DSDS: Tränen für Daniel Schuhmacher

Man kann "DSDS" blöd finden, überflüssig oder peinlich. Aber seit Daniel Schuhmacher am Samstag zum Sieger gekürt wurde, ist klar: "Deutschland sucht den Superstar" ist gut für die Seele.

Beim Finale von DSDS am Samstag wurde nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Millionen Wohnzimmern geweint, denn wieder einmal gewann jemand, der eigentlich auf der Verliererseite des Lebens stand. Nach Mark Medlock (Hartz 4-Empfänger und Vollwaise) und Thomas Godoj (erfolgloser Musiker ohne Plan B) traf es nun Daniel. Verklemmter Auszubildender mit - jetzt mal ehrlich - merkwürdigen Gesichtsproportionen, der in der Schule für seine Fistelstimme gemobbt wurde.

Innerhalb von vier Monaten wurde er zum "Riesentalent mit Wiedererkennungswert" (Bohlen), seine Lippen galten plötzlich als sinnlich, der Schlafzimmerblick als sexy. Unfassbar. Besonders für Daniel. Der traute sich erst nach ein paar Folgen, diesen ungewohnten Komplimenten Glauben zu schenken.

Sarah Kreuz, mit nur 0,47 Prozent weniger knappe Zweite, die nach dem Finale selbstbewusst und eloquent in die Mikros plauderte, war zu Beginn der Staffel ein Sinti-Mädchen ohne Schulabschluss und ohne Idee. Jetzt ist sie Heldenfigur für die Sinti-Bevölkerung in Deutschland und der Beweis, dass niemand wertlos ist, nur weil er nichts vorzuweisen hat.

Als sich die zwei durchs Finale sangen, konnte jeder sehen, dass da zwei junge Menschen an sich selber geheilt waren. Wer letztlich gewonnen hat, und ob Daniel oder Sarah tatsächlich als Sänger erfolgreich werden, ist eigentlich wurscht. Wegen der Musik guckt doch schon lange niemand mehr zu.

DSDS zeigt uns jede Staffel aufs Neue, dass jeder Depp noch irgendwo König sein kann. Dass Verlierer zu sein, im Auge des Betrachters liegt, und auf jeden irgendwo eine Fangemeinde wartet. Und das ist weder blöd, noch überflüssig oder peinlich.

Text: Stefanie Hellge
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