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Liebesleben


Jetzt ist es soweit - sieben Jahre nach Erscheinen des Besteller-Romans von Zeruya Shalev wurde die Geschichte über die leidenschaftliche Liebe zwischen der jungen Jara und dem wesentlich älteren Arie auf die Leinwand gebracht. Ein Ereignis, auf das sich nicht nur Roman-Fans freuen dürfen!

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Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe Jara (Netta Garti) ihr Leben voll im Griff. Die begabte 30-jährige Israelin studiert Religionswissenschaften und hat gute Aussichten auf eine Karriere an der Universität. Mit ihrem Ehemann Joni (Ishai Golan), der sie über alles liebt, ist sie vor kurzem in eine neue Wohnung gezogen. Auch zu ihren Eltern (Tovah Feldshuh und Stephen Singer) hat sie ein sehr enges Verhältnis.

Doch es gibt Begegnungen im Leben, die alles verändern. Solch eine Begegnung macht Jara, als sie Arie (Rade Sherbedigia), einen alten Studienfreund ihres Vaters, kennen lernt, der nach jahrelangem Paris-Aufenthalt unverhofft in ihrem Elternhaus in Jerusalem auftaucht. Ein Überraschungsbesuch, auf den nicht nur ihre Eltern merkwürdig reagieren, sondern der auch Jara völlig aus der Bahn wirft.

Liebesleben
© X-Verleih

Vom ersten Moment an übt der lebenserfahrene, selbstgefällige und egozentrische Mann eine geheimnisvolle Kraft auf sie aus, die Jara alles um sich herum vergessen lässt: ihre Verpflichtungen, ihre Freundin Shira (Clara Khoury) und selbst ihren Ehemann. Nach einer zufälligen erotischen Begegnung in der Umkleidekabine einer Boutique stürzt sich Jara Hals über Kopf in eine obsessive und teilweise erniedrigende "Amour Fou" mit dem wesentlich älteren Arie, der sie dazu bringt, Dinge zu tun, die sie sich niemals hätte vorstellen können und die gegen ihre Vorstellungen von Anstand und Moral verstoßen.

Jara ist entsetzt über ihr Verhalten. Gleichzeitig fällt es ihr schwer, sich von diesem Mann zu lösen, dessen Schicksal eng mit dem ihrer eigenen Familie verknüpft zu sein scheint. So macht sich Jara auf die Suche - nicht nur nach sich selbst, sondern auch nach einem Familiengeheimnis, das ihr bisheriges Leben und das ihrer Eltern belastet hat.

Vom Buch zum Film

Liebesleben
© X-Verleih

"Liebesleben" erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die durch eine leidenschaftliche Affäre aus ihrem geregelten Leben ausbricht, um schließlich zu sich selbst zu finden. Hunderttausende von begeisterten Lesern hat Zeruya Shalev mit dem gleichnamigen Roman weltweit in ihren Bann gezogen. Sie nicht zu enttäuschen, war eine Herausforderung, der sich die Schauspielerin Maria Schrader ("Aimée & Jaguar) in ihrer ersten Regiearbeit, für die sie zusammen mit Leila Stieler auch das Drehbuch schrieb, gestellt hat: "Der Roman ist eine Ich-Erzählung, man steckt in Jaras Kopf. Es wird einem schwindelig vom Strom ihrer Gedanken, Assoziationen, Beobachtungen. Alles was mich an diesem Roman fasziniert hat, kann man eigentlich nicht filmen."

Die Innenansicht Jaras auf die Leinwand zu bringen, war daher ein ehrgeiziges Projekt, das Maria Schrader jedoch vollends geglückt ist. Auch wenn viele Stellen gekürzt wurden und sich der Fokus des Drehbuchs von der Beschreibung der erotischen Beziehung leicht in Richtung Familiendrama verschiebt - wer das Buch geliebt hat, wird von dem Film nicht enttäuscht sein, denn auch ohne ausschweifende Sex-Szenen wird Jaras Konflikt deutlich.

Zeruya Shalev und Maria Schrader
Zeruya Shalev und Maria Schrader
© X-Verleih

Neben Soundtrack und Kameraführung liegt dies nicht zuletzt an der großartigen israelischen Schauspielerin Netta Garti, deren Blicke und Gesten in der Rolle der Jara mehr aussagen als eine ganze Romanseite. Nicht zuletzt fasziniert die deutsch-israelische Co-Produktion mit wunderschönen Bildern aus Jerusalem, einer Stadt, die man sonst nur aus den politischen Schlagzeilen kennt.

Fazit: Wunderschöne Bilder, gute Darsteller und ein Thema, das unter die Haut geht. Unbedingt ansehen!

TEXT: Elisabeth Kaulen BILDMATERIAL: X-Verleih


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