Der fremde Sohn

Angelina Jolie hat nicht nur im wahren Leben einen ausgeprägten Familiensinn. Auch auf der Leinwand brilliert sie als Mutter, die um ihren verschollenen Sohn kämpft

Einsame Kämpferin: Angelina Jolie als Christine Collins

Der fremde Sohn

Ein Cowboy kennt keinen Ruhestand

Clint Eastwood ist mit 78 produktiver als die meisten 30-Jährigen. Gleich mit zwei Filmen empfiehlt er sich dieses Jahr für einen Oscar: als Hauptdarsteller und Regisseur von "Gran Torino" (der in Deutschland erst am 5. März anläuft) und als Regisseur des Dramas "Der fremde Sohn".

Wieder einmal ist es die Geschichte einer starken Frau, die Eastwood als großes Erzählkino inszeniert. In "Million Dollar Baby" kämpfte sich Hilary Swank als Boxerin durchs Leben. In "Der fremde Sohn" schlägt sich Angelina Jolie als allein erziehende Mutter durch eine von Männern dominierte Welt.

Los Angeles im März 1928: Christine Collins (Angelina Jolie) verabschiedet sich von ihrem Sohn Walter und geht zur Arbeit. In der Telefonzentrale gibt es Probleme, sie muss länger bleiben als geplant. Bei ihrer Rückkehr ist Walter verschwunden.

Für die Mutter beginnt ein Alptraum: Polizisten nehmen ihre Vermisstenanzeige nicht ernst, sie wird erst vertröstet und später abgewimmelt.

Fünf Monate später taucht ein Junge auf, der behauptet, Walter Collins zu sein. Die Zusammenführung von Mutter und Sohn wird zum Medienspektakel - für das L.A. Police Department ein willkommener Anlass, um von diversen Korruptionsskandalen abzulenken. Niemand glaubt Christine Collins, dass dieser fremde Junge nicht ihr Sohn ist. Ihre Zweifel werden als Hirngespinste einer hysterischen Frau abgetan. In fünf Monaten, so predigen Ärzte und Polizisten, könne sich eben viel verändern. Auch, dass der Junge plötzlich um etliche Zentimeter geschrumpft ist!

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Captain J. J. Jones (Jeffrey Donovan) nimmt Christine Collins' Zweifel nicht ernst

Starke Frauen landen in der Psychiatrie

Detective Lester Ybarra (Michael Kelly)

Die verzweifelte Mutter fleht die Polizei an, weiter nach ihrem Sohn zu suchen. Doch für die Beamten, allen voran den aalglatten Captain J. J. Jones (Jeffrey Donovan), ist der Fall Collins abgeschlossen. Um Christine und ihre störenden Fragen loszuwerden, lässt er sie kurzerhand in die Psychiatrie einweisen.

Erst als sich der Bürgerrechtler Reverend Briegleb (John Malkovich) öffentlich für Christine stark macht, kommt sie frei. Die Suche nach ihrem Sohn geht weiter. Bis Detective Lester Ybarra (Michael Kelly) den Fall Walter Collins mit einem grausigen Serienmörder in Verbindung bringt.

Unglaublich, aber wahr

Gordon Northcott (Jason Butler Harner) hat ein dunkles Geheimnis

Christine Collins’ Geschichte klingt unglaublich, ist aber wahr. Der mutigen Mutter gelang es in den 1920er Jahren tatsächlich, die korrupten Polizeichefs von Los Angeles zu stürzen. Umso erstaunlicher, dass sie erst jetzt verfilmt wurde.

Zum Glück hat sich Clint Eastwood, Hollywoods großer Erzähler, der Geschichte angenommen. Sein Film geht nahe, ohne jemals ins Rührselige abzugleiten. Die Bilder sind wunderschön fotografiert, Ausstattung und Kostüme atemberaubend. Und Angelina Jolie war als Schauspielerin wohl nie so gut wie in der Rolle der Christine Collins. Schade nur, dass ihr die schönen Kleider derart um die mageren Schultern schlackern, dass man sie am liebsten auf eine doppelte Portion Pommes mit Mayo einladen möchte.

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Fotos Universal Pictures
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