Wie das Supatopcheckerbunny die Welt sieht

Ob Fashion, TV-Shows oder das Weltall: Mit Adorno am Start und dem Alltagswissen im Anschlag erkunden das Supatopcheckerbunny und das Hilfscheckerbunny in ihrem Buch "Was wir uns überlegt haben zu verschiedenen Themen!" die Phänomene des Alltags.

Lesung: Die Bunnys in Action

Am Anfang war ein Comic über ein altkluges Häschen, das Ulrike Sterblich für die Zeitschrift Titanic verfasste. Dann kamen die Lesungen, sogenannte Bunny Lectures, die "Supatopcheckerbunny" Sterblich mit ihrem "Hilfscheckerbunny" Stese Wagner in einem Berliner Club abhielt.

Am Ende steht ein Buch, das die beiden mit der Hilfe weiterer Experten aus dem Dunstkreis der Berliner "Zentralen Intelligenz Agentur", einem kulturellen Thinktank der alternativen Szene, veröffentlicht haben. Ein Buch, das die Welt zwar nicht neu erklärt, aber lustige Blickwinkel öffnet. Die Bunnys haben für jedes Thema ein paar Worte übrig. Die machen mal mehr und mal weniger Sinn. Auf jeden Fall sind sie sehr unterhaltsam.

Supatopcheckerbunny disst Hilfscheckerbunny

Zunächst gibt das Topcheckerbunny kluge Assoziationen zur Jugend von heute, Musik und Ernährung zum besten, aber auch zu hoch vergeistigten Inhalten wie "Realität und Illusion." Da wird dann auch schon mal Adorno oder die Heisenberg'sche Unschärferelation bemüht. Im Anschluss kommt das Hilfscheckerbunny und sammelt seine Weisheiten aus dem Internet zusammen. Diese werden wiederum vom Topcheckerbunny in absurd-kurzen Fußnoten kommentiert. Die inszenierte Konkurrenz zwischen den Bunnys führt beim Lesen zur Erkenntnis, dass das Hilfscheckerbunny eigentlich viel toller ist.

Wem das zu viel weiblicher Input ist, der wird durch die männliche Stimme der Vernunft, dem "wissenschaftlichen Assistenten" Cornelius entschädigt. Und für Leute, die nicht so gerne reinen Text lesen, gibt es zwischendurch auch noch kleine Häschen-Comics aus der Titanic.

Und in welchem Buch werden im Anschluss an jedes Kapitel schon passende Musiktitel empfohlen? Zudem werden auch noch Kenner aus der Berliner Szene und dem Bekanntenkreis der Bunnys gefragt. Da tauchen als Gastautoren Namen wie Holm Friebe und Kathrin Passig auf. Allein die blau unterlegten Kästen, in denen das Thema in kurzen knackigen Sätzen noch einmal aufbereitet wird- als Slogans, Tipps oder Sprichwörter - wirken teilweise überzogen und peinlich. Zuviel des Guten ist eben doch zu viel.

Anspruch ist alles?!

In den Kapiteln werden komplexe Themen auf Alltagsgröße heruntergebrochen. Gleichzeitig entwickeln scheinbar banale Inhalte wahrhaft philosophische Dimensionen. Das macht den Reiz des Buches aus.

Beim Thema "Musik und Tanz" greift Supatopcheckerbunny auf Adorno zurück und wir lernen vom Hilfscheckerbunny, dass Musik von "New Order!" glücklich und Musik von Grönemeyer unglücklich macht. Die Bunnys bringen es auch fertig, den Bachmann-Preis mit "Deutschland sucht den Superstar für Literaten" gleichzusetzen. Beim Thema Sexualität wird zwischen den Alternativen "zurück zur Zellteilung" und dem Anschaffen einer Katze abgewogen, um den Problemen im Bett zu entgehen.

Aber wenn auf einer Seite Niklas Luhmann und Hans Magnus Enzensberger direkt nacheinander zitiert werden, erinnert das schon eher an Intellektuellen-Gepose als an souveräne Ironie.

Trotzdem, dieses Buch ist vor allem eines: unterhaltsam. Man sollte keine neuen Erkenntnisse erwarten, jedoch darauf gefasst sein, beim Lesen laut zu lachen.

Teilweise sind die Aussagen nicht unbedingt politisch korrekt, wenn etwa "Trostsätze" gespendet werden "für Menschen, die in einer Diktatur leben müssen" oder "neue Sportarten für die Paralympics" erfunden werden. Doch wer lacht schon über politisch Korrektes? Na also.

Am Ende steht die Erkenntnis: "Manche sagen so, und manche sagen so, das kann man gar nicht oft genug betonen, ganz egal bei welchem Thema!"

Die nächste "Bunny-Lecture" findet am Freitag, 25.04. im Berliner Club "nbi" statt.

Leseprobe

Wer schon einmal wissen möchte, was die Bunnys über Mode & Fashion zu sagen haben, bekommt hier eine kostenlose Leseprobe.

Text: Denise Klink Foto: Miriam Ellerbrake Comics: Tex Rubinowitz und Ulrike Sterblich
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