Happy oder nicht? Das Ende von "Sex and the City"

Top Secret! Vier verschiedene Enden hat das Filmteam gedreht, damit der Schluss des Films nicht vorher durchsickert. Erlieben Carrie und Mr. Big das große Happy End? Das wissen wir erst am 29. Mai. Die Frage ist: Wollen wir das überhaupt? Natürlich nicht - sagt Inga Leister. Natürlich - sagt Stefanie Höfle

Carrie, bitte kein Happy End!

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich liebe Happy Ends. Ich habe mir die Knutsch-Ende-Variante von "Stolz und Vorurteil" öfter angesehen als den ganzen Film. Aber "Sex and the City" mit Happy End? Das geht zu weit! Wirklich: Ich gönne Carrie Bradshaw alles Glück der Welt, genau so sehr wie meiner guten Freundin Mirjam. ABER DAS KANN MIR CARRIE EINFACH NICHT ANTUN! Ein Happy End im Film ist so eine Sache: Wir dürfen mal ganz kurz die letzte Seite von einem Bilderbuch angucken - bloß besteht ein Bilderbuch naturgemäß aus ziemlich viel Oberfläche. Mit ehrlichem Glück hat das meistens wenig zu tun. Mut, Stärke, Aufrichtigkeit, Ausgeglichenheit - Ballaststoffe für ein happy, aber nicht zwingend glückliches Ende. Ich liebe "Sex and the City" genau dafür, dass ich auch dann zugucken kann, wenn Schluss ist. Schluss mit Mr. Big, Schluss mit Aidan. Schluss mit dem Pinkel-Politiker. Und nochmal Schluss mit Mr. Big. Ich brauche keine dauerromantische Liebe. Was ich sehen will, ist: Es macht nichts, wie viel Scheiße du erlebst! Was uns nicht umbringt, beschert uns minimal ein Paar frust-geshoppte Schuhe - und meistens einen Charakter, der viel größer ist als vorher. Eine Dosis "Sex and the City" an einem in jeder Hinsicht verkaterten Single-Sonntagnachmittag - und plötzlich weiß ich wieder, dass ich mich selber glücklich machen muss. Carrie hat selbst in Schlabberklamotten und mit verheulten Augen viel, viel, viel, viel mehr Mut, Stärke, Aufrichtigkeit und Ausgeglichenheit als Lizzy, wenn sie Mr. Darcy küsst. Bitte, liebe Carrie, bitte, lieber Hollywood-Gott: Lass es so nicht enden! Verkleistere nicht das Glück mit zu viel Rüschen und Rumgeknutsche. Dann kann ich es nämlich nicht mehr sehen. Im Filmtrailer liest Carrie aus einem Märchenbuch vor. "Und Aschenputtel und der Prinz lebten glücklich bis ans Lebensende." Ihr kindgerechter Kommentar: "Weißt du, ganz so passiert das nicht immer im richtigen Leben!" Eben Carrie. Bitte bleib, wie du bist. Bitte mach nicht Schluss mit den glücklichen Enden. Dann wäre ich happy!

Carrie, bitte sag Ja!

Jaja, ich höre die eingefleischte "Sex and the City"-Gemeinde schon spitz aufschreien, wenn Hollywoods harmoniesüchtige Kitschsucht sich durchsetzt und den lang ersehnten Film zur frauen-beliebtesten Serie mit einem Happy End krönt. Die klugen, lässigen und top gestylten Kritikerinnen werden rufen: "Oh no, gerade das war doch der Spaß - die niemals enden wollende Suche nach Mister Right, der für Carrie von der ersten Staffel an "Mr. Big" hieß.

So ein "Happily ever after"-Ende widerspräche der steten Serien-Botschaft, dass der einzig verlässliche Wert, die unerschütterliche Grundfeste im New Yorker Dschungeldickicht zwischen Manolo Blahniks, Chanel-Fähnchen, Szene-Hotspots und natürlich haufenweise Männern wahre Frauenfreundschaft ist. Diesen Frauen antworte ich beherzt mit Charlottes unermüdlicher An-das-Gute-glauben-Manier: "Natürlich ist die Freundschaft der fabulösen Vier das Beste, was frau im Leben widerfahren kann. Genau deshalb vermissten wir die New Yorkerinnen ja so sehr - weil wir das Gefühl hatten, unsere Freundinnen waren viel zu lange weg. Endlich haben wir wieder ein Date mit Ihnen."

Und jetzt kommt der springende happy-end-fordernde Punkt: Für meine beste Freundin wünsche ich mir doch auch den Mannomann, der ihr verdammt noch mal das Ja-Wort gibt. Warum sollte Carrie dann nicht ihrem John (Wir haben an Ende von Staffel 6 erfahren, dass Mr. Big so heißt) die Treue schwören? Und nein, ich bin keine verklärte Romantikerin, die meint, die ewige Liebe sei wie ein fortwährender erster Biss in einen zuckersüßen Cupcake. Aber es ist kein Verrat an der Frauenfreundschaft, sich nach einer Geborgenheit mit einem Mann an der wohl manikürten Hand zu sehnen.

Allerdings muss ich gestehen, dass der Trailer zum Film alles andere als mein gewünschtes Hochzeits-Finale in Vivienne-Westwood-Robe vermuten lässt. Unsere Lieblings-Kolumnistin sagt es selbst zur entzückenden Adoptivtochter von Charlotte: "Sie lebten glücklich bis an das Ende aller Tage. Weißt Du, ganz so passiert es nicht im wirklichen Leben. Ich denke, das solltest Du wissen." Was heißt das nun? Kriegt Mr. Big kalte Füße? Frieren Carrie die Zehen? Ich bleibe einfach optimistisch und hoffe, dass auch diese Zweifel mit freundschaftlichem Beistand von Charlotte, Miranda und der guten Samantha elegant ausgeräumt werden - auf dem Weg zu meinem und Carries Happy End.

Text Inga Leister und Stefanie Höfle

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