"Californication": David Duchovny und die Damenwelt

Vom asexuellen Agenten Mulder zum sexbessenen Autor Moody: David Duchovny ist ein guter Grund, ab 29. September die neue Serie "Californication" einzuschalten (montags, RTL2, 22.15 Uhr).

Fotoshow: Szenen und Sprüche aus "Californication"

Heiß begehrt: David Duchovny als Hank Moody in "Califonication"

Ein Mann im besten Alter betritt eine Kirche. Er sieht gut aus, ein bisschen verwegen, mit seinem zerzausten Haar und dem Drei-Tage-Bart. Schnellen Schrittes geht er auf das große Kreuz am Altar zu. Als er gerade dabei ist, Jesus sein Herz auszuschütten, unterbricht ihn eine junge Nonne: "Kann ich helfen?" Der Mann dreht sich überrascht um: "Oh, hallo Schwester. Ich weiß nicht. Also, ich bin Schriftsteller - eigentlich. Aber im Moment schaffe ich nicht einmal ein gottverdammtes, oh Entschuldigung, entschuldigen Sie vielmals, ein schlichtes Prädikat niederzuschreiben." Die hübsche Nonne nickt verständnisvoll: "Normalerweise würde ich jetzt ein paar Ave Maria vorschlagen, aber ich denke, dass reicht nicht. Wie wäre es mit einem Blow-Job?!"

Herzlichen willkommen bei "Californication", der in den USA gefeierten Comedy-Serie, die gerne als männliches "Sex and the City" durchgeht, weil: lustig, respektlos und voller Sex. Der Titel - nach einem Song der Red Hot Chilli Peppers - ist ein Sprachspiel aus California und fornication, was übersetzt soviel wie "Unzucht" bedeutet und damit keine Fragen offen lässt. In Deutschland war "Californication" bislang nur auf dem Bezahlkanal AXN zu sehen, am 29. September startet die Serie bei RTL2 (montags, 22.15 Uhr). Amerika jedenfalls liebt nicht nur die Show abgöttisch, sondern auch ihren Star: David Duchovny.

Der lässt sich als Hank Moody, besagter Autor mit Schreibblockade, beim Sex von einer 16-Jährigen schon mal ein blaues Auge schlagen und frönt einer allgemeinen Sinnkrise: Sein Erfolgsroman wurde in eine seichte Hollywoodkomödie verwandelt, und seine große Liebe Karen, Mutter seiner Tochter, wird demnächst heiraten. Moodys Mittel gegen den Frust: Zigaretten, Bier schon am Morgen und ausgedehnte Bettgeschichten.

Äh, Moment. Duchovny? Hat der nicht...? Ja, hat er. In den 90er Jahren wurde er in der Mystery-Erfolgsserie "Akte X" als FBI-Agent Fox Mulder so was wie ein Kult-Star. Wir erinnern uns: Mulder, der asexuelle Ermittler, dessen Erotik sich auf eine umfangreiche Pornosammlung beschränkte. Wer weiß, vielleicht hat David Duchovny deshalb im zarten Alter von 47 Jahren die Rolle des sexbesessenen Moody angenommen. Um es im Bett mal so richtig krachen zu lassen.

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Hank Moodys (David Duchovny) Lieblings-Objekte der Begierde: Seine Ex Karen (Natascha McElhorne) und Tochter Becca (Madeleine Martin)

Die Wahrheit ist mal wieder weitaus weniger sexy - ein ausschlaggebender Grund, sagt Duchovny, waren die guten Produktionsbedingungen: "Ich muss mich nicht zehn Monate des Jahres verpflichten wie normalerweise üblich, sondern nur zwölf Wochen. Da bleibt mir genug Zeit für die Familie und andere Projekte."

Im wahren Leben ist er eben eher der pragmatische Typ. Doch überzeugten Duchovny nicht ausschließlich die familienfreundlichen Arbeitszeiten von "Californication": "Ich hatte die Chance, Unterhaltung für Erwachsene zu machen. So wie früher in den 70ern, angelehnt an Filme wie ‚Shampoo'. Keine dieser kindischen Komödien, wie sie gerade modern sind." In der Tat geht es in der Serie deftig zu. Auf die Frage, wie eigentlich seine Frau Téa Leoni, ebenfalls Schauspielerin, die Tatsache findet, dass in "Californication" ungefähr alle fünf Minuten eine andere vollständig entblößte Dame auf ihrem Mann reitet und ihm ihre Silikonbrüste ins Gesicht schwingt, gibt sich Duchovny zugeknöpft: "Nächste Frage, bitte."

Immerhin vollzieht der zweifache Familienvater einen beachtlichen Imagewechsel: Vom lustfeindlichen Agenten - geschwisterliches Gekuschel und angedeutete Küsse waren die erotischen Höhepunkte zwischen Mulder und seiner rothaarigen Kollegin Scully - zum herrlich schmierigen, amoralischen, Drogen nicht abgeneigten Sex-Maniac mit Hang zur Lakonie. Letzteres immerhin ein Charakterzug, das David Duchovny bereits zu "Akte X"-Zeiten auszeichnete. Seine zurück genommene, beinahe regungslose Art zu spielen, die man in den USA so schön als "dead pan acting" bezeichnet, verschafft ihm auch in "Californication" genau das richtige Stück ironischer Distanz, das man für einen Part wie die des egozentrischen Hank Moody benötigt. Verdientermaßen gewann der gebürtige New Yorker Duchovny dafür Anfang des Jahres einen Golden Globe. Zwar behauptet David Duchovny, Ruhm bedeute ihm nicht viel ("Ich mache einfach meine Arbeit, und kümmere mich nicht darum, ob ich auf dem Titel einer Zeitschrift bin oder nicht"), aber insgeheim hoffte er immer auf eine große Leinwandkarriere.

Nur schien die lange so weit entfernt wie die Lösung der X-Akten. Nach seinem Ausstieg bei "Akte X" im Jahr 2000 ereilte ihn das Schicksal, dass viele Seriendarsteller durchleben: Niemand möchte sie im Kino sehen. Die meisten seiner Projekte floppten an den Kassen, darunter die Romantikkomödie "Return to me" an der Seite von Minnie Driver. Sein Regiedebüt "The House of D" aus dem Jahr 2004, für das er immerhin Robin Wiliams verpflichten konnte, verrissen die Kritiker ebenso gnaden- wie hemmungslos.

Doch auf einmal mischt der Mann wieder überall mit. Erst kürzlich spielte Duchovny in dem viel beachteten Kinodrama "Eine neue Chance" an der Seite von Halle Berry und im Sommer jagte er tatsächlich als der gute alte Fox Mulder, unerschütterlich in seinem Glauben an das Übernatürliche, im Kino unerklärlichen Phänomenen hinterher - zehn Jahre nach dem ersten erfolgreichen "Akte X"- Film und sechs Jahre nach dem Aus der Serie.

Die Zuschauer mochten bei der Jagd nach Aliens und Antworten allerdings nicht mehr so recht mitmachen. "Akte X - Jenseits der Wahrheit" floppte an den Kinokassen. Hauptsache, David Duchovny ist deshalb nicht in eine Hank-Moodyhafte Sinnkrise gestürzt.

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Hank Moody (David Duchovny): "Ich bin Schriftsteller - nicht praktizierend."

Hanks Ex-Freundin Karen (Natascha McElhone): "Ob Du willst oder nicht, wir sind lebenslang aneinander gefesselt, ohne die naheliegenden ..." Hank: "... sexuellen Begleiterscheinungen." Karen: "Du bist an der Front offensichtlich ganz gut versorgt."

"Hörst Du das, Hank? So hört sich mein Telefon an, wenn es deinetwegen nicht klingelt." Agent Charlie (Evan Handler) ist nicht einverstanden mit Hanks Arbeitseinstellung.

Hank: "Ich werde wahrscheinlich nicht in die Geschichtsbücher kommen, aber garantiert in Deine Schwester."

Karen: "Du läufst da draußen rum und steckst Deinen Schwanz in alles, was sich bewegt, weil Du es mir heimzahlen willst."

Mia (Madeline Zima) zu Hank: "Wieso sollte ich einen Typen kennen lernen wollen, der so selbstverliebt ist, dass er in einen Buchladen geht und seine eigenen Werke liest?" Kurze Zeit später landet sie doch mit ihm im Bett. Leider weiß Hank zu dem Zeitpunkt weder, dass Mia erst 16 ist, noch dass ihr Vater der neue Lebensgefährte seiner Ex Karen ist.

Hank: "Ich weiß die meiste Zeit nicht, was ich sage. Da können Sie jeden fragen."

Dialog mit Tochter Becca (Madeleine Martin): "Dad, bist Du geistesgestört?" - "Ja."

Karen zu Hank: "Du bist ein notgeiler, alter Sack."

Merle Wuttke, kawa Fotos: Showtime Networks Inc.

Wer hier schreibt:

Merle Wuttke

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