Die besten Bücher für den Herbst

Ihr seid traurig, weil der Herbst sich mit großen Schritten nähert? Müsst ihr nicht! Denn jetzt ist wieder die Zeit für ausgiebige Lesestunden auf dem Sofa. Wir stellen euch einige der neuen Bücher der letzten Wochen vor !

Joy Fielding: Träume süß, mein Mädchen

Das Leben scheint es mit Jamie Kellog nicht gut zu meinen: Ihr Job langweilt sie, mit ihrer Schwester hat sie ständig Streit und die Männer bescheren ihr eine Pleite nach der nächsten. Doch alles scheint sich zu wenden als sie den gut aussehenden Brad Fisher in einer Bar kennenlernt, der sie mit seinem Charme sofort um den Finger wickelt. Bei ihm hat sie das erste Mal das Gefühl, wirklich geliebt zu werden. Als er ihr spontan vorschlägt, gemeinsam nach Ohio zu reisen, um dort seinen Sohn und seine Ex-Frau zu besuchen, zögert die 29-jährige nicht lange. Doch auf der Fahrt von Florida nach Ohio zeigt sich, wer Brad Fisher wirklich ist: Ein kaltblütiger Psychopath, der keinesfalls einen idyllischen Urlaub mit Exfrau, Kind und Freundin plant...

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"Träume süß, mein Mädchen" ist Joy Fieldings 18. Roman, der nun als Taschenbuch erschienen ist. Inhaltlich bleibt die Autorin ihren bisherigen Bestsellern dabei weitestgehend treu: Eine naive Protagonistin aus Florida vertraut blind den falschen Menschen und durchlebt dadurch einen furchtbaren Albtraum. Auch typisch Joy Fielding: Die überraschende Wendung zum Ende des Buches, die vieles, was der Leser bislang geglaubt hat, über den Haufen wirft. Dennoch schafft es Fielding diesmal nicht, eine konstante Spannung wie etwa in ihrem Weltbestseller "Lauf, Jane, lauf" aufzubauen. Dafür werden einige Szenen zu langatmig beschrieben, andere Handlungsstränge sind zu leicht vorhersehbar. Trotzdem: Für ein verregnetes Wochenende eignet sich das Buch allemal - gerade auch wegen der sich überschlagenden Ereignisse am Schluss.

Dieses Buch gefällt dir, wenn... ...du auf amerikanische Frauenpsychothriller wie von Joy Fielding oder Jan Burke stehst.

Joy Fielding: Träume süß, mein Mädchen Goldmann Taschenbuch 416 Seiten 9,95 Euro ISBN: 978 3 442 46659 7

Tony Parsons: Als wir unsterblich waren

Es ist der Sommer 1977. Die drei Freunde Terry, Ray und Leon arbeiten für das Londoner Musikmagazin "The Paper". Sie treffen die großen Rock-Stars, treiben sich in Underground-Clubs rum, nehmen Drogen und vergnügend sich mit Frauen - sie leben das Leben, von dem sie immer geträumt haben. Und dennoch hoffen sie auf mehr: Terry träumt von der großen Liebe - und zwar mit der freien Fotografin Misty, in die er seit dem ersten Tag bei „The Paper“ verliebt ist. Leon will die Welt verbessern. Er will endlich mit seinen Artikeln etwas bewegen und nicht mehr nur die ewigen Konzert- und Plattenkritiken schreiben. Und Ray möchte ausbrechen aus seinem Leben: Er wohnt noch zu Hause, sein Vater ist ein Schläger und seine Mutter schwer depressiv seit dem Tod seines Bruders.

"Als wir unsterblich waren" beschreibt eine einzige Nacht: Es ist die Nacht, in der Elvis Presley stirbt. Die Nacht, in der sich auch für die drei Jungs alles verändern wird. Autor Tony Parsons, selber Musikkritiker und Kolumnist, ist ein großes Buch gelungen über die Zweifel des Erwachsenwerdens, die Liebe - und die 70er Jahre. Er beschreibt die drei Charaktere so warmherzig, dass es einem am Ende schwerfällt, sich von ihnen zu verabschieden. Denn bis dahin hat man mit ihnen gelitten, gehofft, um sie gebangt - und sich mindestens einmal in die 70er gewünscht auf eine rauschende Party mit berauschender Musik und dem ganz großen Gefühl von Freiheit.

Dieses Buch gefällt dir, wenn... ... dir "Almost Famous" gefallen hat und du Musik, die 70er und Gitarren liebst.

Tony Parsons: Als wir unsterblich waren PIPER Taschenbuch 430 Seiten 9,95 Euro ISBN: 978 3 492 25014 6

Thomas B. Morgenstern: Der Milchkontrolleur

Wie immer: Am Anfang geschieht ein Mord. In einem kleinen, verschlafenen Örtchen in der Elbmarsch zwischen Kuhwiesen und Dunghaufen wird Else Weber die Kehle durchgeschnitten. Warum? Das kann sich keiner erklären. Aber wenn Milchkontrolleur Hans-Georg morgens zu seiner Kontrolle auf die Höfe fährt, dann hört er allerlei Gerüchte und Beschuldigungen.

Hans-Georg kennt die Bauer im Ort wie kein anderer. Seit Jahren fährt er zu ihnen, um die Milch zu kontrollieren, sitzt danach mit ihnen gemeinsam am Essenstisch und bekommt ihr Geschichten erzählt. Die Leute vertrauen ihm. Das ist der Grund, warum ihn sein Bruder - der Oberstaatsanwalt - darauf ansetzt, Nachforschungen im Mordfall Weber anzustellen.

Einen Milchkontrolleur als Protagonisten einzusetzen, klingt erst mal ein wenig gewöhnungsbedürftig - und ganz ehrlich: Der Geschichte fehlt manchmal das letzte bisschen Spannung. Dafür ist der Rest so nett auserzählt - die dörfliche Atmosphäre, die über Jahrzehnte andauernden Dorffehden - dass es sich lohnt, einmal nicht in die Ferne zu schweifen, sondern mit dem Milchkontrolleur in der Elbmarsch abzutauchen.

Das Buch gefällt dir, wenn... ... du auch Krimis magst, bei denen der Mörder mit der Axt nicht an jeder Ecke steht.

Thomas B. Morgenstern: Der Milchkontrolleur PIPER Taschenbuch 222 Seiten 7,95 Euro ISBN 978 3 492 25142 6

Tom Sharpe: Feine Familie

Lord Petrefact ist ein alter, grausamer Patriarch. Er hasst seine Familie, hasst eigentlich alle Menschen. Dafür liebt er es, Leute zu quälen und zu schikanieren. Ein Lächeln huscht höchstens dann über sein Gesicht, wenn er mal wieder richtig böse war. Sein Ziel ist es, seiner Familie den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Deswegen engagiert er den realitätsfremden Professor Walden Yapp. Er ist Professor für Proletarische Geschichte, ein ganz harter Knochen, der jedem Arbeitgeber Angst und Schrecken einjagt. Yapp soll die Familiengeschichte der Petrefacts recherchieren und darüber ein Buch schreiben – das Aus für seine kapitalistische Großfamilie, so hofft Lord Petrefact.

Es gibt wahrscheinlich keinen, der so zynisch schreiben kann, wie Tom Sharpe. Keinen der den schwarzen Humor so verinnerlicht hat. Keinen, der sich noch abstrusere Geschichten ausdenken kann. Okay, das muss man mögen. Aber wenn man abgedrehte Geschichten mag, dann kann man sich mit Tom Sharpes Büchern in eine stille Ecke zurückziehen, schön schmökern und dabei aus ganzem Herzen lachen.

Dieses Buch gefällt dir, wenn... ... du schwarzen Humor a la Monty Python liebst.

Tom Sharpe: Feine Familie GOLDMANN Taschenbuch 381 Seiten 7,95 ISBN 978 3 442 46523 1

Daniel Scholten: Der kopflose Engel

In Stockholm wird eine Frau überfahren. Alles deutet für Kommissar Cederström und sein Team auf Mord hin. Einziges Problem: Keiner weiß, wer das Opfer ist, denn die Gene der Toten scheinen mit keinem noch lebenden Volk auf der Welt verwandt zu sein. Schnell führen die Spuren jedoch zur italienischen Botschaft in Stockholm, die irgendetwas vor der schwedischen Polizei geheim halten will. Als dann eine gespenstische Meute weißgekleideter, bärtiger Männer eine unheilvolle Drohung ausspricht und gleich darauf ein zweiter Mord geschieht, wissen Cederström und seine Kollegen, dass es sich hier um etwas viel Größeres handelt als bisher angenommen.

"Der kopflose Engel" ist der dritte Krimi von Deutsch-Isländer Daniel Scholten rund um den sympathischen Kommissar Cederström, der ein wenig an Mankells Kurt Wallender erinnert. Die Story ist fesselnd geschrieben, fast schon etwas mystisch angehaucht und lässt den Leser so schnell nicht wieder los. Einziges Manko: Man muss verdammt aufpassen, um in der komplizierten Handlung nicht den Faden zu verlieren. Außerdem sollte der Leser ein gewisses Interesse an historischen Zusammenhängen haben, da die Suche nach der Identität der Toten weit in die geschichtliche Vergangenheit reicht.

Dieses Buch gefällt dir, wenn... ...du Schweden-Krimis à la Henning Mankell, Åke Edwardson und Håkan Nesser magst.

Daniel Scholten: Der kopflose Engel Goldmann Taschenbuch 384 Seiten 7,95 Euro ISBN: 978 3 442 46467 8

Helge Timmerberg: In 80 Tagen um die Welt

Kultautor und Journalist Helge Timmerberg will sich endlich seinen Traum erfüllen: einmal den Globus umrunden. Und das Ganze in nur 80 Tagen. Seine Weltreise führt ihn durch Italien und Griechenland über Ägypten nach Südostasien und Südamerika und über Irland zurück nach Berlin. Zunächst geplagt von Liebeskummer und düsteren Vorahnungen fährt er los und begegnet auf seiner Reise verkleideten Mönchen, katastrophalen Hotelzimmern und unter Schluckauf leidenden indischen Taxifahrern. Und als er schließlich wieder in Berlin landet, sieht er seine Stadt mit ganz anderen Augen...

Vorlage für Timmerbergs Reisereportage der anderen Art ist natürlich der Kultklassiker "In 80 Tagen um die Welt" von Jules Verne aus dem Jahr 1873, wenngleich Helge Timmerberg auf seiner Reise - bedingt durch eine Panikattacke - den Heißluftballon und Elefantenrücken ausspart. Auch die Reiseroute hat er klein wenig verändert: Statt Singapur steht bei ihm Bangkok, "die Drehscheibe für Weltreisende in Südostasien" ganz oben auf der Liste. Timmerberg beschreibt seine teils sehr resignierten Eindrücke so witzig, dass man beim Lesen wirklich laut los lachen muss. Und nicht nur das: Wenn man das Buch aus der Hand gelegt hat, will man nur noch eins: ab auf Weltreise.

Dieses Buch gefällt dir, wenn... ...dich fremde Länder faszinieren und du den typisch schrägen und intellektuellen Humor von Helge Timmerberg magst.

Helge Timmerberg: In 80 Tagen um die Welt rowohlt BERLIN Hardcover 288 Seiten 19,90 Euro ISBN: 978 3 871 34593 7

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