Interview: "The Knights"

Ein eigenes selbstfinanziertes Album, Vorband von "The Rifles" und ein Auftritt bei Rock am Ring: Die Hamburger Indie-Band "The Knights" verrät, wie man auch ohne Plattenlabel durchstarten kann.

Lennart (24), Khouzama (24), Marvin (25) und Paul (25) sind "The Knights" aus Hamburg

Ein Bein im Proberaum, das andere im Alltag

Dass die vier Jungs von "The Knights" rocken können haben sie bei zahlreichen Auftritten bewiesen. Jetzt wollen sie ihre Fans auch an den Bildschirmen überzeugen und haben deshalb gerade das Video zur Single "James Dean" veröffentlicht. Das Video seht ihr hier

Wir sprachen mit Marvin Rinas (Gesang/Bass), Lennart Plutat (Gitarre), Al-Khouzama Sabour (Schlagzeug) und Paul Uhlig (Keyboard/DJ) über Schwierigkeiten, Aufgaben und Hoffnungen einer jungen Band ohne Plattenvertrag.

Brigitte Young Miss: Ihr macht schon seit 2003 zusammen Musik. Woher kommt der plötzliche Ehrgeiz?

Khouzama: Vor ungefähr einem Jahr hatten wir das Gefühl auf der Stelle stehen zu bleiben. Wir hatten keine Lust mehr auf unser "Schülerband-Image", daher mussten wir uns entscheiden, ob wir aufhören oder uns zusammenreißen. Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden, den eigenen Schweinehund überwunden und an unserem Sound gefeilt.

Paul: Vor einigen Jahren haben wir trotz schlechten Sounds Jugendhäuser gefüllt. Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, hat uns den Willen gegeben, weiterzumachen und besser zu werden.

Marvin: Ich glaube, dass in jedem Neuanfang das Potential liegt, sich weiterzuentwickeln. Daher ist es gut, Pfeiler zu setzen und eine Sache neu zu beginnen, ohne die Vorgeschichte zu vergessen.

Brigitte Young Miss: Was macht ihr jetzt anders?

Lennart: Man muss hinter der Musik stehen, die man macht. Wenn man seine Musik nicht selber feiert, dann werden das andere Leute auch nicht tun. Früher haben wir einfach einen Song geschrieben und gedacht "Ja, das klingt ganz gut". Heute schreiben wir Songs, zu denen wir selber feiern gehen würden.

Marvin: Wenn wir uns heute Songs von früher anhören, merkt man, dass wir beim Schreiben von Songs nicht so stringent waren, wie wir das heute sind und Dinge, die heute selbstverständlich geworden sind, nicht hinterfragt haben.

Brigitte Young Miss: Ihr seid also routinierter...

Lennart: Unsere Musik entsteht aus dem Gefühl heraus, aber man hat schon am Anfang fast immer eine klare Vorstellung und eine Strategie, wie ein Song klingen soll.

Marvin: Wenn wir uns vornehmen einen tanzbaren Song zu schreiben, gehen wir natürlich mit einem anderen Tempo an einen Song heran, als wenn eine Ballade entstehen soll. Auf einer guten Idee eines anderen wird aufgebaut, und das funktioniert nur organisch, weil kein Mitglied dieser Band ohne das andere funktionieren würde.

<antwort name = "Lennart">Man muss aber auch sagen, dass wir lange dafür gebraucht haben, bandorientiert zu spielen, also dass jeder sein Instrument für den Song spielt und nicht für sich selber, um im Vordergrund zu stehen.

Interview: "The Knights"

Auf der nächsten Seite: "The Knights" über ihre musikalischen Einflüsse und die Basics einer gut funktionierenden Band

Paul, Lennart, Khouzama und Marvin

"Geil, knackig, tanzbar"

Brigitte Young Miss: Muss man sich an Trends der Musikszene orientieren um erfolgreich zu sein?

Khouzama: Das Spektrum, was man selber an Musikgeschmack hat, geht meiner Meinung nach zu 90 Prozent in die Musik ein, die man schreiben möchte. Die Musik, die man macht und die Musik, die man gerne hört, bilden einen Kreislauf.

Lennart: Trends sind nichts Schlechtes, sie können so etwas wie ein Leitfaden für die eigene Kreativität sein. Dennoch sollte man sich hin und wieder von ihnen frei machen, um selber welche setzen zu können.

Brigitte Young Miss: Wie würdet ihr euch als Band musikalisch in drei Stichworten einordnen?

Marvin: Geht nach vorne

Khouzama: Geil, knackig, tanzbar

Brigitte Young Miss: Welche Musiker inspirieren euch?

Marvin: Neben Tom Yorke von Radiohead und Fat Mike von NOFX, inspirieren mich vor allem Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die mit viel Herzblut, Elan und Arbeit Musik machen.

Khouzama: Ich habe mir von vielen Stilistiken - von Klassik bis Grind Core - immer etwas herausgepickt.

Lennart: Meine Inspiration liegt im Proberaum selbst. Die Idee, kreative Energie innerhalb von wenigen Stunden in einen Song umzuwandeln, ist inspirierend.

Brigitte Young Miss: Was sind die Basics einer gut funktionierenden Band?

Marvin: Es sollte ein Gleichgewicht zwischen Input und Output herrschen. Wenn man die Frage, ob das Ganze die Energie wert ist, mit "Ja" beantworten kann, weiter so! Und natürlich braucht man einen ordentlichen Proberaum mit guter Akustik, um professionell Proben zu können.

Brigitte Young Miss: Jede Band will besonders sein. Was unterscheidet euch von anderen jungen Nachwuchsbands?

Lennart: Das Wichtigste ist die Inszenierung seiner Musik. Ich glaube, dass wir live ein überzeugendes Programm liefern, weil die Musik stimmt und weil die Band stimmt. Dazu gehört natürlich auch viel Promotion und dass man die richtigen Leute kennt und sie ködert.

Paul: Um es auf dem Punkt zu bringen: Man muss relevant sein. Wir machen tatsächlich gute Musik! Es klingt vielleicht unfair, aber die meisten machen einfach langweilige Rockmusik.

Auf der nächsten Seite: "The Knights" über gute Organisation, Prioritäten und ihr selbstfinanziertes Debütalbum

Lennart (24), Khouzama (24), Marvin (25) und Paul (25) sind "The Knights" aus Hamburg

"Netzwerken ist das A und O"

Brigitte Young Miss: Gibt es ein Rezept, das zum Erfolg führt?

Paul: Netzwerken ist das A und O. Man kann heute viele Leute über das Internet erreichen. Myspace, StudiVZ und Facebook sind Pflicht, um auf sich aufmerksam zu machen.

Khouzama: Der gegenseitige Support ist auch ziemlich wichtig. Unser Netzwerk besteht aus Freunden, die uns beim Graphikdesign, beim Transport der Instrumente, Pressearbeit und beim Organisieren von Konzerten helfen.

Marvin: Kurt Cobain hat in seinen Tagebüchern geschrieben, dass eine gute Band vier Tage in der Woche für die Band braucht. Wir proben zwar nur dreimal in der Woche, aber wenn man unsere Konzerte am Wochenende dazuzählt, kommt das hin.

Lennart: Man muss aber auch bedanken, dass es nicht nur die reine Probezeit ist, sondern dass man die ganze Organisation nicht vergessen darf. Die Koordination hinter den Konzerten ist ziemlich zeitintensiv und da leiden dann schon mal der Freundeskreis und das Studium.

Brigitte Young Miss: Ihr habt die Aufnahmen eures ersten Albums selber finanziert. Hat sich diese Investition gelohnt?

Marvin: Ja, das war es wert, weil sich heutzutage tausende von Bands bei Plattenlabels mit hochqualitativen Aufnahmen bewerben. Daher sind Plattenlabels nicht mehr bereit Geld in vermeintlich gute Bands stecken, sondern wollen ein Produkt, an dem noch einige Ecken und Kanten geschliffen werden müssen. Es fehlt an Geduld und finanziellem Potential, daher muss eine Band das alles im Vorfeld selber machen.

Lennart: Außerdem suchen Labels Bands, die sich schon bewiesen haben und über einen längeren Zeitraum hinter ihrer Musik stehen. Am besten hat so eine Band schon eine eingeschweißte Fangemeinde und etliche Konzerte gespielt. Man muss schon ziemlich weit gekommen sein, um bei einem Label Erfolg zu haben, aber bis dahin heißt es, sich die Finger wund zu spielen und Zeit in Proben zu investieren.

Paul: Vor 15 Jahren hätte die Produktion eines Albums ca. 50.000 Euro gekostet. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten und wahrscheinlich hat jeder irgendwo in seinem Umfeld eine Person, die für ein paar hundert Euro ein Album produziert. Wenn man das Album selber am Computer aufnimmt, klingt es vielleicht nicht ganz so, wie man es sich vorstellt, aber es ist ein Anfang.

"James Dean"- das Video zur Single

"Heart of Gold" heißt das selbstproduzierte und selbstfinazierte Album der Knights

Brigitte Young Miss: Seid ihr auf der Suche nach einem Plattenlabel, welches euch unter Vertrag nimmt?

Lennart: Es ist ein absoluter Irrglaube, wenn man davon ausgeht, dass ein Label immer die Lösung für Erfolg ist. Eine Band, die es nicht hinbekommt eine kleine Tour zu organisieren, regelmäßig zu proben, für sich Werbung zu machen, braucht auch kein Label. Seit einem Monat haben wir einen Manager, der für uns seine Beziehungen spielen lässt.

Brigitte Young Miss: Vor kurzem ist das Video zur Single "James Dean" erschienen. Das wirkt alles sehr professionell...

Paul: Danke!

Lennart: Wir haben beim Videodreh mit absoluten Profis zusammenzuarbeiten. Der Kammermann Felix Storp hat zum Beispiel das letzte Video für Udo Lindenberg gedreht.

Marvin: Normalerweise hätten wir uns die Produktion für das Video gar nicht leisten können. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatten das Glück, Leute zu treffen, die bereit waren, etwas zu riskieren.

Brigitte Young Miss: Worum geht es in dem Video?

Khouzama: Das Video hat viele Facetten. Wir rocken auf einer Modenschau, in einer Tiefgarage und in einem Loft. Eine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen.

Lennart: Aber hauptsächlich geht es um unsere Inszenierung als Band im Zeitalter des Internet...

Paul: ...und das Internet bietet kleinen Bands die Möglichkeit, groß rauszukommen und darum veröffentlichen auch wir unser Video bei Youtube.

Das Video "James Dean" vom Debütalbum "Heart of Gold" könnt ihr euch auf hier anschauen.

Text Alina Piening
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