Kino im Mai

Auch im Mai stellen wir euch wieder die neuen Kinofilme vor. Diesen Monat mit dabei: "Robin Hood", "Vertraute Fremde", "Iron Man 2" und "Die Eleganz der Madame Michel"

Im Kino: ROBIN HOOD

Jeder kennt sie: Die Geschichte von Robin Hood aus Sherwood Forest, der von den Armen nahm und den Reichen gab, der für Gerechtigkeit und gegen den Sheriff von Nottingham kämpfte, der mit Little John befreundet und in Lady Marian verliebt war. In zahlreichen Filmen wurde die Legende um den mittelalterlichen Helden auf die Leinwand gebracht: als Stummfilm mit Douglas Fairbanks, als Heldenepos mit Kevin Costner oder als Parodie von Mel Brooks.

Die neueste Robin-Hood-Verfilmung stammt von Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner", "Gladiator") und wählt eine andere Perspektive auf den Rächer der Entrechteten: Scott erzählt die Geschichte von Robin Longstride (Russel Crowe), bevor er zu Robin Hood wurde. Im Mittelpunkt des Films steht nicht der Kampf gegen den Sheriff von Nottingham (Mathhew Macfadyen), sondern der Kampf gegen den intriganten und brutalen Sir Godfrey (Mark Strong), den unfähigen englischen König John (Oscaar Isaac) und die bevorstehende Invasion Englands durch die Franzosen. Aber keine Sorge: auch die Romanze mit Lady Marian (Cate Blanchett) kommt auch in dieser Robin-Hood-Version nicht zu kurz.

Ridley Scott inszeniert mit „Robin Hood“ einen bildgewaltigen Actionfilm. In rasant geschnittenen Bildern wird gekämpft und gemetzelt, was das Zeug hält. Scott vermittelt gekonnt die Brutalität mittelalterlicher Massenschlachten, ist dabei allerdings nicht frei von Pathos und Kitsch. So bleibt Robin und Marian zum Beispiel mitten im Schlachtgetümmel noch Zeit für ein romantisches Stelldichein - im blutgetränkten Küstenwasser. Nun ja, zumindest stimmt die Chemie zwischen den Darstellern.

Erfrischend ist, dass sich Ridley Scott dem schon so oft verfilmten Material aus einer neuen Perspektive nähert: Der bisherige Widersacher Robin Hoods, der Sheriff von Nottingham, kommt in diesem Film eher als lächerlicher Schwächling denn brutaler Bösewicht daher. Und so athletisch und kriegerisch wie durch Crowe wurde der talentierte Bogenschütze noch nie verkörpert. Gelungen ist die untypische Darstellung Marians: Statt eine auf die Errettung durch den Helden wartende holde Maid ist sie in dem neuesten „Robin Hood“ eine willensstarke und selbstständige Frau.

„Robin Hood“ hat alles, was ein Blockbuster braucht: Action und Romantik, Helden und Schurken, Liebe und Kampf. Wer „Gladiator“ mochte, wird „Robin Hood“ lieben.

Start: 13. Mai

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Im Kino: VERTRAUTE FREMDE

Mit der Erfahrung von heute noch mal die Jugend erleben - Wünscht sich das nicht jeder einmal? Als der Pariser Comic-Zeichner Thomas (Pascal Greggory) nach einer Geschäftsreise in den falschen Zug steigt, widerfährt ihm genau das: Er findet sich plötzlich im idyllischen Bergdorf seiner Kindheit wieder und auch sein Körper scheint nicht mehr der des 50-jährigen Thomas zu sein... Aus der Geschäftsreise wird eine unerwartete Zeitreise in seine Vergangenheit als 14-jähriger Teenager (überzeugend gespielt von Léo Legrand).

Anfänglich glaubt Thomas noch, es sei nur ein Traum, aus dem er am nächsten Tag wieder erwacht. Doch der vermeintliche Traum dauert an, wird immer realer und Thomas beginnt, sein wiedergewonnenes Teenager-Dasein zu genießen: Er spielt Fußball mit Freunden, tröstet liebevoll die kleine Schwester, hilft der Mutter (Alexandra Maria Lara) im Haushalt und dem Vater (Jonathan Zaccaï) in der Schneiderei. Ja, sogar seine erste große Liebe, die er sich als 14-jähriger nie traute anzusprechen, findet Gefallen an Thomas.

Doch der hat wichtigeres zu tun, als sich seiner Jugendliebe zu widmen: Bevor die Zeitreise ein Ende findet, will er seinen Vater davon abbringen, die Familie ohne jede Ankündigung für immer zu verlassen.

Nach "Der Tango der Rashevskis" (2003) und "Irina Palm" (2007) zeigt Regisseur Sam Garbarksi auch mit seinem dritten Film, dass er ein ruhiger und raffinierter Erzähler ist. Den narrativ etwas schwierigen Kniff der Zeitreise löst er geschickt und verständlich. Er erzählt die Geschichte poetisch, ohne dabei ins kitschig-sentimentale zu verfallen. Garbarski schafft es, ganz unprätentiös ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie sehr Thomas die Rückkehr in seine Vergangenheit genießt: Wenn er sich beim Frühstück das Brot gleich mit fünf Marmeladen bestreicht oder sich in ein frischgewaschenes Bettlaken hüllt, um den Geschmack und Geruch der Kindheit intensiv wiederzuerleben.

Der Film ist ein gelungenes Plädoyer dafür, das Leben zu genießen, den gewöhnlichen Alltagstrott gelegentlich hinter sich zu lassen und den Menschen, die man liebt, nahe zu sein, bevor es zu spät ist.

Start: 20. Mai

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Im Kino: DIE ELEGANZ DER MADAME MICHEL

Hat sich hier jemand im Titel geirrt? Eleganz ist wahrlich kein Attribut, das man der mürrischen Madame Michel (Josiane Balasko) zuschreiben möchte. Als Concierge eines noblen Pariser Wohnhauses führt sie ein unscheinbares Leben abseits ihrer Luxus-Mieter. Erst als sie die 11-jährigen Paloma (Garance Le Guillermic) - hochbegabt und lebensmüde - und den geheimnisvollen neuen Hausbewohner Kakuro Ozu (Togo Igawa) kennen lernt, blüht Madame Michel sichtbar auf - und rechtfertigt doch noch den Filmtitel.

Mona Achache macht in ihrer Verfilmung des Bestsellers "Die Eleganz des Igels" eigentlich alles richtig, trotzdem wollten mir die stachelige Concierge und ihre beiden Freunde nicht so recht ans Herz wachsen.

Start: Lief am 6. Mai in den deutschen Kinos an

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Im Kino: IRON MAN 2

"Iron Man" setzt in seiner Forsetzung etwas Rost an, gehört aber noch längst nicht zum alten Eisen.

Wir erinnern uns: Waffenfabrikant Tony Stark (schnoddrig in Perfektion: Robert Downey jr.), von Terroristen entführt und lebensgefährlich verletzt, bastelt sich in Gefangenschaft eine schwer bewaffnete Metallrüstung. Dies hat für ihn drei praktische Nebeneffekte: 1. Die Rüstung kompensiert seine Verletzungen und hält ihn am Leben. 2. Er ist nun ein Superheld, kann fliegen und entkommt seinen Entführern. 3. Er wird ein Superstar: "Iron Man" wird ein Riesen-Kinohit, der mit seinem arroganten Helden und achselzuckendem Tonfall Publikum wie Kritiker begeistert.

Genau da setzt auch die unvermeidliche Fortsetzung an: Seit seinem Outing als "Iron Man" in einer Pressekonferenz liebt die Welt Tony Stark mehr denn je. Und er sich selbst natürlich am meisten: In bombastischen Inszenierungen lässt er sich als Weltretter bejubeln und macht sich über seine Kritiker lustig. Natürlich geht das nicht lange gut: Die US-Regierung zitiert ihn nach Washington um, bitteschön, schleunigst seine "Iron-Man"-Technologie der Army zu übergeben. Der ebenfalls selbstverliebte, konkurrierende Waffenfabrikant Justin Hammer (bestechend vertrottelt gespielt von Sam Rockwell) versucht alles, um Stark von seinem Thron stoßen. Und ein mysteriöser russischer Ingenieur (Mickey Rourke) greift ihn unvermittelt mit selbst konstruierten Waffen an, denen selbst der Iron Man kaum gewachsen ist. Am schlimmsten aber ist ein dunkles Geheimnis: Die Rüstung, die einst Tonys Leben gerettet hat, vergiftet langsam sein Blut. Iron Man hat nur noch wenige Wochen zu leben...

Der erste "Iron Man" war eine frische Brise für das angestaubte Superhelden-Genre: Unter Jon Favreaus unbeschwerter Regie hatte Robert Downey jr. reichlich Luft, seinen heldenhaften Kotzbrocken Tony Stark zum Strahlen zu bringen.

Fortsetzungen haben leider weniger Freiraum für Experimente: Das Publikum will mehr, deshalb muss es auch mehr kriegen. Mehr Konflikte, mehr Action, mehr neue Gesichter. Das geht meistens in die Hose, aber auf der zwischen den Blockbuster-Extremen "Dinge explodieren ohne Sinn" ("Transformers 2") und "viel Sinnieren, ohne dass Dinge explodieren" ("Superman Returns") schlägt sich "Iron Man" ganz tapfer im oberen Mittelfeld. Will man tatsächlich sehen, wie Tony Stark hart abstürzt und gegen seinen Alkoholismus kämpft? Eigentlich nicht, aber Robert Downey jr. macht mit seiner unterhaltsamen, egomanischen Darstellung selbst diese lahmeren Passagen erträglich.

Letztendlich ist diese Fortsetzung vor allem eine Art Verbindungsteil: Iron Man ist nur ein Mitglied des Superteams "The Avengers", die nach den Einzelfilmen von "Hulk", "Captain America", "Thor" und "Ant Man" in zwei Jahren endlich einen Gemeinschaftsfilm bekommen werden - daher wird nun ausführlich vorbereitet, dass der Einzelgänger Tony Stark nicht alleine überleben kann, sondern auf sein Team angewiesen ist. Weitere Vorbereitungsarbeit neben dieser Message: Scarlett Johannson darf sich als Superheldin "Black Widow" vorstellen, und im sexy Stretch-Outfit einen Haufen Männer verprügeln. Das treibt die Handlung kein Stück voran, aber sieht hübsch aus.

Das alles könnte streckenweise etwas mitreißender sein, aber unterm Strich macht der Film noch genug Spaß um sich positiv von der Masse der großen Sommer-Actionfilme abzusetzen.

Start: "Iron Man 2" lief am 6.5. in den deutschen Kinos an

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