Film-Check: So sexy ist der "Shades of Grey"-Film

"Shades of Grey" im Filmkritik-Schnell-Check: Wie gut hat der Bestseller den Sprung auf die Leinwand überstanden?

Endlich startet "Shades of Grey" in den Kinos. Überlebt das Knistern der Buchvorlage, oder ist der Film eher Hollywood-zahm geworden?

Reden wir nicht um den heißen Brei: Kann der Film mit dem Buch in Sachen Sex mithalten?

Ja, für so einen großen Hollywood-Studiofilm ist ganz schön viel Sex zu sehen. Die Produzenten haben genau ausgelotet, wie weit sie gehen können, um schamhaarscharf am Porno-Zertifikat vorbeizuschrappen. Den Rahmen haben sie voll ausgekostet.

Wie weit geht denn dieser "Rahmen"? Ich bin jetzt kein zartes Pflänzchen und kann so einiges vertragen.

Also, wenn wir technisch werden wollen: Natürlich sind weder Geschlechtsteile noch Sex direkt zu sehen, aber die Kamera guckt auch nicht verschämt weg. Alles ist so gefilmt, dass man durch Perspektive und Schnitte den Eindruck hat, viel mehr zu sehen, als gezeigt wird. Und: Es gibt von beiden Hauptdarstellern gleich viel nackte Haut zu sehen. Ein schöner Bruch mit der Hollywood-Regel, dass Frauen sich im Film komplett nackt machen, und die Männer nur kurz ihr T-Shirt ausziehen.

Ah ... ich kriege den adretten Mr. Grey komplett zu sehen? Also, seinen Darsteller Jamie Dornan?

Ja, bis auf die pikantesten paar Zentimeter ist alles von ihm zu sehen. Vor allem sein Hintern könnte für einen Nebenrollen-Oscar nominiert werden. Aber leider bestätigt sich auch hier wieder: Für das richtige Kribbeln im Bauch muss eine Sexszene mehr können, als Leute nackt zu zeigen.

Was soll das denn heißen?

Der ganze Film ist so unterkühlt wie ein Musikvideo aus den späten 90ern. Wenn man beim Sex wenig Interesse an der Chemie der Darsteller hat, aber penibel auf die perfekte Ausleuchtung des Schlafzimmers achtet, kommt halt wenig Leidenschaft auf. Anderseits ist genau das natürlich der Punkt von "Fifty Shades": Gefühlskälte, Unnahbarkeit, Machtspiele.

Wie ist denn der Rest so, mal abgesehen vom Sex?

Sehr gute Frage, zumal nach Abzug der Sexszenen noch 100 Minuten Filmhandlung übrig bleiben. Die sind ein bisschen wie eine romantische Komödie, die weder romantisch noch lustig ist.

Es gibt nichts zu lachen?

Doch, aber das haben die Filmemacher vermutlich nicht beabsichtigt. Während Christian Grey im Roman eine leicht bedrohliche, düster-sexy Ausstrahlung hat, wirkt er im Film oft wie eine Mischung aus Pick-Up-Artist und Serienmörder (einige seiner "Überraschungsbesuche" bei Anastasia könnten auch aus einem "Freitag, der 13."-Film kommen). Und auch lange Diskussionen über Klauseln in einem Beziehungs-Vertrag, den Anastasia unterschreiben soll, mögen im Buch ganz sexy sein - im Film ist das so anregend wie ein Telefonat mit der Rechtsschutz-Versicherung. Aber: Wer eine Schwäche für Filme hat, die um jeden Preis ernst bleiben, egal wie albern es zugeht, bekommt hier das größte Geschenk seit "Showgirls".

Und die Romantik?

Blitzt ein paar mal ganz kurz auf, wirkt dann aber eher wie ein Betriebsunfall. Aber: Auch das ist natürlich ein Kernpunkt der "Fifty Shades": Dass Milliardär Mr. Grey nur im Ausnahmefall Gefühl zeigen kann.

Jaja, schon klar. Hauptsache über "Shades of Grey" lustig machen. Ich mag es trotzdem, okay?

Klar. Es bringt nichts, darüber herzuziehen, dass der Film seine Schwächen hat, denn natürlich ist das völlig egal. „Shades of Grey“ ist nicht als Dokumentarfilm über den Alltag einer Studentin mit Milliardärs-Bekanntschaft gedacht. Es geht um Fantasien und geheime Leidenschaften, und die kommen nicht zu kurz. Wer einfach mal erleben möchte wie es ist, im „Spielzimmer“ des Christian Grey live dabei zu sein, bekommt seinen Traum erfüllt.

heh
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