Kino im Juni

Auch im Juni stellen wir euch die aktuellen Kinostarts vor: "Vergebung", der dritte Teil der Stieg Larsson-Trilogie und das Biopic "Amelia". Auch mit dabei ist ein Kinostart im Juli: "Women without men"

Im Kino: Vergebung

"Vergebung" ist nach "Verblendung" und "Verdammnis" der dritte Teil von Stieg Larssons Bestseller-Trilogie. Da stellt sich die Frage: Verstehen auch Larsson-Neulinge das Finale der Trilogie - ohne die Bücher gelesen oder die vorherigen Filme gesehen zu haben?

Der Film setzt als Wiederaufnahme eines offensichtlichen Cliffhangers an: Lisbeth Salander (Noomi Rapace) hat den Kampf mit Alexander Zalachenko, einem Drahtzieher mafiöser Machenschaften, schwerverletzt überlebt und wird in die Notaufnahme eingeliefert. Auch ihr Widersacher Zalachenko lebt noch. Beide will der schwedische Geheimdienst mit allen Mitteln daran hindern, die Verbindung Zalachenkos mit der Regierung auszuplaudern.

Währenddessen kämpft der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqist) unermüdlich für Gerechtigkeit und versucht, Salanders Unschuld zu beweisen. Ihr werden mittlerweile nicht nur die Morde an zwei Journalisten und ihrem ehemaligen Vormund, sondern auch versuchter Mord an Zalachenko angehängt. Gleichzeitig möchte Blomkvist um jeden Preis den Fall Salander als spektakuläre Story in seiner Zeitschrift "Millennium" veröffentlichen. Bei seinen Recherchen gerät auch er zunehmend ins Visier des Geheimdienstes...

Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen: Ist der dritte Teil auch für Einsteiger verständlich? Antwort: Ja, das ist er. Regisseur Daniel Alfredson, der bereits Regie bei "Verdammnis" geführt hat, inszeniert mit "Vergebung" einen mitreißenden Thriller, der trotz Überlänge die Spannung bis zur letzten Minute halten kann. Gut, einiges aus dem Film bleibt für Larsson-Neulinge wohl oberflächlicher als es im Zusammenspiel mit den ersten beiden Teilen wäre: So zum Beispiel die spezielle Beziehung zwischen Salander und Blomkvist oder die Machenschaften einer geheimen Gruppe, die das Komplott gegen Lisbeth Salander gestrickt hat. Doch das schmälert das Seherlebnis nicht im Geringsten. Die Ermittlungen im "Fall" Salander werden sozusagen "Hand-in-Hand" mit dem Publikum vollzogen und gelegentliche Unklarheiten durch Rückblenden erklärt.

"Vergebung" ist ein mitreißender Thriller - selbst für Larsson-Einsteiger. Was bleibt ist das Gefühl, dass man die ersten beiden Teile doch noch unbedingt mal sehen sollte.

Start: 3. Juni

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Im Kino: AMELIA EARHART

Amilia Earhart war eine bemerkenswerte Person: Als erste Frau flog sie im Alleingang über den Atlantik und den Pazifik, brach zahlreiche Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde und setzte sich als Pilotin, Dozentin sowie als Präsidentin des von ihr gegründeten Clubs der "Ninety Nines" für die Stärkung der Frauenrechte in der Luftfahrt ein. Als krönenden Abschluss ihrer Karriere versuchte die wagemutige Fliegerin 1937 als erster Mensch die Erde entlang des Äquators zu umrunden. Doch dieses letzte Abenteuer scheiterte: Amilia Earhart misslang eine Zwischenlandung während der Weltumrundung und sie verschwand spurlos irgendwo im Pazifik.

Bei dieser spannenden Ausgangsstory ist es erstaunlich, wie langweilig das neuste Biopic über Amilia Earhart (Hilary Swank) geraten ist: Regisseurin Mira Nair ("Monsoon Wedding") wird der faszinierenden Lebensgeschichte nicht ansatzweise gerecht und erzählt stattdessen eine langatmige Flieger-Romanze. Und das, obwohl der Film mit Hilary Swank als Amilia Earhart, Richard Gere als ihr Mann George Putnam und Ewan McGregor als ihr Lover Gene Vidal eigentlich hervorragend besetzt ist. Statt das Potenzial einer spannenden Ausgangsstory und guter Darsteller auszunutzen, liefert Nair schwülstige Dialoge, kaum Chemie zwischen den Darstellern sowie eine unnötige und verwirrende Rückblenden-Struktur. Auch die Charakterisierung der Protagonisten kratzt bedauerlicherweise nur an der Oberfläche.

Zudem vermittelt der Film nicht, dass Fliegen Anfang des 20. Jahrhunderts alles andere als selbstverständlich war. Selbst die dramatische Inszenierung eines misslungenen Startversuchs hilft da wenig und wirkt eher deplaziert. Bedauerlich ist auch, dass Fotos und Originalaufnahmen der Flug-Pionierin erst am Ende gezeigt werden und so der von Hilary Swank nicht überzeugend verkörperten Amelia leider zu spät Charakter verleihen.

Es ist enttäuschend, dass die Qualität der Ausgangsstory und die filmischen Umsetzung so weit auseinanderklaffen. Glücklich, wer ein Flugzeug zum wegfliegen hat.

Start: 17. Juni

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Im Kino: WOMEN WITHOUT MEN

"Women without Men" ist die Geschichte von vier sehr unterschiedlichen Frauen in Teheran im Jahr 1953: Munis (Shabnam Tolouei), die sich politisch engagieren möchte, aber von ihrem Bruder im Haus festgehalten wird. Faezeh (Pegah Ferydoni), ihre Freundin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als Munis' tyrannischen Bruder zu heiraten. Zarin (Orsi Tóth), eine junge Prostituierte, die verstört aus dem Bordell flieht. Und Fakhri (Arita Sharzad), die in einer freudlosen Ehe ihre Liebe zur Kunst verlor. Ausgelöst durch ein zufälliges Treffen mit ihrem kultivierten Ex-Liebhaber, möchte Fakhri nun ihren Mann und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen. Als Rückzugsort hat sie sich ein Landhaus inmitten eines verwunschenen Gartens ausgesucht. Nach und nach kommen auch Faezeh und Zarin in den Garten und finden Zuflucht und Ruhe im gemeinsamen Zusammenleben fernab der Stadt, während Munis ihren Traum politischen Widerstandes in Teheran lebt. Doch lange wahrt die Idylle nicht...

"Women without Men" basiert auf dem gleichnamigen Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur. Buch und Film verknüpfen die persönlichen Geschichten der vier Frauen mit den politischen Umwälzungen im Iran im Sommer 1953, als Iraner gegen den von Briten und Amerikanern initiierten Staatsstreich protestierten.

Regisseurin Shirin Neshat gelingt es, den surrealen Charakter der Literaturvorlage auch filmisch atmosphärisch umzusetzen. Mit wunderschönen, aber auch verstörenden Bildern erschafft sie eine fast traumähnliche Welt. Besonders der Garten wird dabei geradezu malerisch mit interessantem Farbeinsatz in Szene gesetzt. Dabei wird deutlich, dass "Women Without Men" der erste Spielfilm der Videokünstlerin ist: An einigen Stellen gelingt es ihr nicht ganz, die abstrakte Ästhetik der Videoinstallationskunst zugunsten einer nachvollziehbaren Filmhandlung zurückzunehmen.

Als Shirin Neshat 2003 mit der Arbeit an dem Film begann, konnte sie nicht ahnen, dass auch im Jahr seiner Fertigstellung heftige Straßenproteste im Iran toben werden. Das macht "Women Without Men" erstaunlich aktuell. Insgesamt ist der Film eine visuell ansprechende und poetische Erzählung und lässt einen nachdenklich zurück.

Start: 1. Juli

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