User-Rezensionen: "Alles Glück kommt nie" von Anna Gavalda

Vier Userinnen haben exklusiv vorab den neuen Roman von Anna Gavalda "Alles Glück kommt nie" gelesen und für BRIGITTE.de besprochen. Welche Rezension ist die beste? Stimmen Sie ab!

Anna Gavalda, "Alles Glück kommt nie", Ü: Ina Kronenberger, Hanser, 24,90 Euro

Charles Balanda, 47, ist ein erfolgreicher Architekt und glücklich mit seinem Leben. Bis er einen Brief bekommt, in dem nur drei Worte stehen: "Anouk ist tot." Vier BRIGITTE.de-Leserinnen wissen bereits, was diese Nachricht für Charles bedeutet. Sie durften vorab Anna Gavaldas neuen Roman "Alles Glück kommt nie" (ab 5. November im Handel) lesen und rezensieren. Wie ihnen das Buch gefallen hat, erfahren Sie auf den nächsten Seiten. Zu den Rezensionen

Die BRIGITTE.de-Community hat abgestimmt: 43 Prozent der Userinnen hat Susanne Meyers Rezension "Eine Tragikomödie über das Leben" am besten gefallen! Auf Platz 2 landete Ruth Justen, den dritten Platz teilten sich Julia K. Schlüter und Nicole Coerdt.

Très français - Rezension von Leserin Julia K. Schlüter

Julia K. Schlüter

"Anna Gavalda ist für mich "Die wunderbare Welt der Amelie" zum Lesen."

Charles Balanda und die Frage, was wirklich zählt im Leben, sind das Thema von "Alles Glück kommt nie". Er, ein Architekt mit internationalem Erfolg, findet keinen emotionalen Zugang zu seinen Lieben. Zudem steckt er mit Sorgen um Haarausfall und Manneskraft tief in einer Midlife-Crisis. In diese Verunsicherung hinein kommt die Nachricht, dass Anouk, seine Nachbarin, Mutter seines besten Freundes und große Liebe seiner Kindheit, tot ist. Balanda beginnt die Suche nach dem, was ihm wichtig ist. Bewusst bricht er aus seinem konformen "Erwachsenenleben" aus - mit französisch schönen Folgen.

Kitschig oder realistisch? Anna Gavalda ist für mich "Die wunderbare Welt der Amelie" zum Lesen. Charaktere treffen aufeinander, die vom Leben schon einiges mitbekommen haben - und die die Welt mit Leichtigkeit neu und schön machen. Kate, die ihr altes Leben und die Forschung aufgibt, um sich um ihre Nichten und Neffen zu kümmern. Charles, der einen Weg findet, Glück und Arbeit zu verbinden. Und da verlassen wir sie auch wieder: Auf dem Weg in ihre neuen Leben und mit der Gewissheit, dass sie ihren Weg gefunden haben. Und das ist nicht kitschig, sondern einfach schön.

Wofür eignet sich das Buch? Anna Gavalda ist meine Empfehlung für Nachmittage, an denen man sich Zeit stiehlt und sich ausklinken möchte - träumen im Cafe, im Garten oder vor dem Kamin. Und es ist mein Geschenk-Tipp für beste Freundinnen.

Mein Lieblingssatz: "So war es. Was für eine Gabe sie hatte, Dinge auf den Punkt zu bringen, mit einem Etikett zu versehen, wegzusortieren und zu vergessen." (S. 70)

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Die Wunden bleiben, doch alles wird gut - Rezension von Leserin Nicole Coerdt

Nicole Coerdt

"Die Szenen sind lebendig, wir sind dabei, gleichwohl bleibt uns viel Raum für eigene Phantasien - und am Ende ein erfülltes und verträumtes Lächeln. Wie gerne wären wir noch länger geblieben."

Die bunt zusammen gewürfelten Protagonisten aus Anna Gavaldas Vorgängerroman "Zusammen ist man weniger allein", Charaktere mit Spleens und Macken, die trotz oder gerade wegen ihrer eigenen Verwundungen zueinanderfinden, sind uns noch in lebhafter Erinnerung.

In ihrem neuen Roman wirft uns die Autorin in das Leben eines nicht mehr ganz jungen Mannes: Charles, Endvierziger. Wir haben teil an seinen Ambivalenzen und begleiten ihn auf seiner Suche nach einer Person, die er zwischen Bauprojekten, Jetlags und anonymen Hotelzimmern aus den Augen verloren hat. Anna Gavalda erweckt erneut Personen zum Leben, die man nicht anders kann, als in sein Herz zu schließen. Man möchte teilhaben an ihrer Entwicklung, wird auch hier wieder in die Spuren, die das Leben ihnen hinterlassen hat, eingeweiht. Trotzdem: Pathos, Mitleid oder moralisch erhobene Zeigefinger sucht man vergebens.

Die Handlung lässt sich Zeit, wir switchen in Charles' Leben zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Szenen sind lebendig, wir sind dabei, gleichwohl bleibt uns viel Raum für eigene Phantasien - und am Ende ein erfülltes und verträumtes Lächeln. Wie gerne wären wir noch länger geblieben.

Wofür eignet sich der Roman? "Alles Glück kommt nie" ist die perfekte Lektüre für den grauen November.

Mein Lieblingssatz: "Ja, wenn es ein Paradies gibt, wirst du den Laden dort oben ganz schön aufmischen..." (Seite 114)

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Alles ist eine Geschichte – Rezension von Leserin Ruth Justen

Ruth Justen

"Anna Gavalda schreibt in flapsigem Stil und rasantem Tempo einen humorvollen, aber auch zum Nachdenken anregenden Roman."

Was passiert, wenn ein beruflich erfolgreicher, aber in Liebesdingen überforderter Architekt von den Geistern seiner Vergangenheit eingeholt wird? Auf einer Familienfeier erreicht Charles Balanda (47) die Nachricht vom Tod seiner Jugendliebe Anouk. Sein Leben gerät in einen Wirbelsturm. Völlig konfus besucht er Alexis, Anouks Sohn, auf dem Land. Dort lernt Charles die naturverbundene und chaotische Kate kennen, die mit fünf Kindern in einem heruntergekommenen Bauernhaus lebt. Fasziniert von dieser Frau ändert er einiges in seinem Leben.

Anna Gavalda schreibt in flapsigem Stil und rasantem Tempo einen humorvollen, aber auch zum Nachdenken anregenden Roman. Es geht um die großen Lebenslügen, die Ungerechtigkeiten des Lebens, um verpasste Gelegenheiten und die Liebe.

Auch wenn der deutsche Titel eher irritiert und die Übersetzung gelegentlich etwas holprig wirkt, ist dieses leichte, durchaus fesselnde Buch mit mehr als 600 Seiten schnell zu lesen und ganz besonders als Urlaubslektüre für Frankreichreisende geeignet!

Mein Lieblingssatz: "Er fuhr also weg und trug sein Herz fröhlich baumelnd um den Hals. (...) Er ging nicht zum Ball, sondern auf den Friedhof, und sein verkrüppelter kleiner Muskel hing eher in einer Schlinge." (S. 123)

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Eine Tragikomödie über das Leben - Rezension von Leserin Susanne Meyer

Susanne Meyer

"Das Buch ist wunderbar geschrieben, in einer unglaublich bilderreichen, schwelgerischen Sprache."

Charles, ein 47-jähriger Architekt, lebt einen trostlosen Alltag, beruflich ständig übermäßig eingespannt, privat gefangen in einer unglücklichen, langjährigen Beziehung. Er hat eine Stieftochter im Teenageralter, an der er sehr hängt.

Da erhält er einen Brief mit den kurzen Worten "Anouk ist tot", der ihn völlig aus der Bahn wirft. Absender ist sein Kinderfreund Alexis, der für Charles wie ein Bruder war, später aber durch Drogen auf die schiefe Bahn geriet. Alexis und seine Mutter Anouk lebten früher im Nachbarhaus von Charles' Eltern, und hier hat er seine Kindheit und Jugend verbracht, stark geprägt von der unkonventionellen, aber empfindsamen Anouk sowie dem Kindermädchen "Nounou", einem exentrischen, alternden Lebenskünstler. Der Kontakt zwischen den Familien war längst abgebrochen. Charles stürzt in eine schwere Krise. Nachdem er lange in seiner Depression versinkt, sucht er Alexis auf, um die Vergangenheit zu verarbeiten. Bei dieser Gelegenheit verliebt er sich in Kate, die mit zahlreichen Kindern und Tieren auf einem alten Bauernhof lebt und ihm wieder neuen Lebensmut gibt ...

Die ganze Geschichte wird übergangslos in ständigen Zeitsprüngen erzählt. Das liest sich teilweise recht anstrengend und man muss gut aufpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Es geht um die Randfiguren der Gesellschaft, um Einsamkeit und darum, wie schwer und unglücklich das Leben sein kann. Erst im letzten Drittel zeigt sich viel Humor und auch Leichtigkeit, wie man es beispielsweise aus dem Vorgänger "Zusammen ist man weniger allein" kennt.

Das Buch ist wunderbar geschrieben, in einer unglaublich bilderreichen, schwelgerischen Sprache. Man muss es mehrmals lesen, um immer wieder neue Details zu entdecken. Frau Gavalda schafft es auch perfekt, die Gefühle der Menschen auszudrücken.

Ein tolles Buch, auf das man sich aber etwas "einlassen" muss. Es passt perfekt zu einem gemütlichen Leseabend im Lieblingssessel.

Mein Lieblingssatz: "Sag mal. Das mit Kate, ist das was Ernstes?" "Überhaupt nicht. Ich will sie nur heiraten und ihre Kids adoptieren. Und den gesamten Viehbestand noch dazu, wenn ich schon dabei bin. Das Lama nehme ich als Brautjungfer."

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