Hallam Foe - This is my story

Skurril, charmant, verträumt und durchgeknallt: "Hallam Foe - this is my story" erzählt eine eigenartige Geschichte über das Erwachsenwerden. Ohne Angst vor Tabus - einfach direkt. Und das geht mitten ins Herz

Der 17 Jahre alte Hallam Foe (Jamie Bell) ist ein Einzelgänger. Statt es sich mit seinem Vater Julius (Ciarán Hinds) und seiner Stiefmutter Verity (Claire Forlani) auf deren Anwesen gemütlich zu machen, vertreibt er sich die Zeit viel lieber in seinem Baumhaus. Dort versteckt er einen wertvollen Schatz: EinerKiste voller Andenken an seine verstorbene Mutter. Kleider, Schminke, alte Fotos und ihren Reisepass. Erstere zwei benutzt er gerne mal, um sich für einen seiner Streifzüge zurechtzumachen. Doch sein liebstes Accessoire ist sein Fernglas. Damit schleicht er sich in das Leben anderer - beobachtet ihren Alltag, ihre kleinen Geheimnisse. Dabei bleibt er stets stiller Beobachter und merkt kaum, wie sein eigenes Leben klanglos an ihm vorbeizuziehen droht.

Nach einer Auseinandersetzung mit Stiefmutter Verity, die er für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht, und auf der Suche nach der Wahrheit über ihren Tod reist Hallam nach Edinburgh. Dort trifft er Kate (Sophia Miles), die attraktive Personalchefin eines Nobelhotels, und bringt sie dazu, ihm einen Job als Tellerwäscher zu vermitteln. Fasziniert von Kate folgt er ihr nach der Arbeit durch die Straßen der Stadt und findet im Dachboden des Hotelturms einen Schlafplatz mit direktem Blick in Kates Wohnung.

Eroberung eines Herzens

Von seinem Versteck aus kann er jedoch nicht nur die schöne Kate beobachten, er lernt auch bald ihren schäbigen Liebhaber kennen, den Hotelmanager Alasdair. Der ertappt ihn beim Spionieren und versucht, ihm das Leben schwer zu machen. Doch Hallam - viel selbstbewusster als früher - lässt sich nicht mehr so leicht verunsichern und schafft es sogar, Kates Herz zu erobern.

Dann erscheinen seine Eltern zu einem Überraschungsbesuch, und Hallams angenehmes Stadtleben ist zunächst vorbei. Doch es gelingt ihm, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – und erwachsen zu werden.

Ein Wechselbad der Gefühle

Regisseur David Mackenzie ("Young Adam") hat für "Hallam Foe - this is my story" das gleichnamige Buch von Peter Jinks zugrunde gelegt (in Deutschland unter dem Titel "Über den roten Dächern" erschienen) und inszeniert einen Film mit lustigen, melancholischen, ernsten sowie skurrilen Momenten. Die Figur Hallam fasziniert die Zuschauer und nimmt sie mit auf eine Reise zu den Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens. Hallam ist total durchgeknallt - das steht außer Frage. Trotzdem wirken seine Gefühle echt und die Figur authentisch.

Das hat die Figur Hallam dem Schauspieler Jamie Bell zu verdanken. Er hatte schon als "Billy Elliot"-Star begeistert. Und den Titelhelden Hallam Foe mimt er nun mit überzeugender Vitalität und viel Charme. Claire Forlani ("Rendezvouz mit Joe Black") bleibt in der Rolle der Stiefmutter bis zuletzt unberechenbar, und Sophia Myles als schöne, etwas verruchten Kate verzaubert die Zuschauer.

Fazit: "Hallam Foe - this is my story" ist ein melancholischer, charmanter und humorvoller Film, eine Liebesgeschichte und ein Coming-of-Age-Movie in einem. Dennoch bleibt seine Handlung nicht allzu lange im Gedächtnis - vielleicht wegen seiner überdrehten Art. Dafür ist der Britpop-Soundtrack (mit dem Titelsong "Hallam Foe Dandelion Blow" von Franz Ferdinand) umso eingängiger und dafür mitverantwortlich, dass sich der verrückte Hallam Foe doch noch dauerhaft in die Köpfen der Zuschauer einnistet.

Bildmaterial PROKINO Filmverleih GmbH
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