Juno

Ein kleiner Film erobert alle Herzen im Sturm, wird in den USA zum Kassenschlager und bekommt obendrauf noch einen Oscar. Wie das geht? Jason Reitmans wunderbar witzige Komödie über das Erwachsenwerden zeigt es uns

Als Diablo Cody das Drehbuch zu "Juno" schrieb, hätte die 29-Jährige wahrscheinlich nicht im Traum daran gedacht, dass sie für ihr Erstlingswerk gleich einen Oscar abstauben würde. Dabei ist das Erfolgsrezept ganz einfach: Man nehme eine einfache Story, mixe sie mit brillanten Darstellern und witzigen Dialogen und gebe obendrauf einen guten Regisseur - und schon kommt dabei ein unkonventioneller Film mit viel Witz und einer tollen Inszenierung heraus:

Juno

Girl Power hat einen Namen: Juno

Juno MacGuff (Ellen Page) ist ein selbstbewusstes 16-jähriges Mädchen, das nach ihren eigenen Regeln lebt und mit ihrer vorlauten Art nicht überall gut ankommt. Während andere Mädchen ihre Zeit mit Shopping-Touren und anderem Teenie-Kram vertrödeln, möchte Juno lieber etwas erleben. Und so entschließt sie sich an einem langweiligen Nachmittag, mit ihrem unscheinbaren Kumpel Paulie Bleeker (Michael Cera) "sexual active" zu werden. Doch, Juno wäre nicht Juno, wenn dieses erste Mal nicht ohne Folgen bliebe: Sie wird schwanger.

Während Paulie leicht panisch reagiert, bleibt Juno cool. Sie weiß, dass sie das Kind nicht behalten kann. Den ersten Gedanken "Abtreibung" verwirft sie jedoch ganz schnell wieder, als sie erfährt, dass der Fötus bereits Fingernägel hat. Also heckt sie zusammen mit ihrer besten Freundin Leah (Olivia Thirlby) einen Plan aus, wie es weitergehen soll. Leah schlägt vor, dass Kind zur Adoption frei zu geben. Gesagt, getan und so finden die beiden durch eine Zeitungsannonce die perfekten Adoptiveltern: Mark (Jason Bateman) und Vanessa Loring (Jennifer Garner), ein wohlhabendes aber kinderloses Ehepaar aus der Vorstadt, denen zu ihrem Glück nur noch ein Kind fehlt.

Suche Eltern, biete Kind

Tja, wäre da nur noch ein Problem: Juno muss es ihrem Vater Mac (J.K. Simmons) und ihrer Stiefmutter Bren (Allison Janney) beichten. Diese reagieren nach dem ersten Schock (warum ausgerechnet mit dem unmännlichen Bleeker?) relativ gelassen und wollen der werdenden Mama bei ihrem Vorhaben helfen. Während ihr Vater sie bei den Nachforschungen über das auserwählte Paar unterstützt, bereitet sie Bren auf die Vorurteile gegenüber minderjährigen Schwangeren vor.

Im Laufe der Schwangerschaft lernt Juno die Adoptiveltern immer besser kennen. Vor allem zu Mark entwickelt sie ein freundschaftliches Verhältnis. Doch während der Geburtstermin immer näher rückt und Juno und Bleeker langsam zueinander finden, zeigen sich erste Risse im idyllischen Leben von Mark und Vanessa...

Kleiner Film, ganz großes Kino

Dass Juno allein in den USA bereits über 100 Millionen Dollar einspielte und daneben noch mehrere Preise abstaubte, liegt vor allem an einer Tatsache: Diese Komödie ist originell, charmant und voller Situationskomik. Die Originalität des Films haben wir in erster Linie Drehbuchautorin Diablo Cody zu verdanken, die es zusammen mit Regisseur Jason Reitman geschafft hat, ein ernstes Thema amüsant aufzubereiten, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass Cody eigene Erlebnisse aus ihrer Jugend im Drehbuch einfließen ließ. So hat sie selbst miterlebt, wie eine Highschool Freundin ungewollte schwanger wurde und das Kind austrug. Juno ist jedoch mehr als nur ein Film über eine Teenie-Schwangerschaft sondern vielmehr geht es um die Suche nach den eigenen Zielen um Leben. Dabei bringt Cody die Figuren, ihre Entwicklung und Probleme so echt, liebevoll und ganz ohne überzogene Dramatik rüber, dass wir die Protagonisten sofort in unser Herz schließen.

Brillante Darsteller

Vor allem beeindruckt Ellen Page als Juno, die sich mit ihrer lässigen Einstellung durch ein neunmonatiges Abenteuer ins Erwachsenenleben kämpft. Page verleiht dieser Highschool-Göre eine einzigartige und authentische Austrahlung. Auch die anderen Rollen sind gut besetzt: J.K. Simmons als gutmütiger Vater und Michael Cera als lieber aber leicht schrulliger Bleeker sorgen für eindrucksvolle Szenen. Auch Jennifer Garner überrascht als spießige und durchgeplante Vorstadt-Frau in einer ganz anderen Rolle.

Fazit: Ein heiterer und origineller Film über ein ernstes Thema mit brillanten Darstellern und einer einzigartigen Umsetzung, die ans Herz und an die Lachmuskeln geht. Unbedingt ansehen!

Bilder Twentieth Century Fox
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