VG-Wort Pixel

Christoph Maria Herbst: Weihnachten will ich bei Mama sein!


Diese Woche kommt der Zweiteiler "Zwei Weihnachtsmänner" im Fernsehen. Darsteller Christoph Maria Herbst verrät uns im Interview, wie er Weihnachten feiert, warum er so gerne mit Bastian Pastewka zusammenarbeitet und was es bedeutet, mit einem Wildschwein in Lappland zu drehen.
Szene aus "Zwei Weihnachtsmänner": Christoph Maria Herbst im Kostümchen
Szene aus "Zwei Weihnachtsmänner": Christoph Maria Herbst im Kostümchen
© Sat.1 SatellitenFernsehen GmbH

In dem Zweiteiler "Zwei Weihnachtsmänner" spielt Christoph Maria Herbst den abgebrühten Wirtschaftsanwalt Tillmann Dilling, dem menschliche Gefühlsregungen zutiefst zuwider sind. Als wir ihn zum Bym.de-Interview in Hamburg trafen, war er aber ganz handzahm, wortgewandt - und wahnsinnig witzig.

BYM.de: Herr Herbst, spielen Sie eigentlich gerne Arschlöcher?

Christoph Maria Herbst: Ich weiß nicht, worauf Sie jetzt anspielen...

BYM.de: Zum Beispiel auf Bernd Stromberg. Oder Tillmann Dilling in ihrem aktuellen Film...

Christoph Maria Herbst: Empfinden Sie Stromberg durchweg als Arschloch?

BYM.de: Nein, ich denke, er hat durchaus seine unsicheren Seiten, die er mit der Arschlochschiene zu überspielen versucht.

Christoph Maria Herbst: Genau. Tillmann Dilling dagegen hat die Rolle des Arschlochs internalisiert. Er ist einfach die fleischgewordene Heuschrecke, der Plattmacher. Ich hätte ihn auch nicht gespielt, wenn wir ihm nicht eine Entwicklung zugestanden hätten, bei der man am Ende sagen kann: "Ach guck mal: Der Herbst kann ja auch Rosamunde Pilcher spielen!". 180 Minuten einfach nur einen kalten Misanthropen zu spielen, unterhält weder den Zuschauer, noch verlangt es mir eine Kurzweil ab. Und ich kann nicht erwarten, dass ich die Leute mit etwas unterhalte, das mich selbst langweilt. Trotzdem: Solange ich Bücher kriege, in denen eher die Arschlochaffinität gefragt ist, die mir aber gefallen, habe ich kein Problem damit, diese Nische zu besetzen.

BYM.de: Wie lange haben die Dreharbeiten zu "Zwei Weihnachtsmänner"gedauert?

Christoph Maria Herbst: Gefühlte 100 Drehtage. Auf meiner Lohnsteuerkarte sind aber glaube ich nur 47 abgerechnet worden. Es war eine lange und intensive Zeit, unter anderem in Lappland, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten. Ursprünglich hatten wir vor, im Erzgebirge zu drehen, wo uns, als wir mit den Dreharbeiten anfingen, noch verschneite Landschaften angekündigt wurden. Die waren dann aber im Endeffekt nicht mehr verschneit, also haben wir uns ganz schnell entschieden, in den inneren Polarkreis umzuziehen. Was jetzt so einfach klingt, war aber natürlich eine logistische Herausforderung, die ihresgleichen sucht, schließlich musste ja auch das über Monate trainierte Wildschwein, das im Film vorkommt, nach Lappland verfrachtet werden. Das war schon eine sehr spannende Zeit da oben, bis hin zu dem kulinarischen Umstand, dass wir uns in der Zeit ausschließlich von Rentierfleisch ernährt haben, was eher so eine mittlere Erfahrung war. Ich hab mich ständig nach dem guten deutschen Schwarzbrot und einem Stückchen Käse gesehnt.

Christoph Maria Herbst: Weihnachten will ich bei Mama sein!

Entspannte Dreharbeiten ganz ohne Profilneurosen

Christoph Maria Herbst: "Vor Bastian Pastewka empfinde ich großen Respekt"
Christoph Maria Herbst: "Vor Bastian Pastewka empfinde ich großen Respekt"
© Christian Hartmann

BYM.de: Mit Bastian Pastewka haben Sie ja schon öfter gedreht, unter anderem auch "Der Wixxer". Ist er einer Ihrer Lieblingskollegen?

Christoph Maria Herbst: Er ist auf jeden Fall einer dieser Kollegen, mit denen ich unheimlich gerne arbeite. Ich empfinde großen Respekt für das, was er tut und hab ihn als sehr sympathischen und humorvollen Menschen kennengelernt. Es war ein so diven- und zickenfreies Arbeiten, ohne irgendwelche Befindlichkeiten und Profilneurosen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich bei einem so langen Drehzeitraum die richtigen Kollegen auszusuchen, denn wenn die Chemie nicht stimmt, kann einem so etwas in kürzester Zeit um die Ohren fliegen.

BYM.de: Wie kam es denn überhaupt zur Zusammenarbeit?

Christoph Maria Herbst: Die Idee haben wir gemeinsam mit dem Regisseur Tobi Baumann gehabt. Dann mussten wir nur noch Tommy Jaud, unseren Drehbuchautor, davon überzeugen. Er hat sich in die Idee verbissen und innerhalb weniger Wochen zwei sehr geile Rohfassungen zusammengekritzelt. Anfangs hatten wir übrigens überlegt, Bastian den abgebrühten Wirtschaftsanwalt spielen zu lassen und mich diesen Nerd Hilmar. Aber das hätte wahrscheinlich nicht gepasst. Da wären wir wieder bei der Arschlochnummer.

BYM.de: "Zwei Weihnachtsmänner" spielt - na klar - zu Weihnachten. Wie feiern Sie denn Weihnachten?

Christoph Maria Herbst: Ganz traditionell. Ich freu mich total, dass es kälter wird, die Tage kürzer werden, und man mehr Tee und Glühwein trinkt. Das endet dann alles in einem sehr familiären und kuscheligen Weihnachtsfest, das ich mit meinen Eltern und Schwestern in einem kleinen, romantischen und sehr liebevoll geführtem Hotel in Nordrhein-Westfalen feiern werde. Da lassen wir dann einfach die anderen den Stress haben und können uns an den gedeckten Tisch setzen und genießen.

>>Christoph Maria Herbst über das perfekte Geschenk, Marzipankartoffeln bei Mama und seine Pläne für 2009

"Ab Dezember sieht man mich nicht mehr in der Fußgängerzone"

Christoph Maria Herbst kann auch nachdenklich sein.
Christoph Maria Herbst kann auch nachdenklich sein.
© Christian Hartmann

BYM.de: Sie gehören also nicht zu den Schauspielern, die sich Weihnachten in Arbeit flüchten?

Christoph Maria Herbst: Um Gottes Willen, nein. Während meiner Theaterlaufbahn habe ich durchaus auch Weihnachten und Silvester auf der Bühne gestanden, schließlich gehen zu dieser Zeit viele Menschen ins Theater. Das hab ich aber nie gemocht. Weihnachten möchte ich schon bei der Mama sein und Marzipankartoffeln und selbstgebackene Lebkuchen essen.

BYM.de: Wann besorgen Sie die Geschenke? Am 24. Dezember?

Christoph Maria Herbst: Nein, bloß nicht! Ich bin in dem Fall äußerst antizyklisch und damit immer sehr gut gefahren. Ich besorge schon einige Wochen vor Weihnachten alle Geschenke. Ab Dezember sieht man mich dann überhaupt nicht mehr in der Fußgängerzone.

BYM.de: Denken Sie sich denn selbst Geschenke aus oder richten Sie sich nach Wünschen?

Christoph Maria Herbst: Ich richte mich auch nach Wünschen, lasse dann aber denjenigen im Glauben, dass sein Geschenk unmöglich zu realisieren sei. Aber ich denke natürlich an den zu Beschenkenden und nicht daran, mir mit dem Geschenk eine Freude zu machen. Wenn sich jemand unbedingt eine bestimmte CD wünscht, ich mit der Musik aber nichts anfangen kann, schenke ich sie ihm natürlich trotzdem.

BYM.de: Wie sind Ihre Pläne für 2009? Sie stehen ja zum Beispiel gerade für "Wickie und die Starken Männer" vor der Kamera.

Christoph Maria Herbst: Genau, das steht an, und ab Anfang Februar drehe ich die vierte Staffel Stromberg, die mich bis Mitte Mai beschäftigen wird. Im März gehe ich dann für 31 Tage mit dem Buch "Millionär" von Tommy Jaud auf Lesetour. Für alles Weitere in 2009 ist schon das eine oder andere in der Pipeline, wie man so schön sagt, aber dazu darf ich noch nichts sagen! Mir wird auf jeden Fall nicht langweilig.

>>Auf der nächsten Seite: Filmtipp: "Zwei Weihnachtsmänner"

"Zwei Weihnachtsmänner": Der Film

Szene aus "Zwei Weihnachtsmänner": Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst
Szene aus "Zwei Weihnachtsmänner": Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst
© Sat.1 SatellitenFernsehen GmbH

Hilmar Kess (Bastian Pastewka) und Tilmann Dilling (Christoph Maria Herbst) könnten unterschiedlicher nicht sein: Während der Eine als Vertreter für Poolnudeln arbeitet und Menschen gern zum Lachen bringt, ist der Andere ein knallharter Wirtschaftsanwalt, dem das Wohle anderer Menschen herzlich egal zu sein scheint. Kurz vor Weihnachten kreuzen sich ihre Wege in Wien: Beide waren auf Dienstreise und wollen nun schnellstens zurück nach Berlin - Hilmar zu seiner Freundin, Tilmann zu Frau und Kindern. Schon im Flugzeug gehen sie sich gegenseitig tierisch auf den Wecker, und als der Flieger dann aufgrund eines Schneesturms auch noch in Bratislava notlanden muss, nimmt das Chaos seinen Lauf. Die beiden begeben sich auf eine turbulente Reise durch Osteuropa, um endlich wieder nach Hause zu kommen - und sich danach möglichst nie wieder zu sehen. Doch bis dahin liegt noch ein langer, langer Weg vor ihnen...

Zwei der besten deutschen Comedians spielen vor der Kamera von Kultregisseur Tobi Baumann ("Der Wixxer", "Vollidiot") nach dem Drehbuch von Kultautor Tommy Jaud ("Vollidiot", "Millionär") - was kann bei solch einem Film schon schief gehen? Und tatsächlich: "Zwei Weihnachtsmänner" ist witzig, spannend und unterhaltsam, ohne jeglichen Hang zum berühmt-berüchtigten Weihnachtskitsch. Und wer sich nicht beide Tage für den Zweiteiler freihalten mag: Den Film gibt es schon auf DVD zu kaufen! Na dann: Fröhliche Weihnachten!

Sendetermin: 18. & 19. Dezember, 20:15 Uhr, Sat.1

Text & Interview Laura Heueck

Mehr zum Thema