Kiel-Tatort: Nanu, wo ist denn die Leiche hin?

Ein Mord ohne Leiche, ein bisschen Klaustrophobie beim Kommissar und ein Stargast, der nicht viel zu sagen hat - warum der Kiel-Tatort dieses Mal etwas schwächelte.

Ein Schuss, ein Treffer, ein Mann stürzt ins Wasser. Während eines Bootsausflugs der Firma Marex fällt ein Schuss und der Jurist Jens Adam (Andreas Patton) geht über Bord. Seine Leiche bleibt allerdings verschwunden. Schnell wird klar, dass Adams Tod mit der Ermordung eines neuseeländischen Umweltschützers zusammenhängen könnte. Der protestierte nämlich gegen den Rohstoffabbau in der Tiefsee durch Unternehmen wie Marex und die daraus resultierende Zerstörung der Meeresböden. Für Marex ist der Abbau von Seltenen Erden, die unter anderem für Mobiltelefone gebraucht werden, ein lukratives Geschäft. Adam wollte offenbar über die Machenschaften seines Arbeitgebers auspacken. Wurde er deswegen ermordet? Die Marex-Chefin Sylvana Vegener (Karoline Eichhorn) scheint jedenfalls vor nichts zurückzuschrecken.

Auch Adams Frau Marte (Nicolette Krebitz) gerät ins Visier der Kieler Ermittler Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli). In den Vernehmungen benimmt sie sich äußerst seltsam. Dass sie von den Affären ihres Mannes wusste, macht sie nur noch verdächtiger. War es ein Mord aus Eifersucht? Dann taucht auch noch Thrillerautor Frank Schätzing in einer völlig überflüssigen Gastrolle als Wissenschaftler auf. Und Klaus Borowski überwindet seine - Achtung Wortwitz! - Klaustrophobie und taucht in einem Mini-U-Boot auf den Grund der Kieler Förde ab. Liegt dort die Lösung des Falls begraben?

Borowski und Brandt sind erblasst

Sie schauen lieber gemeinsam Fernsehen? Kein Problem! Jede Woche tauschen sich die Krimi-Fans in der BRIGITTE-Community über den aktuellen Tatort oder Polizeiruf aus. Gucken und diskutieren Sie mit - im "Strang für alle Fälle"!

Der neue Fall des Kieler Tatort-Teams "Borowski und das Meer" ist ein klassischer "Whodunit", in dem die Suche nach dem Täter und die Aufklärung eines Verbrechens im Vordergrund stehen. Das machen die Kieler auch dieses Mal ganz passabel. Allerdings wirken sie dabei besonders im Vergleich zu "Borowski und der Engel" etwas blass. Bei dem letzten Fall aus Kiel war von Anfang an klar, wer der Mörder war. Die spannende Frage, warum ein Mensch zum Mörder wird und was dieser Mord mit ihm macht, stand damals im Fokus. Aus dem "Whodunit" wurde also ein spannender "Whydunit" über Gut und Böse.

Am Sonntag sind wir zurück im gewohnten Krimi-Prinzip, in dem der gegen 21 Uhr präsentierte Verdächtige nie der Täter ist. Borowski ermittelt kauzig wie eh und je, während Sarah Brandt brav Notizen machen, verliebt wie ein pubertärer Teenie via Skype mit dem charmanten Kollegen aus Neuseeland flirten und einmal mutig mit gezogener Waffe vor ein heranrasendes Auto springen darf. Da hätten wir uns für die Kollegin ein bisschen mehr Plot und Arbeit gewünscht. Vor allem, weil im neuen Kiel-Tatort durchaus einige starke und interessante Frauentypen (Eichhorn und Krebitz) auftauchen. Schade, dass die Autoren die Ermittlerin dieses Mal in eine Verschnaufpause geschrieben haben.

Hegt Borowski neuerdings Vatergefühle?

Redakteurin Insa Winter freut sich immer auf ein Wiedersehen mit Klaus Borowski - denn meist hat er spannende Fälle und gute Unterhaltung dabei.

Da hilft auch das zweifelhafte Lob eines Kollegen nichts. "Taff, dein Mädchen", sagt der, als Brandt vor das erwähnte Auto springt, um die Fahrerin zum Anhalten zu zwingen. Borowskis knappe Antwort: "Is' nicht mein Mädchen." So recht will man das Borowski allerdings nicht glauben. Zu oft erkundigt er sich in letzter Zeit nach Brandt, die an Epilepsie leidet, und ihrem Wohlbefinden. Hegt Borowski, der Brandt lange äußerst skeptisch gegenüberstand, inzwischen vielleicht so etwas wie Vatergefühle für sie?

"Borowski und das Meer" ist nicht der beste Fall, den die Kieler Kommissare jemals ermitteln durften, hat aber trotzdem eine überraschende Wendung parat, für die sich das Einschalten lohnt. Denn auch ein nicht perfekter Tatort aus Kiel bietet noch mehr Spannung als manch Ermittler-Team aus anderen Gefilden. Auf Frank Schätzing als Stargast hätten wir allerdings verzichten können.

"Tatort: Borowski und das Meer", Sonntag, 30. März 2014, 20.15 Uhr, ARD

Text: Insa Winter

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!