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Unsere Leserinnen über den neuen Hammesfahr-Krimi


Drei Jahre mussten wir auf einen neuen Roman von Petra Hammesfahr warten. Jetzt ist er da. Fünf unserer Userinnen durften den Krimi schon vorab lesen und für uns rezensieren.
Petra Hammesfahr, Erinnerung an einen Mörder, Wunderlich, 496 S., 19.90 Euro
Petra Hammesfahr, Erinnerung an einen Mörder, Wunderlich, 496 S., 19.90 Euro
© Hergen Schimpf

"Erinnerung an einen Mörder" heißt der neue Krimi von Petra Hammesfahr, der am 1. August erscheint. 200 BRIGITTE.de-Leserinnen wollten schon vorab wissen, warum Protagonist Felix panische Angst vor seiner Mutter hat und eines Tages mit einem Messer im Hals aufgefunden wird. Fünf Leserinnen hatten das Glück, den Roman exklusiv vorab lesen zu dürfen und für BRIGITTE.de eine Rezension zu verfassen. Wie ihnen der Roman gefallen hat, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

Die BRIGITTE.de-Community hat abgestimmt: 43 Prozent der Userinnen hat Monika Nabbefelds Rezension "Blutige Familientragödie" am besten gefallen! Auf den Plätzen zwei und drei landeten Karina Szwede und Stefanie Leifeld.

Rezension von Leserin Stefanie Leifeld: Der Vater

Das neue Buch "Erinnerung an einen Mörder" von Petra Hammesfahr beginnt in der Vergangenheit, in der Kindheit von Felix Meller. Felix wird als Achtjähriger blutüberströmt und mit einer Stichwunde im Hals von einer fremden Frau aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht. Um diesen Tag, an dem das passiert ist, dreht sich das ganze Buch. Wie sich herausstellt, ist Felix der einzige Überlebende seiner Familie, die grausam hingemetzelt wurde.

Felix wird von seiner Tante und seinem Onkel liebevoll aufgenommen. Sie ermöglichen ihm ein Leben in Wohlstand und versuchen alles Unangenehme von ihm abzuwenden. Das tut Felix erstmal sehr gut, da er von seiner leiblichen Mutter oft misshandelt und überfordert wurde, wogegen sein leiblicher Vater machtlos war. Immer wieder neue Personen aus dem näheren Umfeld, wie Familie, Freunde, Kollegen werden näher beschrieben und nach und nach immer mehr in die Geschichte involviert. Mit jeder neu beleuchteten Person und jeder neu erzählten Zeitepoche wird der Leser wieder verunsichert, was den Täter und das Motiv angeht, bis ganz zum Schluss, als Felix dann aber schon erwachsen ist, alle Fäden bei einer Person zusammenlaufen.

Ich habe dieses Buch in meinem verregneten Urlaub gelesen und irgendwie passte es meiner Meinung nach auch ganz gut dazu. Es kam nie so richtig Spannung auf, aber trotzdem will man wissen, wie es ausgeht. Aber der Sonnenschein fehlte einfach! Eindeutig nicht der beste Hammesfahr. Stefanie Leifeld

Mein Lieblingssatz: Vor dem Einschlafen hatte ich mir ab sofort zu suggerieren:"Ich bin ein liebenswerter Mensch, und es gibt viele Menschen, die mich lieben oder mögen." Dann hatte ich diese Menschen in Gedanken aufzusuchen und etwas Schönes mit Ihnen zu unternehmen, bis ich einschlief.

Rezension von Leserin Karina Szwede: Katz-und-Maus-Spiel

Petra Hammesfahr gelingt es, mit dem Leser Katz und Maus zu spielen - bis zu einem zu sehr an "Tatort" erinnernden Show-Down. Das subtile Spiel beginnt bereits mit dem Titel. Wer erinnert sich an was oder wen? Ist Felix, der Glückliche, ein Opfer oder ein Täter? Er ist der einzige Überlebende nicht nur eines Mordes, sondern einer zerstörerischen Familie. Dummerweise kann er sich nicht an den Mord an sich erinnern, das macht ihn zum Opfer der beginnenden Manipulation in seinem Umfeld, so wie auch die Autorin den Leser manipuliert.

Erst Felix' Aufenthalt im Internat mit skurrilen Zimmergenossen lässt seine Erinnerungen langsam wieder aufleben. Was er jedoch nie vergisst, ist seine Kindheit. In grausamer Genauigkeit wird ein fatales Familiengefüge dargestellt. Die Grausamkeiten, die den Kindern dieser Familie angetan werden und das von Mutter und Großmutter, aber auch indirekt durch den vergötterten Vater, führen den Leser an die Grenze des Erträglichen. Angesichts aktueller Fälle wie Kevin oder Lea-Sophie ist man sich bewusst, dass es hier nicht nur Fiktion sein kann und man wird gezwungen, Einblick zu nehmen. Gezwungen ist man, denn man will erfahren, wie es Felix ergeht, an was er sich erinnert und vor allen Dingen, was aus ihm wird. Dieses Buch ist mehr als ein Krimi, es bietet auch eine eindringliche Milieustudie. Etwas enttäuschend ist das Ende: Dieses exzellente Spiel hätte einen raffinierteren Ausgang verdient. Karina Szwede

Rezension von Leserin Barbara Ritterbach: Blutige Erinnerung

Spannend, psychologisch und grausig, so habe ich mir das neue Buch von Petra Hammesfahr vorgestellt. Ich wurde nicht enttäuscht: "Erinnerung an einen Mörder" schildert rückblickend eine Familiengeschichte, die auf bestialische Weise endet. Dieses Ende hat Felix als Kind erlebt und verdrängt, sein Vater soll der Mörder der ganzen Familie sein.

Zunächst wird jedoch die Familiengeschichte aufgerollt, der ergebene, einfache Vater, die schreckliche Großmutter und die schlaue, jedoch ihre Kinder vernachlässigende Mutter, bei der ich als Mutter ganz schön schlucken musste. Felix wächst nach dem Verlust seiner Familie im Internat auf, umsorgt von seiner liebenden Tante und dem karrierebewußten Onkel. Nach und nach erinnert sich Felix rückblickend an einzelne Fetzen der blutigen Tat, bis sich die ganze familiäre Geschichte nach unerwarteten Wendungen auflöst. Doch auch Felix ist nicht zu trauen, er zeigt sich unberechenbar, vielleicht auch psychopathisch ...

Ein Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe und das mich an einem schönen Sommertag gebannt auf der Liege verharren ließ. Barbara Ritterbach

Meine Lieblingsstelle: "Aber er liebte sie, da bin ich heute noch sicher. Vielleicht hatte er sie nicht vom ersten Tag an geliebt. Später dagegen kämpfte er um ihre Liebe und seine Ehe. Ich habe so oft gehört und gesehen, wie er sich bemühte. Manchmal brachte er ihr Blumen mit. Es waren immer die falschen."

Rezension von Leserin Marlies Zerban: Dieses Leben - ein Albtraum

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Der knapp neunjährige Sohn einer jungen Familie wird Zeuge eines Blutgemetzels, bei dem die ganze Familie - Mutter, seine zwei jüngeren Schwestern und der Vater - zu Tode kommt. Wer war der Täter und warum? Diese Frage zieht sich durch den ganzen Roman bis zum Schluss.

Dieser brutalen Tat geht ein unglückliches und brutales Familienleben voraus. Eine kurze Beziehung zwischen zwei jungen Menschen führt zu einer ungewollten Schwangerschaft, darauf die Hochzeit, zwei weitere Kinder, sozialer Abstieg, bevor überhaupt ein Aufstieg möglich war. Zusammenleben mit der Schwiegermutter - dem Giftzahn. Quälerei und Brutalität durch die Mutter und die Großmutter, dies hält den Leser von Anfang an in Atem.

Petra Hammesfahr erzählt aus Sicht des überlebenden Sohnes, der nach außen hin nach der Bluttat ein bürgerliches Leben führen kann - dank der Tante und dem Onkel, die ihn zunächst in einer Pflegefamilie unterbringen, wo er für kurze Zeit so etwas wie Liebe und Zuneigung erfährt. Er wird auch von Tante und Onkel adoptiert und in ein abgelegenes Internat gesteckt. Er versucht, die Kindheit zu verdrängen, in seinen Träumen kommt die Familie aber immer wieder zu ihm. Nach und nach arbeitet er die Geschichte auf... Marlies Zerban

Mein Lieblingssatz "Die Träume kamen in einen Briefumschlag, der zugeklebt wurde. Damit waren sie gefangen und konnten mich nicht mehr heimsuchen, sollten das jedenfalls nicht mehr." (Seite 100)

Wofür eignet sich das Buch: Für ein langes Wochenende, an dem man abschalten will und sich ganz diesem Psychothriller hingeben kann.

Rezension von Leserin Monika Nabbefeld: Blutige Familientragödie

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Charlotte Meller ist 17, als sie Thorsten Täuber, einen Lebemann, stets gut angezogen und charmant zur Damenwelt, in einer Disco kennen lernt und ihn kurze Zeit später standesamtlich heiratet - hochschwanger. Leider sind nicht alle von Thorsten so begeistert wie Lotti. Immer wieder muss sie sich von Oma Täuber vorwerfen lassen, den "falschen" Mann geheiratet zu haben. Weil Charlotte nicht zur Miete wohnen möchte, zieht sie mit Thorsten kurz nach der Heirat in das Haus seiner Eltern. Der Vater ist Finanzbeamter und stolzer Vorsitzender des Kaninchenzüchtervereins. Seine Mutter ist zu Hause und möchte dem jungen Glück unter die Arme greifen. Dass der Einzug in das Haus der Schwiegereltern ein großer Fehler ist, begreift Lotti erst, als es schon zu spät ist. Mit dem Haushalt und später drei kleinen Kindern ist die kluge Lotti, die auch sehr viel Wert auf Status und Aussehen legt, nicht nur eingeschränkt, sondern überfordert. Dies bekommen auch die drei Kinder zu spüren, die regelmäßig von ihrer Mutter Misshandlungen und Beschimpfungen jeglicher Art ertragen müssen. Eines Tages eskaliert die Situation in der Familie, als Felix gerade auf dem Heimweg von der Schule ist. Der Junge wird kurze Zeit später verzweifelt und mit einer Stichverletzung am Hals aufgefunden. Der Rest der Familie ist tot. Nach der Tat wird Felix vorübergehend bei Thorstens Bruder Peter und seiner Frau Birgit untergebracht, später von einer Pflegefamilie adoptiert. Die Vergangenheit läßt Felix nicht ruhen. In Alpträumen versucht er, den Tod seiner Mutter und seiner Schwestern zu verdrängen, aber des gelingt ihm nicht. Als seine Adoptivschwester Franka beginnt, sich nicht zuletzt aus beruflichen Gründen für Felix' Vergangenheit zu interessieren (sie arbeitet für eine Zeitung), eskaliert die Situation ... Monika Nabbefeld

Mein Lieblingssatz: "Peter sagte einmal: Meine Mutter ist ein Giftzahn, den Satan aus seinem Gebiss gezogen und auf die Erde gespuckt hat, damit wir hier einen Vorgeschmack auf die Hölle bekommen." (Seite 10, 1. Kapitel) Der Roman eignet sich besonders für: ...jeden Petra-Hammersfahr-Fan, aber auch für Neueinsteiger. Der Krimi ist von Anfang an sehr spannend geschrieben. Sofort hat man die Familienstruktur vor Augen, in der Felix aufwächst. Besonders der "Giftzahn " hat es mir angetan. Obwohl ich keine typische Krimileserin, hat mich der flüssig geschrieben Roman überzeugt. An Spannung mangelt es in diesem über 400 Seiten starken Krimi bestimmt nicht!


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