Im Kino: Buddenbrooks

Was für eine Familie: Thomas Manns Jahrhundert-Roman "Buddenbrooks" kommt mit Starbesetzung auf die Leinwand. Jessica Schwarz, Armin Mueller-Stahl und Iris Berben bringen den Glanz von Hollywood ins deutsche Kino

Die Buddenbrooks: Tony (Jessica Schwarz), Christian (August Diehl), Konsul Jean (Armin Mueller-Stahl), Thomas (Mark Waschke), Konsulin Bethsy (Iris Berben).

Im Kino: Buddenbrooks

Alles für die Familie

"Auf die Buddenbrooks!" Stolz lässt Konsul Jean Buddenbrook (Armin Mueller-Stahl) den Blick schweifen. Seine Tochter Tony (Jessica Schwarz) ist strahlender Mittelpunkt des Balls, die Söhne Thomas (Mark Waschke) und Christian (August Diehl) geben in Frack und Zylinder eine stattliche Figur ab. Und die Geschäfte laufen gut. Durch Getreidehandel hat es der Kaufmann zu Ansehen und Reichtum gebracht.

Lübeck in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Die Spielregeln in dieser großbürgerlichen Welt sind streng: Privates und Geschäftliches sind untrennbar verbunden, Gefühle nur dann angebracht, wenn sie nicht das Wohl der Familie gefährden. Der Weg der jungen Buddenbrooks scheint vorbestimmt: die Söhne sollen als Kaufmänner den Reichtum mehren, von der Tochter erwartet man eine standesgemäße Ehe.

Tony (Jessica Schwarz) verliebt sich in den Medizinstudenten Morten (Alexander Fehling)

So groß ist der Druck der Familie, dass Tony ihre Liebe zu dem Medizinstudenten Morten Schwarzkopf (Alexander Fehling) opfert und schließlich zustimmt, den Hamburger Kaufmann Grünlich (Justus von Dohnányi) zu heiraten. Ihre Einwände ("Er ist mir widerlich") lassen die Eltern nicht gelten.

Während Lebemann Christian im Theater ein und ausgeht, übernimmt Thomas mehr und mehr Verantwortung im Familienunternehmen. Sein Vater überlässt ihm schließlich die Geschäfte - und stirbt kurze Zeit später an einem Herzanfall.

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Der Abstieg der Buddenbrooks

Hermann Hagenström (Fedja van Huêt, links) verehrt Tony (Jessica Schwarz).

Der Tod des Patriarchen markiert den langsamen Abstieg der Familie. Tonys Ehemann Grünlich hat sich als bankrotter Mitgiftjäger entpuppt, die Hagenströms, von den Buddenbrooks lange als Emporkömmlinge verachtet, holen geschäftlich auf. Christian entwickelt sich zu einem instabilen Hallodri. Und Thomas, der Firma und Familie krampfhaft zusammenzuhalten will, muss zusehen, wie sich seine schöne Frau Gerda (Léa Bosco) von ihm entfremdet.

Iris Berben als unterkühlte Konsulin Bethsy

Mit Heinrich Breloer hat sich ein echter Mann-Experte an die Neuverfilmung dieses großen Romans gewagt. Er drehte schon den TV-Mehrteiler "Die Manns - ein Jahrhundertroman". Sein "Buddenbrooks" ist ein opulentes Familiendrama, das mit den Großen des deutschen Kinos aufwartet. Iris Berben ist als Konsulin Bethsy zwar etwas blass - am Ende bleibt einem nur ihr permanentes "Wie meinen?" im Ohr. Doch insgesamt glänzt die Schauspieler-Riege und bringt uns Manns sperrige Sprache auch heute noch nahe.

Hollywood-Feeling entsteht vor allem durch die aufwändigen Kostüme und die üppige Ausstattung. Wie gemalt wirken viele Szenen, so detailversessen wurden Menschen, Landschaft, Gegenstände arrangiert. "Buddenbrooks" muss sich auch hinter großen US-Produktionen nicht verstecken. Trotzdem hätte sich Regisseur Breloer einige allzu kitschige Bilder verkneifen können - etwa, wenn die frisch verliebte Tony mit ihrem Morten in ein schmuckes Schiffswrack am Strand flüchtet.

Thomas Manns Familien-Wälzer wurde als Jahrhundert-Roman gefeiert. Buddenbrooks ist zwar kein Jahrhundert-Film. Aber großes deutsches Erzähl-Kino, das man nicht verpassen sollte!

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Text: JULIA MÜLLER FOTOS: WARNER BROS. PICTURES
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