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Im Kino: Che - Revolución


Freiheitskämpfer, Revolutionär, Ikone der Popkultur: Im ersten Teil seines Kino-Epos zeigt Steven Soderbergh die Strapazen der kubanischen Revolution - und den Menschen hinter dem Mythos Che Guevara

Liebe zur Revolution

Che Guevara (Benicio del Toro) bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York
Che Guevara (Benicio del Toro) bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York
© Central

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein Revolutionär haben muss? Nicht Kampfgeist und Mut, nicht ideologische Überzeugungen und politisches Gespür. Nein, für Ernesto Che Guevara ist es die Liebe. Der argentinische Arzt, Schlüsselfigur der kubanischen Revolution und Idol der Linken, glaubte unerschütterlich an die Kraft der Veränderung.

Sein Gesicht kennt fast jeder - mit Backenbart und Baskenmütze prangt Che auf Postern, T-Shirts, Buttons. Doch wie gelang es diesem jungen Argentinier, dass ihm die Menschen in Scharen folgten und seinen Traum von Freiheit und Gerechtigkeit teilten?

Der amerikanische Regisseur Steven Soderbergh nähert sich dem Mythos Che Guevara mit einem Kraftakt. In 262 Minuten, aufgeteilt in zwei Teile (Che - Revolución und Che - Guerilla), zeigt er, wie Guevara kämpft, inspiriert und schließlich scheitert. Das ist anstrengend. Und trotzdem sehenswert.

Im Kino: Che - Revolución

Typisch Che: Zigarre, Bart und Baskenmütze
Typisch Che: Zigarre, Bart und Baskenmütze
© Central

Denn nie zuvor waren wir dem Mythos Che so nah. Mühsam keucht sich der Asthmatiker durch den Dschungel, schwitzt und leidet und gibt doch nie auf, bis er mit seiner Guerilla-Truppe schließlich in bester Western-Baller-Manier die Stadt Santa Clara einnimmt. Diese Rückblenden auf den strapaziösen Guerilla-Kampf rahmt Soderbergh mit Aufnahmen in schwarz-weiß, die Guevara nach der Revolution zeigen: In seinem Haus in Havanna, beim Interview mit einer US-Journalistin, bei einer Rede vor den Vereinten Nationen. So entsteht keine historisch genaue und detailierte Film-Biografie, aber ein eindrucksvolles Charakterbild.

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Auch den eiskalten, ja fanatischen Guevara blendet "Che - Revolución" nicht aus. Abtrünnige Guerilleros lässt der Commandante erschießen. Gewalt, so bekennt er später, sei ein Mittel internationaler Politik. Der Film beschönigt und beschuldigt nicht, sondern zeigt Guevara so, wie er vermutlich war: charismatisch, intelligent, diszipliniert - und dogmatisch bis zum bitteren Ende.

Dass "Che - Revolución" so nahe geht, ist auch dem großartigen Hauptdarsteller Benicio del Toro geschuldet, mit dem Steven Soderbergh schon in "Traffic" zusammenarbeitete. In Cannes wurde del Toro als bester Darsteller ausgezeichnet.

"Che - Revolución" kommt am 11. Juni in die deutschen Kinos, der zweite Teil "Che - Guerilla" startet am 23. Juli.

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Hintergrund: Die kubanische Revolution

1952: Nach einem Staatsstreich übernimmt General Fulgencio Batista die Kontrolle auf Kuba. Er herrscht als Diktator und schafft freie Wahlen ab.

1953: Der junge Anwalt Fidel Castro versucht am 26. Juli mit einem Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba, eine Volksrebellion in Gang zu setzen. Die Aktion scheitert, Castro verbringt zwei Jahre im Gefängnis und geht danach ins Exil nach Mexiko.

1954: Ernesto Guevara, ein junger Arzt aus Argentinien, wird in Guatemala politisch aktiv. Als die dortige Regierung gestürzt wird, flieht er nach Mexiko und schließt sich einer Gruppe kubanischer Revolutionäre an. Die Kubaner geben Ernesto den Spitznamen Che - denn diese Anrede-Floskel ist typsich argentinisch.

1955: Am 13. Juli 1955 lernen sich Che und Fidel Castro kennen. Ihr Plan: Der kubanische Diktator Batista muss gestürzt werden.

1956: Am 26. November 1956 läuft die Yacht "Granma" mit achtzig Rebellen an Bord nach Kuba aus, um diese Mission umzusetzen. Che erweist sich in den Bergen der Sierra Maestra schnell als unverzichtbarer Guerillakämpfer. Sein Einsatz macht ihn populär - sowohl bei seinen Kameraden als auch bei der kubanischen Bevölkerung.

1958: Die Guerilla um Fidel Castro erringt Siege gegen das Militär. Castro gelingt es, sich an die Spitze des kubanischen Widerstandes zu stellen. Kurz vor Weihnachten 1958 startet die Guerilla eine Offensive. Aus der entscheidenden Schlacht um Santa Clara geht sie siegreich hervor.

1959: Am 1. Januar 1959 ergreift der Diktator Fulgencio Batista die Flucht, die Armee bricht zusammen. Am 8. Januar 1959 zieht Fidel Castro triumphal in Havanna ein und ruft wenige Tage später eine "humanistische Revolution" aus.

1959-1964: Castro will ein unabhängiges Kuba aufbauen. Che Guevara spielt als Leiter der Nationalbank und später als Industrieminister eine wichtige Rolle in der neuen kubanischen Regierung.

1964: Che Guevara reist als Leiter der kubanischen UN-Delegation nach New York. Dort hält er seine wohl bekannteste Rede, in der er sich zur Gewalt als Mittel der internationalen Politik bekennt und anregt, die kubanische Revolution auf weitere Länder zu übertragen.

Text Julia Müller

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