Im Kino: Coco Chanel

Sie war eine der größten Modeschöpferinnen aller Zeiten: Coco Chanel. Doch wie wurde sie eigentlich so berühmt? Antworten auf diese Fragen gibt uns der Film "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft". Außerdem: Kann Chanel-Darstellerin Audrey Tautou jemals Amélie entkommen? BYM-Autor Stefan Bartels macht den Selbstversuch.

Audrey Tautou spielt Coco Chanel

Im Kino: Coco Chanel

Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft

Das Ende ist eigentlich der Anfang. Der Anfang ihrer unvergleichlichen Karriere. Der Anfang eines revolutionären, weiblichen Modestils. Ganz am Ende des Film steht die erste große Modenschau von Coco Chanel, auf der sie ihre Kollektionen zeigt, um die sich später die ganze Welt reißen wird.

Ein Markenzeichen Coco Chanels: Das geringelte Marineshirt

Doch die ersten 100 Minuten des Films handeln weniger von Coco Chanel als erfolgreiche Designerin, sondern zeigen, was die Französin auch war - bevor sie berühmt wurde: Waisenkind, Varietésängerin, Näherin und Gespielin reicher Großgrundbesitzer. Doch vor allem war sie eine Rebellin. Eine, die sich mit den Konventionen ihrer Zeit nicht abfinden wollte. Eine, die die Klamotten ihrer Liebhaber trug, Kette rauchte und im Herrensitz Reitstunden nahm. Und eine, die hartnäckig genug war, sich ihren Platz im Leben zu erkämpfen - auch wenn sie dabei unfreiwillig auf die (finanzielle) Hilfe der Männer angewiesen war.

Gespielt wird Coco Chanel von der hinreißenden Audrey Tautou, die uns verzaubert und der wir 110 Minuten lang an den Lippen hängen. Ein großartiger Film - nur die Mode kommt leider etwas zu kurz!

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Im Bett mit Audrey

Stefan Bartels: Im Bett mit Audrey

Audrey Tautou? Genau, das ist das Mädchen mit den Märchenaugen aus "Die fabelhafte Welt der Amélie". So kennt man sie - nur so. Dabei spielt die Französin längst andere Rollen, derzeit die Coco Chanel. Aber kann sie Amélie entkommen? BYM-Autor Stephan Bartels machte einen Selbstversuch.

Audrey Tautou, 32, Schauspielerin, geboren und aufgewachsen in der Auvergne, hat eine Stalkerin. Die heißt Amélie Poulin, kommt vom Montmartre in Paris, und es gibt keine Möglichkeit, sie loszuwerden. Denn Audrey und Amélie sind in der öffentlichen Wahrnehmung nicht voneinander zu trennen. Ein neuer Tautou-Film? Ah, Amélie ist wieder da!

Elf Filme hat Audrey Tautou seitdem gedreht. Bevor sie nun als Coco Chanel ins Kino kommt, möchte ich prüfen, ob sie das Stigma verdient hat. Ich werde einige Tautou-Filme auf ihren Amélie-Faktor testen: Wie großäugig und versponnen wirkt sie? Morgens hole ich Croissants vom Bäcker, koche Milchkaffee, falle zurück ins Bett und drücke die Fernbedienung.

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Audrey Tautou: Ein Selbstversuch

Ein Selbstversuch: Kann Audrey Tautou jemals Amélie entkommen?

7.58 Uhr: "Unglaublich" (2001) Tautou spielt ein Model, das nacheinander zu mehreren Religionen übertreten will. "Unglaublich" ist vor allem unglaublich mies. Nicht trotz Audrey Tautou. Sondern wegen ihr. Amélie-Faktor: 10 Prozent.

10.15 Uhr: "Wahnsinnig verliebt" (2002) Film zwei nach "Die fabelhafte Welt...". Und schon weiß der Verleih, wie man das Ding vermarkten muss: "Amélie auf Abwegen", steht auf dem Cover der DVD. Tautou spielt eine Psychopathin, das macht sie richtig gut. Und wie bei Amélie ist sie einsam, verträumt, elfengleich. Bloß in böse. Amélie-Faktor: 70 Prozent.

12 Uhr: "Kleine schmutzige Tricks" (2002) Audrey als illegal in London lebende Türkin, die in einem Hotel putzt. Verschreckt und schweigsam. Das geht nicht gut. Nach zwei Dritteln nicke ich kurz weg. Ein Zeichen. Amélie-Faktor: wegen Aussehen und Verträumtheit 45 Prozent.

14.55 Uhr: "L'Auberge Espagnole" (2002) Auf dem Cover wird ihr Name zuerst genannt. Dabei ist die Rolle winzig: sechs Minuten als (meist schmollende) Freundin eines Austauschstudenten in Barcelona. Amélie-Faktor: mangels Masse 10 Prozent.

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Stefan Bartels ist bekennender Amélie-Fan

Amélie-Fans versus Amélie-Hasser

17.15 Uhr: "Mathilde - Eine große Liebe" (2004) "Amélie in den Zeiten des Krieges", steht auf dem Cover. Regisseur ist wie bei "Amélie" Jean-Pierre Jeunet (der auch den Spot für Chanel No 5 mit Tautou gedreht hat), Bildsprache und Erzählweise sind ähnlich, Tautou ist fantastisch. Ist sie nur dann richtig gut, wenn die Geschichte ein bisschen verrückt ist? Amélie-Faktor: 85 Prozent. Und das meine ich positiv.

19.50 Uhr: "Der Da Vinci Code" (2006) Hollywood, endlich! Reduziert kommt Tautou rüber, Beiwerk ohne Gestaltungsmöglichkeiten. Tom Hanks trägt den Film. Amélie-Faktor: 5 Prozent für ihre Augen. Aber für die kann sie nichts.

22.10 Uhr: "Zusammen ist man weniger allein" (2007) "So wie 'Die fabelhafte Welt der Amélie - nur schöner' (BRIGITTE)", steht auf dem Cover. Auch wir: in der Image-Falle! Diese Verfilmung eines Anna-Gavalda-Romans packt mich nicht. Vielleicht ist es die Fallhöhe: Eben war Tautou im "Da Vinci Code" die letzte Nachfahrin von Jesus Christus, jetzt eine schwindsüchtige Künstlerin. Amélie-Faktor: 15 Prozent.

Was habe ich gelernt an diesem Kino-Tag im Bett? Dass Audrey mehr ist als Amélie, durchaus. Aber sie war am besten damals. Sie hat dieses Märchengesicht, eine Mischung aus Audrey Hepburn und Dornröschen, das ein Glücksfall für diesen Film war. Wenn die Welt geteilt ist in Amélie-Fans und -Hasser, dann bin ich ein Fan. Ich werde Amélie auch in Tautous mürrischem Gesicht suchen, wenn ich ihr zusehe, wie sie Coco Chanel ist. Ich und Millionen andere.

Selbstversuch Stefan Bartels
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