"Sex and the City": Vier Filmkritiken

Wie ist er denn nun eigentlich, der Film? Ob es sich lohnt ins Kino zu gehen - und für wen. Sind Sie eine SATC-Süchtige oder ein -Neuling? Haben Sie einen Hang zum Happy End oder lieben Sie die Mode? Wir haben für jeden SATC-Typ eine Filmkritik.

Die Filmkritik für SATC-Süchtige

Für alle, deren DVD-Boxen schon ganz zerfleddert aussehen, und für alle, deren wichtigste Ratgeberin in Herzensnot und Style-Fragen Carrie Bradshaw bleibt:

Ihr müsst ins Kino gehen! Der Film ist alles - nur nicht enttäuschend. Was die Serie zum Kult gemacht hat, wirkt auch auf einer Kino-Leinwand bezaubernd: Love, Labels and New York. Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda sind in den vier Jahren seit Serienende älter geworden. Aber sie reden immer noch über - ja, auch über Sex - aber vor allem über sich selbst, Liebe und Freundschaft. Und sehen dabei einfach wahnsinnig gut aus!

Wir können uns wie immer wiederfinden in all dem Hin und Her, das die vier Mädels durchmachen. Das galt als sie Anfang dreißig waren genau wie heute, zehn Jahre später. Denn sie stellen nach wie vor die wichtigen Fragen des Lebens: Was bedeutet mir Liebe? Und was Freundschaft? Was soll aus mir werden? Zusammengefasst: Ein ständiges "Soll ich oder soll ich nicht?" der Lebensberatung.

Was ein bisschen anders ist: Mr. Big heißt John James Preston. Carrie bleibt trotzdem bei "Big". (Zumindest, wenn sie über ihn redet, ob sie tatsächlich bei ihm bleibt, wird hier nicht verraten.) Die Nebenrollen sind im Gegensatz zur Serie wirkliche Neben-Rollen. Aber ob der "ältere schwule Gentleman" Stanford oder Carries Vogue-Chefin Enid: Irgendwie bleiben alle trotzdem so, wie sie sind.

Zwei bis drei etwas uninspirierte Scherze sind unter dem gewohnten Carrie-Niveau. Aber das ist verzeihlich. Und es ändert nichts daran, dass man nach zweieinhalb Stunden im Kino das absolut gute Gefühl hat, gerade eine ganze SATC-Staffel auf einmal inhaliert zu haben.

Bleibt nur die Frage: Wann erscheint die DVD?

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Die Filmkritik für Fashion-Liebhaberinnen

Was die Serie zum Kult gemacht hat, wirkt auch auf einer Kino-Leinwand bezaubernd: Love, New York - and Labels! Ungefähr jeder Designer der Welt hätte den SATC-Film gerne als verlängerten Laufsteg genutzt. Denn es ging schon immer nicht nur darum, was Carrie zu ertragen hat, sondern auch um das, was sie trägt.

Im Film übrigens 80 verschiedene Outfits, insgesamt sind über 1000 zu sehen. Ob schräg oder einfach nur schön: Jedes davon ist hundert Prozent Sex and the City. Kostümbildnerin Patricia Fields komponiert den Serien-Stil im Film zur perfekten Modenschau - und zu einer vielleicht etwas erwachseneren und unnachahmlich nachahmenswerten Stil-Kaskade.

Von Designermode bis hin zu Fundstücken aus Vintage-Läden, von absoluten Trendteilen bis hin zu Altbekanntem: Was Carrie und ihre Freundinnen modisch hinlegen, ist augenberaubend. Und lässt Kinogängerinnen mit einem normalgroßen Geldbeutel beten, dass es Manolo Blahniks oder Luis-Vuitton-Taschen vom Himmel regnen möge.

In der Serie hatte die Mode eine Hauptrolle, im Film hat sie den Star-Auftritt: Drehbuchautor Michael Patrick King hat einem paar Schuhe - Manolo Blahniks, natürlich - eine liebesspielentscheidende Rolle zugedacht. Herrlich selbstironisch - und einfach Sex and the City.

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Die Filmkritik für Romantiker mit Hang zum Happy End

Das Ende, das wir schon aus der Serie kennen: Mr. Big fliegt nach Paris, sagt Carrie endlich, dass sie die Liebe seines Lebens ist, und ab geht's wieder nach Hause.

Und dann? Die Fernsehserie war eine ewige "Und dann?"-Geschichte und hat nicht verschwiegen, dass es nach einem Happy End auch mal traurig weitergehen kann. Aus purer Gewohnheit stellte sich also bei Serienende die große, große Frage: Und jetzt?

Das fragt sich Carrie auch. Was passiert eigentlich mit einer Liebe, wenn sie einem sicher ist? Nach zehn Jahren On-off-Verhältnis stehen Mr. Big und Carrie in dem Film vor dem nächsten Beziehungslevel: ihrer Hochzeit, "the big day".

Mal ehrlich: Der endgültige Ausgang der Liebesgeschichte Bradshaw-Big ist doch mindestens die Hälfte des Grundes, warum "Sex and the City"-Fans ins Kino gehen werden. Es wäre sogar gemein zu verraten, was aus der Hochzeit wird. Oder aus Miranda und Steve, Charlotte und Harry oder Samantha und Smith.

Auf jeden Fall zeigt der Film genau wie die Serie viel von der Liebe: romantische, unfassbare, unfassbar gemeine, verletzende, kitschige, vergängliche, ewige, rührende. Liebe eben. Insofern müssen eine Menge Gefühle im Kino-Saal Platz finden. Taschentücher einzupacken, ist auf keinen Fall verkehrt.

Das Ende ist zum Glück ein gutes - im Sinne der Serie. Drehbuchautor Michael Patrick King hat genau den richtigen Ton getroffen, um die vier Liebesgeschichten zu Ende zu bringen. Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Nachdenklichkeit und sehr viel Persönlichkeit machen den Schluss aus.

Und dann? Abwarten. Vielleicht wird es ja einen nächsten Film geben.

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Die Filmkritik für SATC-Neulinge

Sie fragen sich, ob sich der Kinogang lohnt, wenn sie den Namen Carrie Bradshaw vielleicht mal gehört haben - aber mehr auch nicht?

Es kommt darauf an. Erstmal ist der Film ganz klar nicht nur an Eingeweihte gerichtet: Eine Mini-Rückschau am Anfang fast alles zusammen, was Sie dringend über Carrie und ihre Freundinnen wissen müssen. Insider-Witze kommen vor, stören aber niemandem, der nicht bis über den Kopf im SATC-Kosmos steckt. Die Handlung ist in sich rund und kunterbunt.

Der Film lohnt sich für Sie, wenn Sie Liebes- und Lebensgeschichten mögen. Geschichten über sehr erwachsene Frauen zwischen 40 und 50, die wissen, wer sie sind, und herausfinden, was sie wollen. Die sich dabei auch mal wunderbar erfrischend mit Nebensächlichem wie Schuhen oder Hauptsächlichem wie Sex beschäftigen. Deren Freundschaft in jeder Lebenslage das letzte Wort hat. Wer sich darauf einlassen kann, wird seinen Spaß haben.

Natürlich sind die Charaktere zugespitzt, genau wie die Dialoge, die Kleidung, die Handlung. Das mag auf manchen völlig wirklichkeitsfremd und überdreht wirken. Wenn Sie schon vorher wissen, dass Sie das nervt, bleiben Sie lieber zu Hause. Es ist nicht so, dass der Film keinen Anspruch hat - er hat, genau wie die Serie, seinen ganz eigenen.

Text: Inga Leister Foto: 2007 Warner Bros. Ent.
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