Veronica Ferres in "Die Staatsaffäre" - muss das sein?

Am 2. September war Veronica Ferres als Bundeskanzlerin in "Die Staatsaffäre" zu sehen. Für wen wird sowas gedreht, fragte sich BRIGITTE-Redakteur Henning Hönicke.

Liebe Sat1-Redakteure,

ihr müsst mir mal was erklären: Seit Tagen werde ich von Postern, Anzeigen und Werbespots darauf hingewiesen, dass ihr einen wahnsinnig lustigen TV-Film zeigt: "Die Staatsaffäre". Ist der Inhalt so witzig, wie ihr uns weismachen wollt?

Veronica Ferres (kicher) ist Bundeskanzlerin (prust) und hat Sex mit dem französischen Präsidenten (BWAHAHAHA!)... total crazy, oder? Es gibt natürlich auch ernste Momente: Im Trailer sagt Veronicanzlerin mit viel Bibber in der Stimme Sachen wie "Ich liebe dieses Amt! Und ich liebe ihn!" und muss sich dramatischerweise zwischen Pflicht und Leidenschaft entscheiden. Klingt nach Top-Entertainment, oder?

Seltsamerweise waren in meinem Umfeld die Reaktionen auf die "Staatsaffären"-Plakate so ziemlich identisch mit der von BRIGITTE-Kolumnistin Julia Karnick:

Interview: Javier Bardem

Liebe Sat1-Redaktion: Überrascht euch das? Wahrscheinlich eher nicht, oder? Ich bin mir ziemlich sicher: Nach dem Drehbuch-Pitch "Wir machen denselben Film wie immer, nur dieses Mal geht es um die BUNDESKANZLERIN" habt ihr euch gegenseitig leicht beschämt angeguckt, kurz mit den Schultern gezuckt und auf die abgewetzte "Ferres"-Taste auf dem Casting-Telefon gedrückt.

Aber einen Film, der wirklich Spaß macht? War doch nie vorgesehen. Guckt euch mal den Trailer zu eurem Meisterwerk an:

So. Das ist euer Aushängeschild, der Spitzenwitz, der uns den Film schmackhaft machen soll. Das ist kein Gag, das ist ein Gag-Platzhalter, ein Pointen-Simulator, ein unterschwelliges Versprechen: "Schaut her, das fühlt sich doch schon fast an wie etwas, worüber man lachen könnte! Bleibt dran, irgendwann kommt dann auch noch was echt Lustiges!"

Aber euch ist ja auch egal, ob wir tatsächlich mal lachen, Hauptsache wir bleiben lange genug vor dem Fernseher sitzen, um den nächsten Werbeblock nicht zu verpassen.

"Moment!", höre ich euch schon rufen, als ihr eine Sekunde aus eurer Lethargie erwacht, "das ist halt eine leichte Liebeskomödie, typisch Journalist, immer muss alles anspruchsvoll sein." Aber genau das ist das Problem: Ich mag romantische Komödien. Ich mag leichte Unterhaltung, die Spaß macht und sonst nichts. Aber in diesem Punkt habt ihr mit der "Staatsaffäre" und euren anderen "TV-Events" komplett versagt: Auch seichte Unterhaltung muss einen Funken Inspiration besitzen und sollte nicht an den Haaren herbeigezogen und von vorne bis hinten lächerlich sein. Einfach nur die Reste von "Das Superweib", "La Boum" und einer Folge "Tagesschau" zusammenzukratzen, reicht leider nicht aus.

Aber ich erzähle euch ja nichts Neues. Ich hoffe nur, liebe TV-Redaktionen, dass euch die Beschwerden der Zuschauern irgendwann zu sehr auf die Nerven gehen. Dass ihr mal guckt, was unsere Nachbarländer für tolle Serien produzieren (Politik im Fernsehen, die "nur" unterhalten soll? Guckt mal hier!), und dass ihr mal zuhört, wenn jemand aus eurer eigenen Branche mit der Faust auf den Tisch haut.

Immerhin, wenigstens ein Fan freut sich so richtig auf die Ausstrahlung der "Staatsaffäre":

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