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"Dicke Freunde": Raether trifft Bartels zum Männertalk


BRIGITTE-Musikredakteur Stephan Bartels hat einen witzigen und romantischen Liebesroman übers Abnehmen, Scheitern und die Suche nach dem Glück geschrieben: "Dicke Freunde". Deshalb haben wir seinen dicken Freund, BRIGITTE-Autor Till Raether, gebeten, Bartels für uns zu interviewen. Ein Gespräch über Männerfreundschaft, nächtliche Vorlieben und Gemüsesuppe.

Till Raether: Es ist ungefähr zehn Jahre her, dass du mir zum ersten Mal von "Dicke Freunde" erzählt hast. Warum hat es so lange gedauert, bis du das Buch endlich geschrieben hast?

Stephan Bartels: Wenn es man nur zehn Jahre wären. Diese Geschichte hatte ich seit etwa 2001 im Kopf, und es hat sich sogar schon damals ein Verlag dafür interessiert. Dass es so lange gedauert hat, bis das Buch endlich fertig wurde, hat damit zu tun, dass zwei Bücher dazwischen gekommen sind - und mit einer, sagen wir mal: Persönlichkeitsstörung meinerseits.

Wie sieht die aus?

Ich mache eigentlich nichts, wenn ich nicht muss. Das wollte ich damals durchbrechen, ich hatte den Ehrgeiz, erst das Buch zu schreiben und dann einen Vertrag dafür abzuschließen. Blöde Idee, ehrlich gesagt. Heute weiß ich es besser: Gebt mir einen Vertrag, gebt mir einen Abgabetermin, den ich überziehen kann, und die Sache läuft.

Im Kern ist das ein Buch über eine Männerfreundschaft, oder?

Stimmt.

Sind Männerfreundschaften wirklich so schlimm, wie einem immer erzählt wird?

Ist doch Quatsch. Männerfreundschaften sind anders als die von Frauen. Vielleicht weniger offen emotional, vielleicht weniger wortreich, aber dafür können sie trotzdem in die Tiefe gehen. Ist doch bei uns beiden auch so. Und bei Simon und Hotte wächst da auch was Gutes und Wertvolles heran, das als Schicksalsgemeinschaft beginnt.

Wie viel Simon Havlicek, der Hauptfigur von "Dicke Freunde", steckt in dir?

Deine alte Freundin Elke Heidenreich hat mal zu mir gesagt: Wenn man sich Geschichten ausdenkt, ist das eigene Leben immer der Steinbruch, aus dem man sich bedient. So gesehen steckt nicht nur etwas von mir in Simon, etwa seine Vorliebe für Filme, Musik und Fußball oder seine Gutmütigkeit. Auch Hotte, bei dem Simon einzieht, nachdem seine Freundin fremdgegangen ist, hat was von mir. Das Phlegma, die Gemütlichkeit und so.

Was mir an "Dicke Freunde" besonders gut gefällt, ist das Setting: Hamburg im Jahr 1999, mit der Musik, den Filmen und den riesigen Handys jener Zeit. Was verbindest du mit dieser Epoche und warum fasziniert sie dich so?

Offen gestanden gibt es Jahre, die mich deutlich mehr umhauen. Dass das Buch zu jener Zeit spielt, liegt an zwei anderen Prämissen. Zum einen habe ich ein Faible für den Prager Frühling, für mich war immer klar, dass Simon 1968 in Prag gezeugt wird. Und die Geschichte sollte an seinem 30. Geburtstag beginnen - nicht nur für Männer ein einschneidender Tag. Aber ich habe dann gemerkt, wie nah 1999 noch ist. Und doch schon sagenhaft vergangen. "Notting Hill", "Mambo No. 5", Littleton und Bayerns legendäre Niederlage gegen Manchester in der Champions League - kommt einem vor wie neulich, ist aber alles schon 15 Jahre her. Irre.

Um mal kurz literaturwissenschaftlich zu werden: Ein wichtiges Thema des Gegenwartsromans ist ja die Abwesenheit, und auch "Dicke Freunde" handelt in ersten Linie von Dingen, die fehlen: Liebe, Sex, Essen, Väter und Fußball. Wahr oder falsch?

Ach, das ist ein Merkmal für Gegenwartsliteratur? Und galt das nicht für jede Gegenwart? Ich meine, denk mal an Odysseus oder Goethes Werther oder, hey, Hamlet! Was da nicht alles gefehlt hat! Ich will ja nicht zu viel verraten, aber in meinem Buch wird der ein oder andere Mangel handfest behoben. Was macht das mit dem Buch? Wird es dadurch total retro?

Ab und zu fahren wir beide gemeinsam zum Schreiben weg für ein paar Tage. Darf ich an dieser Stelle mal fragen, was du eigentlich immer so hinter deiner Ferienwohnungsschlafzimmertür machst, während ich am Esstisch im Internet surfe?

Schlafen. Wir haben einfach unterschiedliche Tagesrhythmen: Du stehst früh auf und gehst früh ins Bett, ich schreibe dafür lieber nachts. Oder spiele "FIFA 14" auf dem iPad, in das du mich auf einer unserer Schreibreisen in Flensburg reingequatscht hast.

Was ist der ideale Snack, den man bei der Lektüre von "Dicke Freunde" essen sollte, und wie bereitet man ihn zu?

Jetzt im Sommer: Gazpacho, die kalte spanische Gemüsesuppe. Die geht so: Passierte Tomaten mit Gurke, Paprika, Knoblauch und eingeweichtem Weißbrot pürieren. Eine Chilischote, Paprikapulver, Kreuzkümmel und einen Schuss Olivenöl reinrühren, Pfeffer und Salz drüber, fertig. Lecker und kalorienarm und irgendwie irre global.

Geht's eigentlich weiter mit Simon Havlicek und seinem Freund Hotte?

Oja. Die Jungs sind als Trilogie angedacht, schon im nächsten Jahr gibt es Nachschlag. Beziehungsweise im Jahr 2008, da spielt das nächste Buch, das im Frühjahr 2015 erscheint. Und Abnehmen wird keine Rolle mehr spielen.

Sondern?

Sagen wir mal: Es wird eine Art lustiger Pflegeversicherungskrimi. Der erste seiner Art, wenn ich mich nicht irre.

Der Roman "Dicke Freunde"

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Simon Havlicek erwischt seine Freundin Katja beim Fremdgehen - an seinem 30. Geburtstag. Die allerdings schiebt ihren Fehltritt ihm in die Schuhe: Er sei so irre dick geworden, sei das nicht der viel größere Betrug - an ihr? Der verletzte Mann zieht aus, umständehalber zu einem Kollegen, den er kaum kennt. Und dieser Hotte ist noch deutlich dicker als Simon ... Gemeinsam reißen sich die Jungs zusammen und beginnen eine Odyssee durch den Diätendschungel. Es ist also eine Geschichte über Gewichtszunahme und Verlust, über Liebe und Herzscheiße, über Männerfreundschaft und Fastenwandern und über das, was man gewinnt, wenn man verliert. Und es enthält echt praktische Ratschläge. Zum Beispiel: Fangt nie eine Ananas-Diät an. Nie! (352 S., 9,99 Euro, Heyne)


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