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Fleisch ist mein Gemüse


Das Buch "Fleisch ist mein Gemüse" ist seit vier Jahren ein Bestseller. Jetzt kommt das Kultwerk von Heinz Strunk in die Kinos
Fleisch ist mein Gemüse
© Universal Pictures International Germany GmbH

Denkt an die mieseste Dorfspelunke, die ihr euch vorstellen könnt. Kombiniert dieses Etablissement mit der Hochzeit von Manni, dem bierbäuchigen Vokuhila-Träger und Mandy-Babette, der Frau mit der ausgewachsenen Dauerwelle. Mixt dieses Horrorszenario mit etwas Polonaise und Tanzkapelle, Grünkohl und Kassler, Schnaps und Bockbier und Opa, der der Uschi regelmäßig in den Ausschnitt greift. Und dann stellt euch vor, ihr durchlebt diesen Albtraum jedes Wochenende auf’s Neue.

Fleisch ist mein Gemüse

Swinging is good time!

Langeweile im Reihenhaus
Langeweile im Reihenhaus
© Universal Pictures International Germany GmbH

So geht es Heinz Strunk (Maxim Mehmet), der Mitte der achtziger Jahre in der geschmacksfreien Showkapelle Tiffany's als Saxophonist sein Dasein fristet und von einem Schützenfest zur nächsten Dorfhochzeit tourt. Abend für Abend muss er die zotigen Sprüche von Bandleader Gurki (Andreas Schmidt) ertragen und alles aus seiner "Rotzkanne" (Saxophon) rausholen, denn - so pflegt Gurki zu dozieren - "Swinging is good time, good time is better time!". Und als wäre das nicht schlimm genug hat der 25-jährige Heinz auch noch mit schlimmer Akne, einer Mutter mit Wahnvorstellungen (Susanne Lothar), einer depressiven Nachbarin und einem nicht existenten Sexleben zu kämpfen. Zudem wohnt er in einem kleinen Reihenhaus in Hamburg-Harburg und damit - wie man in Hamburg sagt - eindeutig auf der falschen Seite der Elbe.

Hackbällchen Serbischer Art
Hackbällchen Serbischer Art
© Universal Pictures International Germany GmbH

Dabei hat Heinz eigentlich Großes vor: Er will Musikproduzent werden. Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, sucht er per Zeitungsannonce eine Sängerin. Prompt meldet sich die bildhübsche Anja bei ihm, in die Heinz sich Hals über Kopf verliebt und mit der er fortan im heimischen Wohnzimmer am eigenen Album bastelt, um ihr abends selbstgemachte Hackbällchen Serbischer Art zu servieren. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Heinz: Während Anja ihre noch nicht mal in Fahrt gekommene Musikerkarriere wieder an den Nagel hängt und Heinz samt seinen Hackbällchen sitzen lässt, verfällt Heinz Mutter immer mehr dem Wahnsinn. Und Heinz muss weiterhin mit Tiffany's über die norddeutschen Lande tingeln und bei Jägerschnitzel und Schweinenacken dem Publikum einheizen. Bis plötzlich eines Tages die rebellische Jette Heinz Leben völlig durcheinander wirbelt und dann auch noch der millionenschwere Plattenproduzent Reggy Fine in Hamburg-Harburg auftaucht...

Auch Rocko Schamoni übernimmt eine Gastrolle (3. v. r.)
Auch Rocko Schamoni übernimmt eine Gastrolle (3. v. r.)
© Universal Pictures International Germany GmbH

"Fleisch ist mein Gemüse" beruht auf einer wahren Begebenheit. 2004 erschien das gleichnamige Buch von Heinz Strunk und war mit über 250.000 verkauften Exemplaren ein Überraschungserfolg. Heinz Strunk, der mit bürgerlichem Namen Matthias Halfpape heißt, genießt besonders in Hamburg Kultstatus: Nachdem er 12 Jahre lang mit Tiffany's unterwegs war, gründete er gemeinsam mit dem ebenso legendären Rocko Schamoni die erfolgreiche Telefon-Comedy "Studio Braun".

Tragischer Held

Heinz Strunk
Heinz Strunk
© Universal Pictures International Germany GmbH

Obwohl "Fleisch ist mein Gemüse" nur so vor Situationskomik strotzt, bleibt einem bei dieser Tragikkomödie auch oft genug das Lachen im Hals stecken. Zu traurig ist das Leben des gebeutelten Heinz auf dem Weg zum Erwachsenwerden und sein unerfülltes Streben nach Glück und Erfolg. Die Besetzung ist ein genialer Mix aus gestandenen Schauspielern wie der brillanten Susanne Lothar sowie großartigen Neuentdeckungen - allen voran Hauptdarsteller Maxim Mehmet, den Regisseur Christian Görlitz zufällig in einem Kinowerbespot entdeckte und prompt zum Casting einberief. Und auch Heinz Strunk selbst hat eine Gastrolle: Im Zwiegespräch mit einem ausgestopften Rehbock beobachtet und kommentiert er sein eigenes Leben auf der Leinwand.

Fazit: Man muss schon den typischen Heinz-Strunk-Humor lieben und eine große Lust am Fremdschämen empfinden, um diesen Film uneingeschränkt toll zu finden. Auch sollten Fans des Buches wissen, dass der Film nicht allen grandiosen Detailbeschreibungen des Buches gerecht werden kann und sogar neue Rollen (wie die der Jette) in das Drehbuch geschrieben wurden. Lässt man sich aber darauf ein, kann man auch über das eher deplaziert wirkende Ende milde lächeln und eine großartige Kinozeit genießen. Frei nach dem Motto: "Swinging is good time, good time is better time!".

Infos zum Film
Regie: Christian Görlitz; Darsteller: Maxim Mehmet, Heinz Strunk, Andreas Schmidt, Oliver Bröcker, Jona Mues, Martin Brauer, Susanne Lothar, Anna Fischer, Livia S. Reinhard, Susanne Bormann; Kinostart: 17.04.2008; Mehr Infos:>> www.fleisch-ist-mein-gemuese.de
Text Laura Heueck

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