Interview mit Christian Ulmen: "Uwe Wöllner macht mir ungemein Spaß"

Ob Knut Hansen, Alexander von Eich oder aktuell Frerk Ohm: Christian Ulmen schreckt mit seinen Figuren vor nichts zurück. Jetzt hat er den schrägsten seiner Charaktere ein eigenes Buch schreiben lassen: Uwe Wöllner -

Uwe Wöllner ist 31 Jahre alt. Seine freie Zeit verbringt er am liebsten am heimischen Computer in Hannover-Garbsen, wo er Tag und Nacht "Mortal Kombat" spielt und Mamas Milchreis löffelt. Doch die Idylle hat ein jähes Ende, als seine Mutter beim Hockeyturnier von Niedersachsens Seniorinnen tödlich von einem Ball am Kopf getroffen wird. Nun sind Uwes heimelige Tage gezählt, denn sein Vater und Bruder Gerd wollen das Muttersöhnchen so schnell wie möglich loswerden. Ehe er sich versieht, findet Uwe sich im Zug nach Berlin wieder, sein ganzes Hab und Gut (inklusive der zusammengerollten Eva Mendes- und Britney Spears Poster) in einem Seesack verstaut. Dort hat sein Vater ihm eine 1-Zimmer-Wohnung und einen Job beim Bestattungsunternehmer beschafft. "Okidoki", denkt sich Uwe und freundet sich schnell mit einem Leben abseits von Garbsen an. In seinem Nachbar Torsten hat er schnell einen besten Kumpel gefunden (dass dieser erst zwölf ist, stört Uwe nicht weiter), und im Puff um die Ecke entdeckt er die Liebe seines Lebens. Klar, dass irgendwo ein Haken an der Sache sein muss...

Uwe Wöllner: Okidoki und Obergoilst

Christian Ulmen spielt das leicht debile Muttersöhnchen Uwe Wöllner.

Ob als abgehalfteter Countrystar Knut Hansen, elitärer Stilcoach Alexander von Eich oder Bayern-Fan Frerk Ohm: Christian Ulmen ist einfach großartig. Und der zurückgebliebene, leicht autistisch wirkende Uwe Wöllner, dessen Lieblingswörter "goilst" und "okidoki" sind, sowieso. Dieser Uwe hat nun also ein Buch geschrieben. Über sich und sein Leben außerhalb von Hannover-Garbsen. Das reicht von witzig, über tragisch-komisch bis hin zu tieftraurig, mitunter absurd und wahnsinnig eklig. Aber auf jeden Fall wahnsinnig lesenswert.

Videos von Uwe Wöllner und Christian Ulmens anderen Alter Egos findet ihr auf www.ulmen.tv.

Christian Ulmen Für Uwe Originalausgabe Kindler Taschenbuch, 224 Seiten 14,90 EUR ISBN: 978-3-463-40563-6

Mehr Informationen zum Buch sowie Bestellmöglichkeit unter www.rowohlt.de

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Christian Ulmen im Interview

BRIGITTE Young Miss: Herr Ulmen, warum hat gerade Uwe Wöllner ein Buch geschrieben und nicht Knut Hansen oder Alexander von Eich?

Christian Ulmen: Uwe ist der vieldimensionalste der ulmen.tv-Charaktere. Er ist als fiktionale Figur ergiebiger. Knut Hansen & Alexander von Eich sind eher klassische agents provocateurs ohne Tiefgang.

BRIGITTE Young Miss: Wie würden Sie Uwe Wöllner beschreiben, was ist er für ein Typ?

Christian Ulmen: Naiv, neugierig, unverstellt, nervig - hart aber herzlich.

BRIGITTE Young Miss: Ist Uwe Wöllner nicht eigentlich eine ganz tragische Person und gerade keine Witzfigur?

Christian Ulmen: Niemand hat jemals behauptet, Uwe sei eine Witzfigur. Er hat manchmal etwas Tragisch-Komisches, manchmal etwas Charismatisch- Tapferes. Uwe ist ein Mensch. Hin und wieder bemitleidenswert, hin und wieder bewundernswert. Auf alle Fälle: Prädikat wertvoll.

BRIGITTE Young Miss: Wie entsteht so eine Figur in Ihrem Kopf?

Christian Ulmen: Das ist ein Prozess. Reale Vorlagen, Inspirationen und Musen, sowie komplette Kopfgeburten spielen eine Rolle. An einem bestimmten Punkt gibt es eine Eigendynamik. Die Figur beginnt zu leben, nimmt dich an die Hand, zeigt dir ihre Welt. So ist das Buch entstanden.

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Christian Ulmen und sein Alter Ego Uwe Wöllner: "Die Gefahr, schizophren zu werden, ist ziemlich groß"

BRIGITTE Young Miss: Erst Knut Hansen, jetzt Uwe Wöllner: Macht es Ihnen Spaß, kaputte Typen zu spielen?

Christian Ulmen: So kaputt sind die gar nicht. Vielleicht etwas beschädigt. Wie wir alle, ein wenig vom Leben gebeutelt. Auffällig ist ja, wie sehr diese stereotyp angelegten Figuren das Fremdeln mit einer anderen sozialen Schicht, mit geschmäcklerischen Dingen im Gegenüber entlarven. Ebenso eine zu große Ehrfurcht vor falschen Autoritäten, wie bei Alexander von Eich, den Sie hier zum Beispiel nicht als kaputten Typen aufgeführt haben.

BRIGITTE Young Miss: In welche Rolle schlüpfen Sie am liebsten?

Christian Ulmen: Zurzeit macht mir Uwe Wöllner ungemein Spaß.

BRIGITTE Young Miss: Wie groß ist die Gefahr, schizophren zu werden?

Christian Ulmen: Ziemlich groß. Einziger Vorteil: Ich kenne meine Gespenster in- und auswendig. Es sind keine fremden Stimmen.

Uwe Wöllner und sein "Produktionsteam", das ihn für ulmen.tv auf Schritt und Tritt begleitet

BRIGITTE Young Miss: Wie erhält man so viele Figuren gleichzeitig am Leben?

Christian Ulmen: In dem man sie täglich gießt, wie Sommerblumen auf einem Balkon.

BRIGITTE Young Miss: Haben Sie es nicht manchmal satt, immer und überall witzig zu sein?

Christian Ulmen: Ich bin nicht immer witzig. Vor allem nicht überall. Aber ich denke, es ist hilfreich, wenn man alles, was einem passiert, mit einer gewissen Leichtigkeit entgegen nimmt.

BRIGITTE Young Miss: Ihre TV-Sendung "Mein neuer Freund" hatte keine hohen Einschaltquoten. Ist das deutsche Publikum vielleicht zu blöd für Ihren Humor?

Christian Ulmen: Das ist nett, dass Sie antizipieren, dass Menschen, die umschalten, wenn sie mich sehen, blöd sind. Nein, ich denke mit Intelligenz, hat das nichts zu tun, tatsächlich eher mit Kulturgeschichte. In England gibt es eine viel reichere Bandbreite an Komik. Das wünsche ich mir hier in Deutschland zukünftig auch.

Interview mit Christian Ulmen: "Uwe Wöllner macht mir ungemein Spaß"

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