Die Bunny-Leseprobe

Leseprobe

Was sich das Supatopcheckerbunny zum Thema "Mode & Fashion" überlegt hat

Immer, wenn die Sonne vom Himmel herabscheint auf die Häuser, dann scheint sie dabei auch herab auf die hässlichen Häuser. Die Sonne macht keinerlei Unterschied zwischen den ganz verschiedenen Architekturstilen oder den unterschiedlichen Farben der Häuser. Und genauso macht sie es mit den Menschen! Egal, ob man schön ist oder sehr hässlich, ob man ein Mann ist oder eine Frau oder ob man modisch angezogen ist oder nicht – wenn man bei Sonnenschein hinausgeht auf die Straßen der Stadt oder auf die Felder, wenn man auf dem Land wohnt, dann wird man von der Sonne in jedem Fall immer gleich behandelt, und auch die Strahlungsintensität der Sonne wird überhaupt nicht beeinflusst vom eigenen Outfit. Ja, werden sich deshalb manche denken, was macht es denn dann überhaupt für einen Unterschied, ob man sich nun modisch anzieht, morgens bevor man aus dem Haus geht, oder nicht, wenn sich dadurch eh nichts ändert? Diese Frage erscheint zwar logisch, aber sie ist natürlich auch mal wieder TYPISCH DEUTSCH! Der Italiener fragt so etwas selbstverständlich nicht. Der Italiener zieht sich trotzdem topmodisch an, ohne Hintergedanken an eventuelle nützliche Auswirkungen. Ja, werden jetzt manche wieder kritisch einwenden, das mag der Italiener zwar so machen, er hat aber auch sonst ganz andere Gewohnheiten als wir, zum Beispiel auch ganz anderes Essen.

Das stimmt natürlich! Dennoch ist die italienische Küche auch bei uns sehr beliebt, man denke nur an Spaghetti Carbonara . Wenn einer den Vorschlag macht, ab und zu mal ein paar Nudeln zu kochen auf italienische Art, dann kommt doch auch keiner an und sagt: »Nudeln schön und gut, aber der Italiener zieht sich ja ganz anders an, und deshalb will ich seine Nudeln nicht.« Sie verstehen?

Wenn man mal von solch interkulturellen Verwicklungen absieht (was natürlich leichtsinnig ist heutzutage, aber manchmal muss man das tun für die Methodik), dann bleibt als Tatsache übrig, dass unmodische und schlecht angezogene Mitmenschen es bei uns nicht immer leicht haben. Sie werden in den schicken Cafés oft nicht bedient, sie verdienen weniger Geld, und es fällt ihnen schwer, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Auch ich schaue dann lieber weg. Aber nachts liege ich manchmal wach und frage mich, was ich vielleicht tun könnte, um diesen Menschen zu helfen. Eine mögliche Idee wäre eine Notruf- Hotline für Unmodische. Dort kann man anrufen, wenn man sich zum Beispiel ganz in Grün gekleidet hat oder wenn man eine Neigung zu Motivsocken hat. Ich gebe dann Rat und Trost. Denn der Sonne gleich sorgt auch das Supatopcheckerbunny für die modisch Behinderten!

Was sich das Hilfscheckerbunny zum Thema "Mode & Fashion" überlegt hat

Fashion oder »Mode« ist ein Thema, das alle Lebewesen auf der Erde etwas angeht! Denn zyklisch – also immer wiederkehrend wie die Jahreszeiten –, so wechseln wir Erdenwesen unseren Style. Und zwar alle! Nicht nur wir Menschen, sondern auch die Tiere und Bäume! Denkt an den Fuchs, der im Winter einen anderen Pelz trägt als in der Sommersaison zuvor. Denkt nur an die Kastanie, die auf die Üppigkeit des Sommers einen provozierend kargen »Nude Look« folgen lässt! Fashion ist eins der Hauptthemen unserer Existenz, weshalb sich auch berühmte Philosophen und Vordenker täglich damit auseinandersetzen. So schreibt René Descartes: »Eigentlich bin ich Versace-Fan, doch Ralph Lauren entwirft sehr sexy Klassiker.« Descartes will uns damit etwas Wichtiges mitteilen – und zwar, dass er ein hilfloser Intellektueller ist, der voll keine Ahnung von Mode hat! Schade eigentlich. Denn das müsste nun wirklich nicht sein.

Descartes könnte mich, das Hilfscheckerbunny, doch auch ganz einfach fragen, wie das geht mit der Mode. Und ich würde ihm dann sagen: »Descartes, altes Haus, öffne doch einfach mal die Tür deiner Studierstube und spaziere nach draußen zum nächsten Kiosk. Dort kaufe dir ein paar Magazine, studiere sie und arbeite die wesentlichen Thesen heraus. Wenn du das alles getan hast, dann wirst du das Geheimnis kennen.« Genauso mache ich, das Hilfscheckerbunny, das nämlich auch! Letzte Woche zum Beispiel habe ich mir In Touch, Elle, Haper’s Bazaar, Vogue und Gala gekauft, insgesamt für den Gegenwert von ungefähr 24 Reclamheften. Außerdem habe ich den »Bread & Butter«-Katalog studiert, der war gratis. Folgende Thesen habe ich dabei exzerpiert: »Leo – ein Katzenprint setzt Akzente. Dekorativ auf Fell, Wolle und Seide. Hot mit Rot oder Schwarz!« – »Coole Kopfbedeckungen sind diesen Winter echte Provokateure. Je individueller, desto besser!« – »Hose über Hose. Lässige Bermudas über eine schmale Hose ziehen. Fertig ist der angesagte Lagenlook.« – »Voluminöse Silhouetten sind jetzt der Inbegriff von cool!«

»Black Beauty, die Rockergöre, die fiktionale Muse von Chefdesigner Ennio Capasa ist erwachsen geworden und trägt nun toughsexy Kostüme.« – »Mysteriös sexy: Mit dem richtigen Feeling getragen ist der Gothic Look very now!« – »Hätte Demin politische Macht, gäbe es keine Kriege, denn der blaue Stoff überbrückt historische, gesellschaftliche und kulturelle Diskrepanzen. So, liebe Leser, IHR wisst nun, was wichtig ist in der nächsten Saison. Ich wünsche euch viel Spaß beim Shoppen, bleibt gut angezogen und grüßt Descartes von mir, wenn ihr ihn beim Modekaufen seht. Vermutlich bei H & M.

Was sich unsere Modeexpertin Kathrin Passig zum Thema überlegt hat

Ausstieg aus der Mode Ich heiße Kathrin, und ich hatte ein Modeproblem. Aber man kann mit der Mode aufhören. Man muss es nur wirklich wollen. Und man muss ganz unten angekommen sein, also bei Leggins oder als Mann bei Lederetuis am Gürtel, in denen das Handy oder in schlimmen Fällen ein Leatherman-Tool aufbewahrt wird.

Wenn es mal so weit gekommen ist, führt der erfolgversprechendste Weg zurück in ein normales Leben über ein Zwölf-Schritte-Programm. Zwölf-Schritte-Programme wurden ursprünglich von den Anonymen Alkoholikern entwickelt, eignen sich aber auch zur Bekämpfung von anderen Drogen- und Modeproblemen; ich habe das Verfahren für unsere Zwecke auf die vier wichtigsten Schritte reduziert, weil Modeopfer häufig unter einer extrem verkürzten Aufmerksamkeitsspanne leiden. Der erste Schritt ist die Selbsterkenntnis: Wir geben zu, dass wir der Mode hilflos gegenüberstehen und unseren Umgang mit Mode und Fashion nicht mehr in den Griff kriegen. Ein Anzeichen für Therapiebedarf kann zum Beispiel sein, dass man bei eBay Kleidungsstücke mit Sätzen bewirbt wie: »Würde mich freuen, wenn die Jacke in moderne Hände fällt, bitte ordentlich bieten.« Oder: »Eleganz genügt nicht, sie muss gepflegt werden. Dieses Samoon-Shirt von Gerry Weber erzeugt das Nonplusultra an Sinnesreizen, mit diesem Teil findest du Verständnis ohne Worte.« Dann ist es höchste Zeit sich einzugestehen, dass man ein Problem mit der Mode hat und dass es so nicht weitergehen kann. Der zweite Schritt ist eine gründliche und furchtlose Inventur des Kleiderschranks. Wir gestehen Gott, uns selbst und anderen Menschen die genaue Art unserer modischen Verfehlungen ein und bitten öffentlich um Verzeihung für die Schuld, die wir auf uns geladen haben.

Ich sage mal, nur um das Prinzip zu demonstrieren, dass ich in den Achtzigerjahren mit einem schwarzen Edding Frauenzeichen in alle meine Unterhosen gemalt habe, meine Fingernägel mit Tipp-Ex für Ökopapier grau lackiert hatte und jahrelang eine Vokuhilafrisur getragen habe, die hinten mit Henna gefärbt war. Es tut mir leid, und ich möchte mich bei allen Anwesenden stellvertretend entschuldigen. Aber es ist keiner frei von Schuld, zum Beispiel habe ich von FIL erfahren, dass er zur gleichen Zeit eine selbstverfärbende Brille hatte, die manchmal ganz durchsichtig war, manchmal ganz schwarz, aber die meiste Zeit schmutzig gelbbraune Gläser hatte, sodass man aussah wie ein kranker Sittenstrolch. Und auch FIL konnte geheilt werden.

Der Stand der Wissenschaft ist ja heute, dass solche Modeprobleme nicht einfach aus Willensschwäche oder kindlichen Traumata resultieren, sondern dass vermutlich neurologische Ausfälle wie etwa eine Hosenwahrnehmungsstörung zugrunde liegen. Ähnlich wie Magersüchtige oft ihren Körper im Spiegel betrachten und sich denken: »Boah, wer ist denn die fette Sau?«, denkt man sich bei einer Hosenwahrnehmungsstörung zum Beispiel beim Anblick schlimmer Stretchjeans: »Hey, endlich eine Hose, die perfekt passt!« Daher kann das Therapieziel natürlich nicht sein, völlig von der Mode loszukommen; angestrebt wird vielmehr ein normaler Umgang mit Modefragen. Begleitende Übungen können sein, zum Beispiel mal ein Longsleeve-Shirt über einem T-Shirt zu tragen oder in einer Lesung zum Thema Mode aufzutreten, obwohl man davon gar keine Ahnung hat.

Im nächsten Schritt bemühen wir uns um aktive Wiedergutmachung. Comicfigurensocken dürfen nicht in die Kleiderspende, wo sie die armen Kinder in der dritten Welt womöglich noch tragen müssen. In die Kleiderspende kommen stattdessen zur Buße nur ausgesuchte Adidasjacken aus der aktuellen Kollektion und Sneakers von diesem Jahr und nicht unter 250 Euro pro Paar. Im vierten und letzten Schritt versucht man, die Botschaft an andere weiterzugeben. Und wenn einem das gelingt, ohne dabei allzu viele krasse Modewörter zu featuren, dann ist die Krankheit oberamtlich geheilomat!

Modekanon

Dieser Modekanon gilt für alle Menschen und für alle Zeiten:

Wenn man den Achtzigerjahre-Schlampen-Look anstrebt, sollte man bedenken, dass man hinterher aussieht wie eine Achtzigerjahre-Schlampe.

Bärte gefallen nicht jedem.

Eskimos haben zwei Millionen Worte für Schnee, aber keines für »out«.

  • Nicht mit Stöckelschuhen auf die Notrutsche!
  • Wenn was modisch ist, soll man es sich gleich kaufen, weil es
  • wird nicht ewig modisch bleiben.
  • Für Frisuren gilt wie für Handtaschen: Je nichtvorhandener,
  • desto besser.
  • Keinesfalls darf man irgendwas in was anderes stecken (Pulli
  • in Hose, Hose in Stiefel, Ohren unters Toupet).
  • Metrosexuell ist keine Entschuldigung.
  • Uncool sein ist so cool, dass es schon wieder uncool ist.
  • Angezogene Herren sollten schwarze Socken tragen, ausgezogene
  • dagegen weiße (wenn überhaupt).
  • Es ist in der Kunstgeschichte immer ein Zeichen von Krise
  • und Verfall, wenn die Übergänge nicht gekennzeichnet sind. Daher zeige man zwischen Hemd und Hose einen kleinen Speckwulst.
  • Erst die Hose anziehen, dann die Socken. Beim Ausziehen
  • umgekehrt.
  • Wenn man gar keine Ahnung hat und trotzdem modisch
  • geklei det sein will, kann man jemanden im Bekanntenkreis
  • suchen, der Geschmack hat. Dann geht man mit ihm
  • schwimmen und stiehlt ihm die Kleider.
  • Das Camouflagemuster ist das Burberrykaro von
  • Berlin-Mitte.
  • Nicht mit nassen Haaren einschlafen.
  • Konrad Adenauer hat sich nie für Mode interessiert und war
  • trotzdem Bundeskanzler.
  • Modefarbe Braun gilt nicht für die Zähne.
  • Mode ist gar nicht so wichtig, Hauptsache, man zieht sich
  • anständig an.
  • Keine Mode ist auch eine Mode.
  • Du sollst dir Quasten machen an den vier Zipfeln deines
  • Mantels, mit dem du dich bedeckest.
  • Das Gegenteil von metrosexuell ist René Weller.
  • Die Kleidung wird geschont, wenn man sie vor dem Onanieren
  • ablegt.
  • Glatzenrasieren ist verboten, wenn man was in den Medien
  • macht. Außer aus politischen Gründen.
  • Eigentlich ist es egal, was man im Darkroom an hat.
  • Wollmützen zieht man im Winter an, wenn es kalt ist. Für
  • Drinnen tragen einfach so gibt es keine Entschuldigung.
  • Unmodische Krawatten kann man immer noch im Bett
  • tragen, wenn man allein ist und das Licht ist aus.
  • Alles ist out.

Ulrike Sterblich/Stese Wagner Supatopcheckerbunny und Hilfscheckerbunny: Was wir uns überlegt haben zu verschiedenen Themen! 224 Seiten, 9.95 EUR Broschur, Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 978-3-596-17651-9

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