, List)

Foto: iStockphoto.com
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