Im Kino: Der Vorleser


Michael ist 15 und muss sich übergeben, als die Liebe seines Lebens vor ihm steht. Hanna, 21 Jahre älter, lässt sich auf eine Beziehung ein. Nach wenigen leidenschaftlichen Wochen verschwindet sie plötzlich spurlos, Jahre später erfährt Michael die Wahrheit über sie. Jetzt kommt die Verfilmung von Bernhard Schlinks Beststeller "Der Vorleser" ins Kino

Fiebrig torkelt Michael (David Kross) durch die Straßen des Nachkriegs-Berlins und muss in einem Hauseingang erbrechen. Ohne zu zögern hilft ihm eine Anwohnerin (Kate Winslet) auf die Beine und bringt ihn nach Hause. Dort stellt der Arzt Scharlach fest. Monate später, nachdem Michael seine Krankheit auskuriert hat, möchte er sich bei der Fremden mit einem Blumenstrauß bedanken. Durch den Spalt ihrer offenen Wohnungstür sieht er zu, wie sie sich gerade umzieht. Als die Frau ihn bemerkt, rennt er davon.

Im Kino: Der Vorleser

Hanna ist für Michael pure Verführung
Hanna ist für Michael pure Verführung
© Senator

Tage später kommt er zurück und hilft ihr, Kohlen aus dem Keller hochzutragen. Völlig verrußt lässt Hanna ein Bad für ihn ein. Als sich beide nackt gegenüberstehen, können sie der Versuchung des anderen nicht widerstehen und schlafen miteinander.

Michael besucht Hanna jetzt regelmäßig. Jedes Mal haben sie Sex. Danach soll er ihr immer aus seinen Schulbüchern vorlesen: "Odysseus", "Huckleberry Finn" oder "Die Dame mit dem Hündchen". Sie liebt es, wenn er ihr vorliest. Doch eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden, ihre Wohnung leergeräumt. Michael hat Liebeskummer und ist völlig verwirrt.

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Michael als Jurastudent auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung
Michael als Jurastudent auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung
© Senator

Der große Schock

Erst acht Jahre später sieht er Hanna wieder. Als Jura-Student in Heidelberg nimmt Michael an einer Gerichtsverhandlung gegen Verbrecher des Naziregimes teil. Hanna sitzt auf der Anklagebank. Michael ist geschockt. Sie war Aufseherin in Auschwitz und wird des Mordes an mehreren hundert Juden beschuldigt.

Sie hat damals ausgewählt, wer im Lager bleibt und wer getötet wird. Außerdem soll sie ein Dokument verfasst haben, dass die Verbrennung einer abgesperrten Kirche voller Juden bestätigt. Belastendes Material, das ihre Strafe um etliche Jahre verlängern könnte. Eine Schriftprobe soll den Beweis bringen. Hanna verzichtet auf die Schriftprobe und gesteht, das Schreiben aufgesetzt zu haben.

Ralph Fiennes in der Rolle des älteren Michaels
Ralph Fiennes in der Rolle des älteren Michaels
© Senator

Michael wird klar, dass Hanna gar nicht Lesen und Schreiben kann und nur aus Scham auf die Schriftprobe verzichtet. Er ist hin- und hergerissen zwischen dem Mitgefühl für die Opfer und seinen immer noch vorhandenen Gefühlen für Hanna. Wird er ihr aus alter Liebe helfen und dem Richter die Wahrheit sagen?

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Regisseur Stephan Daldry während der Dreharbeiten
Regisseur Stephan Daldry während der Dreharbeiten
© Senator

Das sagt Bernhard Schlink

"Wir wuchsen bis zu dem Punkt sehr naiv auf, bis wir plötzlich realisierten, was unsere Eltern und Pastoren und Lehrer getan haben", sagt Schlink über die Kinder der Nachkriegszeit.

Verfilmt hat die Wirrungen der Nachkriegsgeneration Regisseur Stephen Daldry ("The Hours", "Billy Elliot"). Allein wegen

überzeugender Darstellung der Hanna sollte man den Film nicht verpassen. Kein Wunder, dass sie für diese Rolle mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin und dem Golden Globe als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

("Krabat", "Knallhart") macht als junger Michael eine gute Figur.

spielt den erwachsenen Michael.

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Text Corinna Lücke

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