Takva - Gottesfurcht

Darum bemüht, ein guter Moslem zu sein, führt Muharrem ein gottesfürchtiges Leben. Als er vom Oberhaupt seines Glaubensordens eine Anstellung angeboten bekommt, nimmt er diese aus Treue zum Orden an. Für seinen neuen Job muss Muherrem jedoch seine heile Welt verlassen...

Bis zu seinem 45. Lebensjahr übte sich Muharrem (Erkan Can) hauptsächlich in Bescheidenheit. Als Lagerverwalter eines Sackhändlers führt er ein schlichtes, streng nach dem Glauben eines muslimischen Ordens ausgerichtetes Leben, das sich ausschließlich auf der Arbeit, im Kloster und bei sich zu Hause abspielt. In seiner kleinen Welt begegnet er kaum fremden Menschen - geschweige denn Frauen - noch kommt er mit der westlichen Lebensart, wie sie in anderen Stadtteilen Istanbuls stattfindet, in Berührung. Er lebt allein dafür, ein guter Moslem zu sein. Einzig in seinen Träumen wird er mit weltlichen Bedürfnissen konfrontiert: Immer wieder unterliegt er den Verführungskünsten derselben Frau.

Traum oder Wirklichkeit?

Aufgrund seines bescheidenen und gutmütigen Charakters wird das Ordensoberhaupt auf Muharrem aufmerksam und sieht in ihm den geeigneten Mann für die "weltlichen Geschäfte" der Glaubensgemeinschaft. Ausgestattet mit einem schicken Auto, einem Fahrer, edlen Herrenanzügen, Handy und einer teuren Armbanduhr, zieht Muharrem als Vertreter des Ordens künftig die Mieten der zahlreichen Besitztümer des Klosters ein - und wird somit unausweichlich mit einer ihm fremden Welt konfrontiert.

Durch seinen neuen Job wird Muharrem mit Situationen konfrontiert, die er mit seiner Glaubensüberzeugung nicht vereinbaren kann. Geldgier, Alkoholismus, Gewalt: Was er früher klar in Traumwelt und Wirklichkeit unterteilen konnte, vermischt sich zusehends - und seine Welt droht zusammenzubrechen.

Von Aussen nach Innen

"Takva - Gottesfurcht" von Regisseur "Özer Kiziltan" ist ein aufwühlendes Drama, das sich der Kontroverse des Zusammenprallens westlicher Kultur und muslimischen Glaubens annimmt. Der von Fatih Akin ("Auf der anderen Seite") co-produzierte Film zeigt die Geschichte eines streng gläubigen Muslims, der mit der wirklichen Welt nicht zu Recht kommt und schlussendlich an seiner inneren Zerrissenheit zerbricht.

Mit Fingerspitzengefühl kehrt der Regisseur ein äußerst explosives Thema nach innen und zeigt es in Form eines menschlichen Zusammenbruchs, der die Zuschauer nachdenklich stimmt und tief berührt. Dabei bleibt der Film immer zurückhaltend, er zeigt auf ohne zu werten. So wurde der Film in der Türkei ebenso von religiösen wie auch von religionskritischen Kreisen positiv aufgenommen.

Fazit: "Takva - Gottesfurcht" ist ein berührender und nachdenklich stimmender Film. Er vermittelt einen Einblick in die Welt eines konservativen, muslimischen Ordens. Auf eine beeindruckend subtile Art wird die Geschichte von Muharrem gezeigt, der für seinen Glauben jegliche Individualität aufgibt, sich in der modernen Gesellschaft jedoch nicht zurecht findet. Ob man die Schuld für sein Scheitern der Religion, den Ordensführern oder seinem labilen Charakter zuschreiben kann, entscheidet jeder für sich. Die Frage lohnt sich aber allemal.

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TEXT: Cécile Blaser BILDER: Rif Film

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