Bücherherbst: Das sind unsere Favoriten!

Sechs starke Bücher von sechs tollen Frauen: Hier kommen unsere Favoriten für den Bücherherbst - und für lange Leseabende auf dem Sofa.

Margaret Mazzantini: "Das schönste Wort der Welt"

Der vielversprechende Titel dieses Romans macht neugierig. Und dann auch noch das Cover: Als würde man in einen geheimnisvollen Traum abtauchen, in dem sich alles um ein Kind dreht. So ist es auch in dem Roman von Margaret Mazzantini, der von Gemma erzählt, die sich nichts mehr wünscht als ein Kind. Immer wieder wird sie schwanger von ihrer großen Liebe, dem Fotografen Diego, immer wieder verliert sie das Baby. Bis sie 1992 in Sarajevo, während die ersten Bomben fallen, den von beiden so sehnlich erwarteten Sohn zur Welt bringt. Wie der Krieg, den Diego nicht überleben wird, und diese Geburt miteinander verknüpft sind, davon erzählt Margaret Mazzantini in ihrem Roman. Sie selbst hat vier Kinder mit ihrer großen Liebe, Schauspieler und Regisseur Sergio Castellitto (ihnen allen ist der Roman gewidmet). In Italien sind die Bestseller-Autorin irisch-italienischer Abstammung und Castellitto ein richtiges Promi-Paar. Er hat den Roman seiner Frau gerade mit Penélope Cruz verfilmt. Um welches Wort es sich handelt? Das wollen wir hier nicht verraten. (Ü: Karin Krieger, 800 S., 22,99 Euro, Dumont)

Daniela Krien: "Irgendwann werden wir uns alles erzählen"

Was für ein Romandebüt! Und welch ein Glück, dass die Autorin diesen Roman nicht - wie früher ihre Gedichte und Tagebücher - vernichtet hat. Daniela Krien, eine zarte 36-Jährige, ist in einem Kaff im sächsischen Vogtland aufgewachsen. Und beschreibt in ihrem sprachgewaltigen Roman eine archaische Dorfwelt; eine Welt, in der Liebe und Gewalt, Sehnsucht und Kampf untrennbar miteinander verwoben sind. Schauplatz ist ein Dorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die gerade gefallen ist. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Ich-Erzählerin Maria flieht aus ihrem kaputten Elternhaus zu ihrem Freund. Dessen Familie, strenge und konservative Bauern, nehmen das verträumte Mädchen auf. Sie weigert sich, zur Schule zu gehen, hängt lieber ihren Träumen nach. Das Leben der 16-Jährigen nimmt eine Wende, als sie dem 24 Jahre älteren Henner vom Nachbarhof begegnet. Der Außenseiter, charismatisch und zugleich voll Wut, zieht das Mädchen in seinen Bann - und in einen Abgrund. Fast körperlich vermeint man die Sinnlichkeit zu spüren, die Daniela Krien mit einfacher und gefühlsnaher Sprache heraufbeschwört. Eine Liebesgeschichte von ungeheuerlicher Intensität, die auch noch ganz nebenbei das Ende der DDR miterzählt. (240 S., 18 Euro, Graf, erscheint am 16.9.)

Kate Atkinson: "Das vergessene Kind"

Wer diesen Roman liest, bekommt gleich drei in einem: einen mörderspannenden Krimi, eine Familientragödie und eine beißend komische Sitcom. Die britische Autorin Kate Atkinson managt ihre zahlreichen Figuren und Handlungsstränge souverän und bringt alles zu einem Ende, das uns hoffen lässt - auf ein bisschen Glück für Privatdetektiv Jackson Brodie, der die Liebe so sehr verdient hätte. Wer noch nicht das Vergnügen hatte, sich in den drei Vorgänger-Romanen in Atkinsons Privatdetektiv zu verlieben, den erwischt es jetzt. Dreckig ging's ihm immer, und sein Humor wurde immer düsterer, aber hier kommt Brodie erst richtig auf den Hund: Er rettet einen Vierbeiner. Und fast gleichzeitig entführt Ex-Polizistin Tracy eine misshandelte Vierjährige. Dass Brodie noch nicht mal merkt, dass sie mit dem Kind in seinem Auto (das sie ihm kurz darauf klaut!) Schutz sucht, spricht nicht gerade für seine Schnüfflernase. Schließlich ist er auf der Suche nach genau dieser Frau. Nicht wegen Courtney, sondern wegen eines anderen Kindes, das bereits 1975 verschwunden ist... (Ü: Anette Grube, 464 S., 19,99 Euro, Droemer, erscheint am 12.9.)

Lilly Lindner: "Splitterfasernackt"

Lilly Lindner ist 25 Jahre alt, eine zarte Frau mit schönen dunklen Augen. Nichts deutet darauf hin, dass im Innern dieser Frau die Hölle tobt. Eine Hölle, die sie in ihrem autobiografischen Buch "Splitterfasernackt" in starke Worte gefasst hat. Lillys Kindheit endet, als sie sechs Jahre alt ist. Ein Nachbar vergewaltigt sie, immer wieder. Und Lilly schweigt. Sie zieht sich zurück, tief traumatisiert. Ihre Eltern verstehen sie nicht, das schwierige Kind geht ihnen auf die Nerven. Lilly fängt an zu hungern und sich Muster in den Arm zu ritzen. Als sie 17 ist, wird sie erneut vergewaltigt, mit 20 die Flucht nach vorn: Lilly wird Prostituierte. Sie professionalisiert den Sex, der ihr so viel Angst macht - übernimmt die Kontrolle über ihren Körper. Von nun an bestimmt sie den Preis und die Regeln. "Splitterfasernackt" ist keine leichte Lektüre. Trotzdem werden Sie weiterlesen, gefesselt von der Sprache dieser Frau und ihrem Verstand. Und Sie werden verstehen, was Gewalt anrichtet und warum sie so oft in Schweigen endet. Gut, dass Lilly Lindner ihr Schweigen gebrochen hat. (400 S., 16,99 Euro, Droemer Knaur, erscheint am 12.9.)

Katherine Pancol: "Die gelben Augen der Krokodile"

Sie ist 57 Jahre alt, sieht klasse aus und ist in ihrer Heimat ein Superstar. 1,5 Millionen Mal hat sich Katherine Pancols neuer Roman in Frankreich verkauft. Ein lebensnaher Aschenputtel-Krimi, tröstlich für Frauen, die gerade einen Durchhänger haben. Sie werden vertraute Gefühle entdecken im Clinch zweier Schwestern, attraktiv und oberflächlich die eine, unscheinbar und klug die andere. Die schlaue Josephine schreibt einen Roman, ihre schöne Schwester Iris gibt sich als Autorin aus. Das Buch wird ein Bestseller - und im Leben der beiden Schwestern gerät alles in Bewegung. Lustig und bissig beschreibt die Autorin, wie sich eine graue Maus in eine selbstbewusste Frau verwandelt und wie deren erfolgsverwöhnte Schwester ins Trudeln gerät. Und wie beide von Fremdgängern, Traummännern, pubertierenden Monstern und verrückten Freundinnen auf Trab gehalten werden. Der Roman erzählt, leicht wie ein französischer Film, von Liebe und Verrat, Erfolg und Neid, von Ängsten und deren Überwindung. Und warum man sich besser von Krokodilen fernhalten sollte. (Ü: Nathalie Lemmens, 608 S., 22,99 Euro, C. Bertelsmann, erscheint am 12.9.)

Nino Haratischwili: "Mein sanfter Zwilling"

Mit sechs stürmte sie bei einem Casting weinend davon. Die Rolle des Rotkäppchens bekam Nino Haratischwili, geboren 1983 in Georgien, damals nicht, aber seitdem läuft sie auf der Siegergeraden: Mit zwölf verließ sie ihre Heimatstadt Tiflis, heute ist sie eine preisgekrönte Theaterregisseurin und Dramatikerin, 14 (!) ihrer Stücke wurden auf deutschen Bühnen gezeigt. Ihr Romandebüt "Juja" war für die Longlist des Deutschen Buchpreises, die Shortlist des Aspekte-Literaturpreises und die Hotlist der unabhängigen Verlage nominiert. Nur ein Jahr später kommt jetzt ihr neuer Roman und ist noch besser: "Mein sanfter Zwilling" ist die Geschichte von Stella und Ivo, die seit ihrer Kindheit durch einen Schicksalsschlag untrennbar verbunden sind. Sie lieben und sie hassen sich, sind Seelenverwandte, deren Welt nicht heil ist und sie nicht zueinanderkommen lässt. Ein Liebes- und Familiendrama, das viele Jahre zuvor seinen Anfang nahm, als Stellas Vater eine leidenschaftliche Affäre mit Ivos Mutter hatte - und sein Vater plötzlich nach Hause kam. (380 S., 22,90 Euro, Frankfurter Verlagsanstalt)

Foto: Corbis

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