Die besten neuen CDs

Ohren gespitzt: Wir haben eine ganze Ladung neuer CDs für euch. Großbritannien legt die musikalische Latte mit Keane, Snow Patrol und den Kaiser Chiefs ziemlich hoch. Und was machen wir? Kontern lässig mit Das Bo und Joy Denalane

Snow Patrol - A Hundred Million Suns

Böse Zungen unterstellen der schottisch-irischen Band Snow Patrol, sie würden inzwischen zu sehr nach Coldplay klingen. Man hat es heutzutage halt nicht leicht als erfolgreiche Indie-Band. Einmal im Mainstream angekommen, wird von allen Seiten gemeckert. Dabei machen Snow Patrol noch immer das, was sie am Anfang ihrer Karriere machten: schönen, euphorischen Britpop. Ein bisschen stänkern muss aber erlaubt sein: Nach einem Song-Juwel wie "Run" von ihrer zweiten, unerreicht guten Platte "Final Straw" sucht man auf "A Hundred Million Suns" leider vergeblich. Die positive Grundstimmung der Platte wollen wir uns dadurch aber nicht verderben lassen. Denn "A Hundred Million Suns" ist auch ohne Oberknüller-Titel gut.

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Keane - Perfect Symmetry

Noch so ein Fall: Zu Beginn ihrer Karriere spielten Keane als Vorband für Travis. Und alle, die ihren erhabenen Piano-Rock hörten, fragten sich: Wer sind diese tollen Jungs, die so englisch sind wie Orangenmarmelade oder ein Gurkensandwich zum 5-Uhr-Tee? Nach der Anfangseuphorie kam aber schnell die Ernüchterung. Es stimmt schon, auf dem neuen Album "Perfect Symmetry" erfinden Tim, Tom und Richard das Rad nicht neu. Aber in Tracks wie dem schönen "Again and Again" kommt Tims Gesang mit den typisch langgezogenen Vokalen nach wie vor toll zur Geltung. Keane sind noch immer very uplifting, indeed!

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Kaiser Chiefs - Off With Their Heads

Nicht, dass nach so viel Keane und Snow Patrol ein falscher Eindruck entsteht. Auf der Insel wird musikalisch momentan nicht nur der Weichspülgang eingelegt. Es darf auch weiterhin rocken. So wie bei den Kaiser Chiefs. Die haben sich für ihr Album "Off With Their Heads" mit Erfolgsproduzent Mark Ronson zusammengetan. Eine gute Entscheidung. Sie klingen wieder aggressiver und setzen verstärkt auf Gitarren. Zum Glück gibt's auf der neuen Platte auch keinen platten Mitgröl-Song wie "Ruby". Stattdessen knüpfen die Kaiser Chiefs mit dem wummernden "Never Miss A Beat" an Erfolge wie "I Predict A Riot" an. Alles richtig gemacht also.

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Robin Thicke - Something Else

Kommen wir nun zu etwas völlig anderem - zuckersüßem, gefühlvollem Soul von Robin Thicke. Der feine Kerl aus Kalifornien schrieb Songs für Christina Aguilera, Brandy, Marc Anthony und Mya, arbeitete mit Grandmaster Pharell Williams zusammen. Bis er irgendwann merkte, dass selber singen auch Spaß macht. Seine glasklare Stimme könnte glatt für die eines Chorknaben durchgehen - wäre da nicht dieser leicht verruchte Touch, der seine Songs so sexy macht. Vergleiche mit Justin Timberlake liegen bei so viel Schmacht-Potential nahe. Das mag Robin Thicke aber gar nicht. Erstens könne er überhaupt nicht tanzen. Und zweites mache er Soul, keinen Dance-Pop wie Justin. Ach so! Aber egal, wie er es nennen will - wir finden es fantastisch.

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Ayo. - Gravity at Last

Sanft und kraftvoll, voller Gefühl und trotzdem total cool: Ayo. kann das alles. Die schöne Sängerin mit der wunderschönen Stimme macht tollen Acoustic Soul, der einen schon vom ersten Song an mit offenen Armen empfängt. Ihr zweites Album hat sie auf den Bahamas aufgenommen - was erklärt, warum "Gravity at Last" so relaxed klingt. Die Songs wurden nur mit analogem Equipment eingespielt, in den legendären Compass Point Studios, wo schon Bob Marley und die Rolling Stones an ihren Hits arbeiteten. Ayo. hat diesen Retro-Charme aufgesaugt - und trotzdem etwas sehr Eigenständiges geschaffen. Genau das Richtige, um dem Nieselregen-Alltag im November zu entfliehen!

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Flobots - Fight With Tools

Es gibt ja immer noch Leute, die Rap mit einem genervten "Och nö, das klingt doch alles gleich" abtun. Die wollen wir bekehren. Und versprechen hoch und heilig: Die Platte der Flobots ist alles andere als blöde Bling-Bling-Popo-Wackel-Mucke. Das Rapper-Kollektiv aus Denver mixt auf "Fight With Tools" progressiven Sprechgesang mit bombastischen orchestralen Arrangements. Und bei Stücken wie "Mayday!!!" dürfen auch mal Gitarren und Geigen um die Wette scheppern. Diese kraftvolle Mischung nutzen die Flobots, um ihre sehr politischen Texte zu transportieren. Sie wettern gegen alles, was den alternativen Intellektuellen - sei es in den USA oder anderswo - auf die Palme bringt: George W. Bush, zügelloser Konsum, der Krieg im Irak, skrupellose Großkonzerne. Dabei kämpfen sie mit den Waffen, die sie am besten beherrschen: ihren Worten.

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T.I. - Paper Trail

Eigentlich heißt er Clifford Joseph Harris jr. und kommt aus Georgia. Da das aber alles noch nicht so richtig cool und ghettomäßig klingt, nennt er sich schlicht T.I. und hat sich obendrein noch den bescheidenen Spitznamen "King of South" verliehen. Und wie es sich für einen richtigen Gangsta-Rapper gehört, hat der 28-Jährige vier Kinder von drei verschiedenen Frauen und muss nächstes Jahr eine Haftstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes antreten. Wieder so ein Ghettokid, könnte man also meinen, wenn man sein neues Album "Paper Trail" auflegt. Doch schnell wird man eines besseren belehrt. Denn T.I. mixt coole Beats mit intelligenten Texten und hat die Besten der Besten für seine Platte verpflichtet: Jay-Z, Kanye West, Ludacris, Usher, John Legend, Justin Timberlake und Rihanna. Und so abwechslungsreich wie sein Kollegenportfolio sind auch seine selbstproduzierten Songs: Vom coolen Hip Hop Track "Swagga Like Us" bis hin zum melodiösen und fast schon nachdenklichen "Slide Show" ist alles vertreten. Hörenswert!

Das Bo - Dumm Aber Schlau

Nein, das ist nicht Wolle Petry. Sondern das gute, alte Bo. Der Hamburg Jung ist sich wie immer für nichts zu schade - und blödelt sich auf seiner neuen Scheibe durch unglaubliche 20 Tracks. Im Video zum titelgebenden "Dumm Aber Schlau" schlüpft er nicht nur in die Rolle des haarigen Schlagerstars Petry, er verwandelt sich auch in die Einrichtungs-Walküre Tine Wittler, den Drogen-Rocker Pete Doherty und einen namenlosen Fitness-Trainer im "Bauch, Beine, Bo"-Kurs. Dazu schleudert er uns so grandiose Zeilen wie "Ich hab nur große Ziele, denn die trifft man besser" um die Ohren. Und wird von seiner alten Hamburger Mongo Clikke in Form von Sam Semilla und Jan Delay unterstützt. Wir können uns also noch immer sicher sein: Wer einen ordentlichen Bass braucht, ist bei Bo genau richtig.

The Dresden Soul Symphony

Geballte Soul-Power trifft live auf klassisches Orchester - was für eine Kombination! Der Sound des MDR Symphony Orchestra aus Dresden haut einen richtig um. Joy Denalane möchte man sowieso immer zuhören, und auch Joys US-Kollegen Bilal, Dwele und Tweet scheinen den Soul mit Löffeln gefressen zu haben. Zusammen singen sie Klassiker wie "Midnight Train to Georgia", aber auch neuere Stücke wie "Everything is Everything" von Lauryn Hill. Ein Blick über den Plattentellerrand kann so lohnend sein. Gerne mehr davon!

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